Nach den Zahlen kam die Stunde mit den Begründungen. Tim Cook und Kevan Parekh haben in der Telefonkonferenz erklärt, warum die Marge sinkt, wie viel Geld im Quartal an die Aktionäre zurückfloss und weshalb amerikanische Schulbezirke reihenweise von Windows auf den Mac wechseln. Der Ausblick auf das laufende Quartal steht bis zur Steuerquote fest.
Nach der Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Fiskalquartal beantworteten Tim Cook und Finanzchef Kevan Parekh die Fragen von sechs Analysten. John Ternus war ebenfalls zugeschaltet, äußerte sich aber nur einmal kurz. In gut einer Stunde kamen dabei Angaben zusammen, die in der Pressemitteilung fehlen: zur installierten Gerätebasis, zur Aufteilung der Marge zwischen Hardware und Services, zur Kapitalrückführung und zum Geschäft mit Unternehmen und Bildungseinrichtungen.
Die Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Q3 2026 | Veränderung |
|---|---|---|
| Umsatz | 109,42 Mrd. $ | +16 % |
| Produkte | 78,68 Mrd. $ | +18 % |
| Services | 30,74 Mrd. $ | +12 % |
| Nettogewinn | 29,79 Mrd. $ | – |
| Verwässertes EPS | 2,02 $ | +29 % |
| Bruttomarge gesamt | 50,1 % | +80 Basispunkte zum Vorquartal |
| Bruttomarge Produkte | 40,1 % | +140 Basispunkte zum Vorquartal |
| Bruttomarge Services | 75,6 % | −110 Basispunkte zum Vorquartal |
| Betriebsausgaben | 19,1 Mrd. $ | +23 % |
| Operativer Cashflow | 34,4 Mrd. $ | Juni-Quartals-Rekord |
Parekh wies darauf hin, dass Umsatz, Gewinn je Aktie und operativer Cashflow auch ohne den Effekt der Zoll-Rückerstattungen jeweils Juni-Quartals-Rekorde gewesen wären.
Die installierte Basis überschreitet 2,5 Milliarden Geräte
Erstmals nannte Apple einen Wert oberhalb von zweieinhalb Milliarden aktiven Geräten – ein Höchststand, den der Konzern quer über alle großen Produktkategorien und geografischen Segmente meldet. Diese Basis ist die Grundlage für das Services-Geschäft und erklärt, warum die Zahl der bezahlten Abonnements auf über 1,5 Milliarden klettern konnte. Sowohl die abrechnenden als auch die zahlenden Konten erreichten laut Parekh Allzeithochs, mit zweistelligem Wachstum in Schwellenländern.
Sparten: Rekorde, Marktanteile und ein Sonderfall
iPhone. 54,3 Milliarden Dollar, plus 22 Prozent, mit Juni-Quartals-Rekorden in jedem geografischen Segment und einem Rekord bei den Umsteigern. Nach Zahlen von IDC hat Apple weltweit Marktanteile gewonnen. Laut einer Erhebung von Worldpanel war das iPhone das meistverkaufte Modell in den USA, im urbanen China, in Großbritannien, Frankreich, Australien und Japan. Die Kundenzufriedenheit in den USA misst 451 Research mit 99 Prozent.
Mac. 10,4 Milliarden Dollar, plus 29 Prozent – trotz erheblicher Lieferengpässe. Neben dem Juni-Quartals-Rekord in Industrieländern steht ein Allzeitrekord in Schwellenländern, in Großchina sogar ein Allzeitrekord insgesamt. Auch bei Umsteigern und Neukunden verzeichnet Apple Bestwerte. Cook hob hervor, dass Kunden Mac mini als Plattform für agentische KI einsetzen und Mac-Studio-Verbünde nutzen, um große Modelle lokal zu betreiben.
iPad. 6,2 Milliarden Dollar, minus 6 Prozent. Als Grund nannte Parekh ausdrücklich den schwierigen Vergleich mit dem Vorjahresquartal, in dem das iPad mit A16-Chip auf den Markt kam. Die installierte Basis erreichte dennoch einen Höchststand, und mehr als die Hälfte der Käufer erwarb erstmals ein iPad.
