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Apfelpatient Weekly #17

Milan Jovicic by Milan Jovicic
2. August 2026 - 15:58
in Apple Allgemein
Apple head office, apple park, infinite loop, USA. High quality photo

Bild: mrchv / DepositPhotos.com

Apple hat in dieser Woche zwei Rekorde aufgestellt und die Aktie trotzdem tiefer beendet, als sie gestartet war. Am Dienstag fiel die Marke von fünf Billionen Dollar, am Donnerstag folgte das beste Juni-Quartal der Firmengeschichte – und danach ging es abwärts. Parallel lief eine zweite Geschichte mit weniger Schlagzeilen, die für Käufer im kommenden Jahr wichtiger werden dürfte.

Diese Woche gehörte den Zahlen. Am 28. Juli wurde Apple als erstes Unternehmen fünf Billionen Dollar wert und markierte bei 342,89 Dollar ein Rekordhoch. Zwei Tage später legte Tim Cook seine letzte Bilanz als CEO vor, mit Bestwerten bei Umsatz, Gewinn je Aktie und operativem Cashflow.

Die Börse reagierte trotzdem mit einem zweistelligen Rückschlag gegenüber dem Hoch vom Dienstag. Der Grund liegt weniger in den Zahlen selbst als in dem, was unter ihnen liegt: ein Sondereffekt, der den Gewinn hebt, eine Services-Sparte unter Plan und eine Prognose, die von Lieferengpässen spricht. Dazu kam eine Rechnung von Counterpoint, die zeigt, wie sehr Apples Erfolg 2026 an einer einzigen Entscheidung hängt – der, die iPhone-Preise nicht anzuheben.

🔥 Story der Woche: Rekordquartal ohne Applaus

Apple meldete für das dritte Fiskalquartal 109,4 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 16,4 Prozent. Der Gewinn je Aktie stieg um 29 Prozent auf 2,02 Dollar, die Bruttomarge lag bei 50,1 Prozent. Europa wuchs mit 22,4 Prozent so stark wie Großchina und damit doppelt so schnell wie Amerika.

Der zweite Blick fällt nüchterner aus. Rund zwei Prozentpunkte Marge und 0,11 Dollar je Aktie stammen aus Zoll-Rückerstattungen. Bereinigt bleiben 48,1 Prozent Marge und 1,91 Dollar – die eigene Prognose lautete auf 47,5 bis 48,5 Prozent, der Analystenkonsens auf 1,89 Dollar. Der viel zitierte Beat ist damit fast vollständig ein Steuereffekt, und Finanzchef Kevan Parekh bestätigte auf Nachfrage, dass man ohne ihn beim Mittelwert der eigenen Erwartung gelandet wäre.

SparteUmsatz Q3 2026Veränderung zum Vorjahr
iPhone54,25 Mrd. Dollar+21,7 %
Mac10,35 Mrd. Dollar+28,7 %
iPad6,19 Mrd. Dollar−5,9 %
Wearables, Home & Zubehör7,88 Mrd. Dollar+6,5 %
Services30,74 Mrd. Dollar+12,1 %

Ein weiterer Posten steht in der Bilanz statt in der Pressemitteilung: Die Vorräte stiegen von 5,72 auf 11,09 Milliarden Dollar und haben sich damit beinahe verdoppelt. Cook erklärte den Sprung auf Nachfrage mit vorgezogenen Einkäufen, deren Puffer nach dem September-Quartal auslaufe. Für das laufende Quartal stellt Apple neun bis elf Prozent Wachstum in Aussicht – bereinigt um 2,5 Punkte Wechselkurseffekt sind das operativ 11,5 bis 13,5 Prozent, gleichzeitig warnt das Unternehmen aber vor größeren Lieferengpässen als in den Vorquartalen.

Für Cook war es die letzte Telefonkonferenz als CEO, bevor John Ternus am 1. September übernimmt. Sämtliche Details aus dem Gespräch mit den Analysten stehen im Recap zur Telefonkonferenz, die Originalzahlen in der Mitteilung im Apple Newsroom.

