Apple macht die Speicherhersteller für die heutigen Preiserhöhungen verantwortlich – doch nun kommt Gegenwind aus genau dieser Richtung. Ein hochrangiger Manager des Chipherstellers Micron deutet an, dass Apples aggressive Einkaufspolitik die heutige Knappheit mit verschärft hat. Im Hintergrund steht ein Rekordquartal, das zeigt, wie sehr sich das Blatt für die Speicherbranche gedreht hat.
Am selben Tag, an dem Apple die Preise für Macs, iPads und weitere Produkte angehoben hat, meldet sich einer seiner Zulieferer mit einer bemerkenswerten Sichtweise zu Wort. Während Apple-Chef Tim Cook die gestiegenen Speicherpreise als Grund für die Aufschläge nennt, sieht der Speicherhersteller Micron die Ursachen teils ganz woanders – und verweist auf das Verhalten großer Kunden in der Vergangenheit.
Ein Rekordquartal für Micron
Hintergrund der Äußerungen ist ein außergewöhnlich starkes Quartal. Micron meldete einen Umsatzsprung von 346 Prozent und eine Bruttomarge, die sich der Marke von 85 Prozent nähert. Auch für das laufende Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz über den Markterwartungen in Aussicht. Die Aktie legte nachbörslich um 15 Prozent zu und hielt diese Gewinne, während der übrige Chipsektor schwankte. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark die Speicherhersteller derzeit von genau jener Knappheit profitieren, die Apple gerade die Preise nach oben treibt.
Cooks Sicht: Schuld sind die Speicherpreise
Apple-Chef Tim Cook hatte die Lage gut eine Woche zuvor klar umrissen. Demnach treffe ein knappes Angebot auf eine hohe Nachfrage nach Geräten, während die Speicherhersteller kräftige Preissteigerungen weitergäben. Damit Geräte für Endkunden bezahlbar blieben, müssten sich Preise und Verfügbarkeit beim Speicher wieder auf ein vernünftiges Niveau einpendeln. Dass Apple die Preise letztlich anheben muss, hatte Cook in diesem Zuge bereits angekündigt.
Microns Gegendarstellung
Micron-Manager Sumit Sadana zeichnet ein anderes Bild. Im Gespräch mit dem Wall Street Journal – und ohne Apple ausdrücklich zu nennen – verwies er auf die vergangene Schwächephase des Speichermarktes, in der Microns Bruttogewinne ins Negative rutschten. Investitionen seien damals auch deshalb ausgeblieben, weil einige Kunden die niedrigen Preise konsequent ausnutzten. Diesen Kunden habe man seinerzeit gesagt, dass ihr aggressives Vorgehen bei den Preisen „nicht konstruktiv“ sei. Viele Investitionen der Branche seien 2023 wegen schlechter Preise und magerer Margen eingestellt worden – ein Versäumnis, das sich nun in der heutigen Knappheit niederschlägt.
Zwei Lesarten einer Krise
Damit stehen sich zwei Erzählungen gegenüber: Apple sieht sich als Leidtragenden steigender Speicherpreise, Micron verweist auf jahrelangen Preisdruck, der Investitionen ausbremste. Ein echter Widerspruch muss das nicht sein – Speichermärkte sind historisch stark zyklisch, und auf Phasen mit Überangebot und Dumpingpreisen folgen regelmäßig Engpässe. Für Apple-Kunden ist die Schuldfrage am Ende zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Speicherkrise die Preise spürbar nach oben treibt – und vorerst kein schnelles Ende absehbar ist. Dass die anhaltende Knappheit Apple bereits zu Einschnitten bei höheren Speicherstufen gezwungen hat, zeigt, wie real die Auswirkungen sind. (Bild: Shutterstock / emasali stock)
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