Wearables, Home und Zubehör. 7,9 Milliarden Dollar, plus 6 Prozent, mit Wachstum in allen Regionen. Bei der Apple Watch gab es einen Juni-Quartals-Rekord bei Umsteigern; über die Hälfte der Käufer war neu beim Produkt.
Services. Rekorde in jeder einzelnen Kategorie, darunter Allzeitrekorde bei Cloud-Diensten und Zahlungsdiensten. Warum die Sparte trotzdem unter den Erwartungen blieb, führte Parekh auf mehrere Faktoren zurück.
Rekorde in jeder Region
Apple meldet Juni-Quartals-Umsatzrekorde in sämtlichen genannten Märkten: USA, Lateinamerika, Westeuropa, Indien, China-Festland, Japan und Südostasien. Zweistelliges Wachstum verzeichnete der Konzern in jedem geografischen Segment sowie in den meisten Schwellenländern. Rekorde gab es sowohl in entwickelten Märkten als auch in Schwellenländern.
Die Marge erklärt sich fast vollständig über den Speicher
Auf eine Analystenfrage zur Margenentwicklung wurde Parekh ungewöhnlich präzise. Vom Rückgang der Bruttomarge von 49,3 Prozent im März-Quartal auf bereinigte 48,1 Prozent im Juni-Quartal – also 120 Basispunkte – lasse sich mehr als die vollständige Differenz durch gestiegene Speicherkosten erklären. Wechselkurse hätten dabei nur eine untergeordnete Rolle gespielt.
Dasselbe gilt für den nächsten Schritt: Vom bereinigten Wert des Juni-Quartals zum Mittelwert der neuen Prognose von 46,5 Prozent ohne Zoll-Effekt sind es weitere 160 Basispunkte, die ebenfalls überwiegend auf den Speicher zurückgehen. Teilweise gegengerechnet werden Bestände aus früheren Einkäufen, sinkende Kosten bei anderen Bauteilen und ein günstigerer Produktmix. Warum zusätzliche Speicher-Lieferanten daran wenig ändern würden, erläuterte Cook an anderer Stelle.
Kasse und Aktionäre
Apple beendete das Quartal mit 147 Milliarden Dollar an Barmitteln und Wertpapieren sowie 84 Milliarden Dollar Gesamtschulden. An die Aktionäre flossen im Quartal 33 Milliarden Dollar zurück – 4 Milliarden als Dividende und 25,8 Milliarden über Aktienrückkäufe. Die Dividende für das laufende Quartal beträgt 0,27 Dollar je Aktie, zahlbar am 13. August an alle, die am 10. August im Register stehen.
Unternehmen und Schulen wechseln auf den Mac
Einen der interessantesten Abschnitte widmete Parekh dem Geschäft mit Organisationen. Morgan Stanley hat weltweit über 20.000 iPhone 17 ausgerollt und dabei von privat auf firmeneigene Geräte umgestellt. Bei Disney arbeiten Kreativteams zunehmend am Mac, um KI-Arbeitsschritte lokal auszuführen und Cloud-Kosten zu senken. Die französische Großbank Crédit Agricole setzt On-Device-KI auf dem MacBook Pro ein und hat den manuellen Aufwand in regulatorischen Abläufen um über 80 Prozent reduziert.
Im Bildungsbereich fällt die Entwicklung noch deutlicher aus. Pinellas County Schools in Florida stellt 25.000 Schüler an 18 Highschools von Windows auf MacBook Neo um. Der Peninsula School District 401 in Washington hat über 8.000 Schüler von Chromebooks auf MacBook Neo umgestellt. Der Bezirk Midwest City-Del City in Oklahoma hat über 6.000 MacBook Neo gekauft.
Die aussagekräftigste Zahl steht am Ende dieses Blocks: Rund die Hälfte der großen MacBook-Neo-Bestellungen durch US-Bildungseinrichtungen ersetzte im vergangenen Quartal Windows- oder Chromebook-Geräte. Das Einstiegsmodell, das seit Juni 799 statt 699 Euro kostet, erschließt Apple damit einen Markt, den der Konzern jahrelang nicht erreicht hat.
