Apple wirbt seit Monaten dafür, Speicher von zusätzlichen Herstellern beziehen zu dürfen. Auf die Frage, ob das die Preise wieder senken würde, hat Tim Cook in der Telefonkonferenz eine Antwort gegeben – und sie mitten im Satz wieder eingeschränkt.
Die Kosten für Arbeits- und Flashspeicher sind der Grund, warum Apple Ende Juni die Preise für Macs, iPads und die Vision Pro angehoben hat. Für das laufende Quartal rechnet der Konzern mit einem weiteren Anstieg, wie er im Ausblick auf das September-Quartal ausgeführt hat. Parallel bemüht sich Apple in Washington um eine Freigabe, um Speicher auch von den chinesischen Herstellern CXMT und YMTC beziehen zu können, die derzeit auf einer US-Sperrliste stehen. In der Telefonkonferenz wollte ein Analyst wissen, welchem Zweck dieser Vorstoß eigentlich dient.
Versorgung oder Preis – die Frage war präzise gestellt
Der Analyst formulierte eine Alternative: Geht es Apple darum, überhaupt genug Speicher zu bekommen und die Kosteninflation abzufedern – oder darum, das Preis-Leistungs-Verhältnis für die Kundschaft zu erhalten?
Cook antwortete zunächst mit der Marktstruktur. Der Markt für Arbeitsspeicher werde von drei Anbietern beherrscht. Mehr Anbieter wären gut, das würde auf der Angebotsseite helfen und vielleicht auch bei den Preisen. Im unmittelbar folgenden Satz zog er den zweiten Teil zurück: Bei den Preisen sei die Wirkung unklar. Auf der Angebotsseite könne es helfen. Apple prüfe alle Optionen.
Diese Bewegung innerhalb weniger Sekunden ist der eigentliche Inhalt der Aussage. Cook nennt einen möglichen Preiseffekt und nimmt ihn zurück, bevor der Satz zu Ende ist. Aus unserer Sicht ist das kein Versprecher, sondern eine bewusste Korrektur: Wer den Preiseffekt stehen ließe, würde eine Erwartung wecken, die Apple später nicht einlösen kann.
Die Aufschläge dürften bleiben
Damit ist die Frage beantwortet, die viele Käufer seit Juni beschäftigt. Der Aufschlag von 100 Euro beim MacBook Neo und die übrigen Erhöhungen bei Macs, iPads und der Vision Pro sind nach dieser Darstellung keine vorübergehende Delle, die sich mit einer Entspannung am Speichermarkt von selbst erledigt.
Das fügt sich in Cooks Erklärung, nach welcher Logik Apple über Preise entscheidet. Er nennt Stückzahlen, Umsatz und Marge als gemeinsame Grundlage und betont den langen Zeithorizont. Eine Rücknahme setzte voraus, dass sich die Kostenlage dauerhaft dreht – und genau das erwartet Apple nach eigener Aussage nicht. Die Marktpreise für Speicher steigen nach Einschätzung des Konzerns auch über das September-Quartal hinaus weiter.
Der chinesische Speicher wäre für Geräte außerhalb der USA gedacht
Für Käufer im deutschsprachigen Raum steckt der interessanteste Punkt in der Verwendung. Berichten zufolge will Apple Bauteile der chinesischen Hersteller in Geräten einsetzen, die außerhalb der Vereinigten Staaten verkauft werden. Der Zweck wäre, die Kapazitäten der bisherigen Zulieferer für den US-Markt freizuhalten.
Sollte die Freigabe kommen, liefe das darauf hinaus, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkaufte Geräte chinesischen Speicher enthalten, während amerikanische Käufer bei den etablierten Herstellern bleiben. Ob es dazu kommt, ist offen: Die Freigabe stößt in Washington auf erhebliche Hürden, und der Streit zwischen Apple und Micron darüber ist bis ins Weiße Haus getragen worden.
Am Preis würde sich dadurch nach Cooks eigener Aussage ohnehin wenig ändern. Der Nutzen läge in der Verfügbarkeit – also darin, dass Geräte überhaupt lieferbar sind.
Was das für eine Kaufentscheidung heißt
Wer ein Gerät in den kommenden Monaten anschaffen will, sollte nicht darauf setzen, dass die Preise wieder auf den Stand von Mai fallen. Beim Vergleich zwischen MacBook Air und MacBook Neo hat sich das Verhältnis durch den Aufschlag bereits verschoben, und eine Rückkehr zum alten Preisgefüge ist nach dieser Telefonkonferenz unwahrscheinlicher geworden als zuvor.
Offen bleibt, wie Apple bei den im September erwarteten iPhone-Modellen verfährt. Dazu hat sich Cook nicht geäußert. (Bild: Shutterstock / M-Production)
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