📰 Was sonst wichtig war

AppleCare One ist in Deutschland gestartet. Der Sammeltarif deckt mehrere Geräte in einem Abo ab und ist damit erstmals hierzulande verfügbar. Preise, Umfang und die Grenzen des Modells stehen im Überblick zum Deutschland-Start.

iOS 26.6 ist final. Das Update fiel als Wartungsversion aus, baut aber den Spotlight-Index neu auf und bereitet damit die Suche auf iOS 27 vor. Wichtiger als die Neuerungen selbst ist der Sicherheitsteil: Apple schließt 78 Lücken auf iPhone und iPad.

Drei Smart-Home-Geräte stehen kurz vor dem Start. Apple TV und HomePod mini sind für den Herbst gesetzt, die Smart-Home-Zentrale fällt dagegen aus der Reihe und wird zwischen Oktober und Anfang 2027 erwartet. Der aktuelle Stand zum Display-Gerät steht in der HomePad-Übersicht.

Der Touchscreen kommt an den Mac. Samsung soll das OLED-Panel für das MacBook Ultra exklusiv liefern – ein einziger Zulieferer für ein Bauteil, das eine jahrzehntelange Produktlinie umkrempelt. Alle bisherigen Angaben zum Gerät sammelt die MacBook-Ultra-Übersicht.

Qualcomm verliert das iPhone-Geschäft schneller als geplant. Der Modem-Ausstieg vollzieht sich früher als in den eigenen Prognosen angenommen, wie die Quartalszahlen des Zulieferers zeigen.

Zwei Regulierungsfronten wurden gleichzeitig aufgemacht. In London wehrt sich Apple gegen die Auflagen der Wettbewerbsbehörde, in Washington beantragt das Justizministerium, Apples Zugriff auf Behördenakten zu kippen.

💡 Gerücht der Woche: Bis zu 300 Dollar Aufschlag beim iPhone 18 Pro

Die erwartete Preisspanne für die kommende Pro-Generation ist erneut nach oben gewandert. Statt der im Juni genannten 200 Dollar stehen jetzt 250 bis 300 Dollar Aufschlag im Raum, was 1.349 bis 1.399 Dollar für das iPhone 18 Pro und 1.449 bis 1.499 Dollar für das Pro Max bedeuten würde.

Auf deutsche Verhältnisse hochgerechnet – ausgehend von den aktuellen UVPs von 1.299 und 1.449 Euro – landet man bei rund 1.590 bis 1.650 beziehungsweise 1.750 bis 1.810 Euro. Das wäre die deutlichste Preisbewegung bei einer iPhone-Generation seit Jahren. Der vollständige Stand zum Gerät steht in der Gerüchte-Übersicht zum iPhone 18 Pro.

📊 Zahl der Woche: 49 Prozent

So groß ist Apples Anteil am weltweiten Smartphone-Umsatz im zweiten Kalenderquartal laut Counterpoint – bei einem Stückzahlanteil von 21 Prozent. Der durchschnittliche Verkaufspreis stieg von 879 auf 946 Dollar.

Rechnet man die Zahlen gegeneinander, bleiben für alle übrigen Hersteller zusammen rund 260 Dollar Durchschnittspreis. Apple verkauft also jedes fünfte Gerät und kassiert dafür fast die Hälfte des Geldes. Ein wesentlicher Grund: Während die Android-Preise anzogen, blieben die Apple-Preise stabil – wie das Unternehmen intern über Preiserhöhungen entscheidet, wurde in derselben Woche zum Thema.

👎 Flop der Woche: Services verfehlen die Erwartungen

30,74 Milliarden Dollar und 12,1 Prozent Wachstum klingen solide, lagen aber unter dem, was der Markt erwartet hatte. Die Gründe reichen von Werbeerlösen bis zur App-Store-Öffnung, und für das September-Quartal hält Morgan Stanley einen Rückgang auf 9,5 Prozent für möglich – erstmals seit dem Juni-Quartal 2023 eine Neun vor dem Komma.