Investitionen in den USA
Cook bekräftigte die Zusage über 600 Milliarden Dollar für die Vereinigten Staaten über vier Jahre und wiederholte, dass die zurückerstatteten Zölle dort reinvestiert werden. Konkret nannte er eine mehrjährige Vereinbarung mit Broadcom über eigene Chip-Komponenten und drahtlose Verbindungstechnik, deren Volumen 30 Milliarden Dollar übersteigen soll – nach Apples Angaben die größte Einzelzusage im amerikanischen Fertigungsprogramm.
Hinzu kommt die Eröffnung eines Advanced Manufacturing Center in Houston, in dem Apple bereits KI-Server montiert und später in diesem Jahr auch den Mac mini fertigen will. Aus Arizona bezieht der Konzern in diesem Jahr über 100 Millionen Komponenten.
Apple TV mit Rekordnominierungen
Für den Streamingdienst meldet Apple 89 Emmy-Nominierungen und damit einen Bestwert für die eigene Geschichte. In den beiden Hauptkategorien stellt der Dienst jeweils drei nominierte Serien und liegt damit vor allen anderen Anbietern. Die neue Serie „Widow’s Bay“ kommt auf 19 Nominierungen und ist damit das meistnominierte neue Programm des Jahres. In sechseinhalb Jahren hat Apple TV über 850 Auszeichnungen und knapp 3.800 Nominierungen erreicht; mit dem Tony-Gewinn in diesem Jahr ist der Dienst der schnellste Streamer, der alle vier großen Preise gesammelt hat. Apple Sports wurde rechtzeitig zur Weltmeisterschaft auf über 170 Länder und Regionen ausgeweitet.
Der Ausblick in Zahlen
Für das September-Quartal nannte Parekh folgende Erwartungen, unter dem Vorbehalt unveränderter Zollsätze und keiner Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds:
| Größe | Erwartung |
|---|---|
| Umsatzwachstum gesamt | 9 bis 11 % |
| Wechselkurs-Effekt | −2,5 Prozentpunkte zum Juni-Quartal |
| iPhone-Wachstum | mittlerer Zehnerbereich |
| Services-Wachstum | wie Juni-Quartal, nach Herausrechnen des Wechselkurseffekts |
| Bruttomarge | 47 bis 48 %, inklusive rund 1 Prozentpunkt aus Zoll-Rückerstattungen |
| Betriebsausgaben | 19,1 bis 19,4 Mrd. $ |
| Sonstige Erträge | rund 350 Mio. $ |
| Steuerquote | rund 16,5 % |
Warum die Lieferengpässe im laufenden Quartal deutlich zunehmen, erklärte Cook mit einer Nachfrage, die über den eigenen Prognosen liegt. Beim Speicher-Aufschlag auf die Bestandspreise verwies er auf die Logik hinter Apples Preisentscheidungen.
Was offen blieb
Zum Dezember-Quartal gab Parekh auf Nachfrage ausdrücklich keinen Ausblick. Ob die Preiserhöhungen bei Mac und iPad die Nachfrage dämpfen, ließ Cook offen – der Handel brauche Zeit, um sich anzupassen, und für ein Urteil sei es zu früh. Zu einer möglichen Vorzieh-Nachfrage beim iPhone sagte er, in den Daten sei ein solcher Effekt nicht erkennbar.
Zur Kapitalintensität durch Siri AI blieb die Antwort ebenfalls unbestimmt: Apple nutzt ein Mischmodell aus eigenen Rechenzentren und fremder Cloud-Kapazität, und wie sich die Kosten gegen mögliche Einnahmen aus höherwertigen iCloud+-Stufen entwickeln, sei derzeit nicht absehbar. Es war Cooks letzte Telefonkonferenz als Vorstandschef; die nächste führt John Ternus. (Bild: Shutterstock / iwonder TV)
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