Keine vier Wochen nach der Anhebung auf 345 Dollar geht das Kursziel wieder nach unten. Ausschlaggebend sind nicht die Zahlen, die Apple am Donnerstagabend vorgelegt hat, sondern die Frage, wie viele Geräte der Konzern im laufenden Quartal überhaupt bauen kann. An der Einstufung ändert das nichts.
Apple hat im Juni-Quartal 109,4 Milliarden Dollar umgesetzt und den Gewinn je Aktie auf 2,02 Dollar gesteigert – der stärkste Juni-Zeitraum der Firmengeschichte. An der Börse zählte trotzdem etwas anderes: Für das September-Quartal stellt Apple selbst ein Umsatzplus von neun bis elf Prozent in Aussicht, während der Analystenkonsens bei rund zwölf Prozent lag. Die Aktie fiel nachbörslich zeitweise bis auf rund 306 Dollar und ging mit mehr als sieben Prozent Minus aus dem nachbörslichen Handel. Die erste greifbare Reaktion kam wenige Stunden später von JP Morgan – und sie fällt milder aus, als der Kurssturz vermuten lässt.
Was das Kursziel nach unten zieht
Das neue Ziel liegt bei 340 Dollar auf Sicht bis Dezember 2027, nach zuvor 345 Dollar. JP Morgan hält an der Overweight-Einstufung fest. Begründet wird die Korrektur mit den anhaltenden Engpässen in der Lieferkette und mit Komponentenpreisen, die weiter steigen. Beides trifft unterschiedliche Stellen der Bilanz: Die knappe Verfügbarkeit drückt auf den Umsatz, die teureren Bauteile auf die Bruttomarge.
Auf der Nachfrageseite sieht JP Morgan dagegen keinen Grund zur Sorge. iPhone 17 und MacBook Neo laufen weiterhin stark – das Notebook verkauft sich seit Monaten besser als MacBook Air und MacBook Pro. Auch der bevorstehende Start von Siri AI soll die Nachfrage in den kommenden Monaten stützen.
Verschobener Umsatz statt verlorenem Umsatz
Der zentrale Gedanke in der Rechnung von JP Morgan: Engpässe verzögern Verkäufe, sie verhindern sie nicht. Wer ein Gerät kaufen will, das gerade nicht lieferbar ist, kauft es später – der Umsatz rutscht in ein späteres Quartal, statt komplett wegzufallen. Apple selbst rechnet im September-Quartal mit deutlich größeren Engpässen als bisher, was diese Verschiebung eher verstärkt als abmildert.
Genau das erklärt, warum das Kursziel nur um fünf Dollar sinkt, während die Aktie an einem Abend rund sieben Prozent verlor. Wer die Engpässe als Zeitproblem liest, muss die langfristige Bewertung kaum anfassen.
Zwei Hebel gegen die höheren Kosten
Gegen die Margenlast nennt JP Morgan zwei Möglichkeiten. Erstens kann Apple bei Bauteilen jenseits des Arbeitsspeichers härter verhandeln und dort einsparen, was die Speicherpreise zusätzlich kosten. Der Spielraum ist allerdings begrenzt: Beim Speicher selbst bringt auch eine breitere Anbieterlandschaft keine niedrigeren Preise, solange die Nachfrage aus dem KI-Sektor den Markt leerräumt.
Zweitens soll das Services-Geschäft zulegen, weil Apple höhere KI-Kontingente über kostenpflichtige iCloud+-Stufen anbietet. Die Grundfunktionen bleiben kostenlos, wer mehr Anfragen braucht, zahlt für das größere Paket. Nach einem Services-Quartal, das mit 30,74 Milliarden Dollar unter den erwarteten 31,22 Milliarden blieb, wäre dieser Beitrag für Apple gut getimt.
Was von den KI-Erlösen in Deutschland ankommt
Zwei der genannten Treiber setzen voraus, dass Siri AI auf dem meistgenutzten Apple-Gerät läuft – und genau das ist in Deutschland und Österreich vorerst nicht der Fall. Apple hat im Juni bestätigt, dass Siri AI in der EU weder mit iOS 27 noch mit iPadOS 27 startet; verantwortlich sind ungelöste Interoperabilitätsauflagen aus dem Digital Markets Act. Einen Termin für die Freischaltung gibt es bis heute nicht. Ausgenommen von der Sperre sind Mac und Vision Pro. Die Apple Watch stand in Apples ursprünglicher Mitteilung ebenfalls auf dieser Seite, fällt praktisch aber mit aus: Auf der Uhr setzen die neuen Funktionen ein gekoppeltes iPhone voraus, auf dem Siri AI läuft – und genau daran fehlt es in der EU.
Die Schweiz gehört weder zur EU noch zum EWR und fällt damit nicht unter den DMA – dort startet Siri AI auf dem iPhone regulär mit. Für dich als Nutzer in Deutschland oder Österreich heißt das: Der Nachfrageschub, den JP Morgan für das vierte Quartal erwartet, und die iCloud+-Erlöse aus KI-Kontingenten entstehen zunächst weitgehend außerhalb des eigenen Marktes. Europa war im Juni-Quartal mit 29,4 Milliarden Dollar und einem Plus von 22,4 Prozent Apples zweitgrößte Region – der Rückstand bei den KI-Funktionen fällt entsprechend ins Gewicht.
Das Kursziel liegt weiter deutlich über dem Kurs
Bei einem nachbörslichen Niveau von rund 312 Dollar bedeutet ein Ziel von 340 Dollar immer noch knapp neun Prozent Luft nach oben. Die Bewegung der vergangenen Wochen zeigt zudem, wie klein der aktuelle Schritt ausfällt: Am 7. Juli war das Ziel um 20 Dollar von 325 auf 345 Dollar angehoben worden, jetzt geht es um fünf Dollar zurück. Vor den Zahlen hatten die Erwartungen im Analystenkreis ohnehin überwiegend auf ein starkes Quartal mit schwierigem Ausblick gelautet – beides ist eingetreten.
Entscheidend wird, ob sich die Engpässe tatsächlich als Verschiebung erweisen. Löst Apple die Nachfrage bis ins Winterquartal ein, war der Kursrutsch vom Donnerstagabend eine Momentaufnahme. Bleiben die Geräte länger knapp, wandert das Problem von der Liefer- in die Nachfrageseite – und dann hilft auch die geduldigste Analystenrechnung nicht mehr. (Bild: Shutterstock / Who is Danny)
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