Apple will Speicherchips chinesischer Hersteller in Geräten verbauen, die außerhalb der USA verkauft werden. Genau dagegen läuft der letzte große amerikanische Speicherproduzent Sturm – und trägt den Konflikt bis ins Weiße Haus. Entschieden wird in Washington, spürbar wird das Ergebnis in europäischen Preislisten.
Seit Wochen bemüht sich Apple um grünes Licht der US-Regierung für Speicher aus chinesischer Fertigung. Anfang Juli wurde bekannt, dass Apple bereits DRAM-Bausteine von ChangXin Memory Technologies testet – ein Schritt, der ohne politische Freigabe folgenlos bliebe. Ein Bericht des Wall Street Journal benennt nun, wer sich dem Vorhaben entgegenstellt: Micron, gemeinhin als einziger großer amerikanischer Speicherhersteller geführt, arbeitet in Washington gezielt gegen Apples Plan.
Was Apple in Washington durchsetzen will
Tim Cook und weitere Führungskräfte haben laut dem Bericht in den vergangenen Wochen bei Donald Trump sowie bei Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent für ihr Anliegen geworben. Der Kern: Apple möchte Speicher von ChangXin Memory Technologies (CXMT) und Yangtze Memory Technologies (YMTC) in Produkten einsetzen dürfen, die außerhalb der Vereinigten Staaten verkauft werden – nicht nur in Geräten für den chinesischen Markt.
Gegenüber dem ursprünglichen Anliegen ist das eine erhebliche Ausweitung. Ende Juni wurde bekannt, dass Apple bei der US-Regierung um eine Freigabe für CXMT-Speicher wirbt. Damals ging es überhaupt erst um eine Zusage. Inzwischen verhandelt der Konzern über deren Reichweite – und schon die erste Stufe galt als politisch schwer durchsetzbar.
Der Widerstand des letzten großen US-Speicherherstellers
Konzernchef Sanjay Mehrotra und weitere Micron-Manager haben Lutnick und andere Regierungsvertreter dem Bericht zufolge gewarnt, ein Verkauf chinesischer Speicherchips an US-Technologiekonzerne könne die heimische Industrie zerstören – unabhängig davon, in welcher Weltregion die fertigen Geräte am Ende landen. Als Vergleich dient die amerikanische Stahl- und Fertigungsbranche.
Dahinter steht ein Preisargument: Speicher aus stark staatlich subventionierter chinesischer Produktion unterbietet amerikanische Anbieter dauerhaft. Micron bietet als Gegenleistung an, den Engpass durch schnelleren Ausbau eigener Werke in den USA zu lindern.
Neu ist die Reibung zwischen beiden Unternehmen nicht. Ende Juni hatte ein Micron-Manager öffentlich erklärt, Apples aggressive Einkaufspolitik habe die Speicherknappheit mit verursacht – Niedrigpreise im Marktabschwung 2023 hätten Investitionen in zusätzliche Kapazität unattraktiv gemacht.
Zwei Listen mit sehr unterschiedlichen Folgen
CXMT und YMTC stehen auf der 1260H-Liste des Pentagon, die Unternehmen mit mutmaßlichen Verbindungen zum chinesischen Militär ausweist. Geschäfte zwischen privaten Firmen verbietet diese Einstufung nicht, sie belastet aber den Ruf und schließt Aufträge des US-Verteidigungsressorts aus.
Die Liste hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Im Februar 2026 erschien eine überarbeitete Fassung, in der beide Speicherhersteller fehlten; das Dokument verschwand innerhalb weniger Stunden wieder. Die reguläre Aktualisierung vom 8. Juni 2026 führt CXMT und YMTC erneut auf und erweitert die Liste um 65 Einträge.
Deutlich schwerer wiegt die Entity List des US-Handelsministeriums. YMTC steht dort seit Dezember 2022, was amerikanischen Firmen den Export bestimmter Technologien ohne Lizenz untersagt. CXMT fehlt bislang auf dieser Liste – und genau darum dreht sich Apples Anliegen: um die Zusicherung, dass sich das nicht ändert. Ohne sie wäre jede langfristige Lieferbeziehung ein unkalkulierbares Risiko.
Warum die Geräte für Europa im Zentrum stehen
Der entscheidende Punkt für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz steckt im Zuschnitt des Antrags: Es geht um Produkte, die außerhalb der USA verkauft werden. Das sind exakt die Macs, iPads und iPhones, die hier in den Regalen liegen. Ob dein nächster Mac Speicher aus chinesischer Fertigung enthält, entscheidet sich derzeit in Washington.
Die Kostenseite ist längst Realität. Ende Juni hat Apple die Preise für Macs, iPads, Apple TV, HomePod und Vision Pro angehoben, bei einzelnen Modellen um bis zu 400 Euro, während iPhone, Apple Watch und AirPods vorerst verschont blieben. Treiber waren die Speicherkosten. Zusätzlichen Druck erzeugt die angekündigte Preiserhöhung bei TSMC, die den Rest der Bauteilkalkulation betrifft.
Günstigerer Speicher aus China wäre für Apple der schnellste Hebel gegen weitere Aufschläge. Bleibt die Freigabe aus, kalkuliert der Konzern die nächsten Produktgenerationen zu Weltmarktpreisen – und die liegen dort, wo sie die Preisrunde im Juni ausgelöst haben.
Was gegen Microns Gegenvorschlag spricht
Das Angebot, den Engpass durch beschleunigten Werksausbau zu schließen, kollidiert mit Microns eigenem Zeitplan. Mehrotra selbst erklärte Ende Juni, die Knappheit werde deutlich über 2027 hinaus anhalten, weil neue Halbleiterwerke Jahre brauchen und moderner Speicher aufwendiger zu fertigen ist. Das am weitesten fortgeschrittene Projekt in Boise, Idaho, soll erst Mitte 2027 die ersten Chips ausliefern. Im Juli hat Micron sein Investitionsprogramm für US-Werke auf über 250 Milliarden Dollar aufgestockt.
Für die Regierung ergibt sich daraus ein zeitliches Problem: Der amerikanische Weg löst die Knappheit, aber nicht in dem Zeitraum, in dem die Endkundenpreise steigen. Trump müsste zwischen zwei erklärten Zielen wählen – niedrigeren Verbraucherpreisen und dem Aufbau heimischer Halbleiterfertigung.
Apple hat sich für solche Momente Spielraum verschafft. Im Rahmen seines 600 Milliarden Dollar schweren American Manufacturing Program schloss der Konzern zuletzt einen Chip-Vertrag mit Broadcom über mehr als 30 Milliarden Dollar. Ob dieses politische Guthaben für eine Ausnahme beim chinesischen Speicher reicht, ist die offene Frage. Das Weiße Haus hat sich bislang auf keine Richtung festgelegt.
Wann der Streit den nächsten Prüfstein erreicht
Eine Entscheidung der Regierung steht aus, ein Zeitplan dafür ist nicht bekannt. Der nächste Termin, an dem Apple selbst zur Kostenlage Stellung nimmt, ist der 30. Juli mit den Zahlen zum dritten Geschäftsquartal. Bis dahin bearbeiten zwei amerikanische Konzerne dasselbe Ministerium in entgegengesetzte Richtungen. (Bild: Shutterstock / Sushitsky Sergey)
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