Das trifft die Sparte, die Apples Bewertung trägt, mit einer Bruttomarge von 75,6 Prozent. Der einzige neue Umsatzhebel, der in dieser Woche sichtbar wurde, sind zusätzliche KI-Kontingente über iCloud+ – ein Zusatzangebot, kein Ersatz für ein zweistelliges Wachstum.

🔭 Was nächste Woche kommt

Der Führungswechsel rückt näher: Am 1. September übernimmt John Ternus, dessen Werdegang und Position im Unternehmen den Kurs der kommenden Jahre bestimmen dürften. Bis dahin ist mit weiteren öffentlichen Auftritten und ersten inhaltlichen Festlegungen zu rechnen.

Der iOS-27-Zyklus geht weiter, und einige erwartete Funktionen fehlen in der Beta noch immer. Beim Streaming startet der neue Monat mit einem vollen Programm – die Apple-TV-Highlights im August reichen von laufenden Serienstaffeln bis zu neuen Titeln.

💬 Meine Meinung

Apples Preisdisziplin war 2026 der eigentliche Wettbewerbsvorteil. Während die Konkurrenz die gestiegenen Speicher- und Fertigungskosten an die Kunden weitergab, blieb Apple bei den bestehenden iPhone-Preisen – und holte damit einen Umsatzanteil, den kein Marktanteil an Stückzahlen erklärt. Der Abstand von 946 zu rund 260 Dollar Durchschnittspreis ist das Ergebnis dieser Entscheidung.

Genau diese Disziplin läuft jetzt aus. Die Speicherkosten haben in der Quartalsrechnung bereits mehr als die gesamte Margenveränderung verursacht, mehr Anbieter am DRAM-Markt bringen kurzfristig keine Entlastung, und der erwartete Aufschlag bei der kommenden Pro-Generation liegt oberhalb aller Schätzungen aus dem Frühjahr. Auch Cooks eigene Beschreibung des Preisfindungsprozesses klang in dieser Woche weniger nach Zurückhaltung als nach Vorbereitung.

Wer 2027 ein neues iPhone kauft, zahlt damit nachträglich für den Marktanteil von 2026. Das ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar und für Käufer trotzdem eine schlechte Nachricht – vor allem in Europa, wo der schwächere Wechselkurs auf jede Dollar-Erhöhung noch etwas draufschlägt.

📚 Aus unserem Archiv

  • Tim Cook: Biografie, Werdegang & seine Zeit als Apple-CEO – nach der letzten Bilanzkonferenz seiner Amtszeit lohnt der Blick auf die 15 Jahre, die zu diesem Rekordquartal geführt haben.
  • iCloud Kosten: Alle Speicherpläne, Preise und welcher sich lohnt – wer über die neuen KI-Kontingente nachdenkt, sollte zuerst wissen, was der eigene Tarif heute kostet und leistet.

Es war eine Woche, in der Apple auf dem Papier alles richtig gemacht hat und der Markt trotzdem misstrauisch blieb – weil die interessanteren Zahlen diesmal nicht in der Pressemitteilung standen, sondern in der Bilanz und in der Prognose.

Bis nächsten Sonntag wünscht Apfelpatient eine entspannte Lektüre und einen guten Wochenstart. (Bild: mrchv / DepositPhotos.com)

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Milan Jovicic

Milan Jovicic

Milan hat Apfelpatient 2016 gegründet und schreibt seit 2018 sämtliche Inhalte selbst – News, Gerüchte, Anleitungen und Produkttests. Apple-Geräte sind hier kein Testmaterial für zwei Wochen, sondern Alltagswerkzeug: Vom iPhone über MacBook Pro, MacBook Air und iMac bis zur Apple Vision Pro läuft aus fast jeder Produktkategorie mindestens ein Gerät im täglichen Einsatz, viele davon jährlich erneuert. Jeder Menüpfad in einer Anleitung wird am Gerät nachgeprüft, bevor er veröffentlicht wird.

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