Apple will sein Streaming-Angebot ausbauen, ohne den eigenen Qualitätsanspruch aufzugeben. Eddy Cue legte in Cannes nach – mit einem klaren Bekenntnis zu mehr Programm und einem deutlichen Hinweis auf einen zweiten Kinofilm.
Apple-Dienstechef Eddy Cue hat angekündigt, dass auf Apple TV „besser und mehr“ Inhalte kommen sollen. Die Aussage fiel rund um seine Auszeichnung als Entertainment Person of the Year 2026 beim Werbe- und Kreativfestival Cannes Lions, wo Cue gemeinsam mit Hollywood-Produzent Jerry Bruckheimer auf der Bühne stand. Was zunächst wie eine Dankesrede klingt, gibt einen genaueren Blick auf Apples Pläne für die nächsten Jahre frei: ein zweiter Formula-1-Film, ein neues Großprojekt mit Bruckheimer – und ein Wachstumskurs, der sich an einem festen Prinzip orientieren soll.
„Das Beste, nicht das meiste“
Cue erhielt den Preis für die Inhalte, die über die Apple-TV-Plattform laufen. In seiner Reaktion betonte er, dass Apple nie das Ziel verfolgt habe, der größte Anbieter zu sein, sondern der beste. Das Leitprinzip beschrieb er mit dem Satz, man strebe „das Beste, nicht das meiste“ an – und ergänzte, das Unternehmen stehe trotz des bisher Erreichten erst am Anfang.
Spannend ist dabei, dass Cue dieses Prinzip ausgerechnet mit der Ansage „mehr“ verknüpft. Ein größeres Angebot und der erklärte Anspruch, qualitativ führend zu bleiben, stehen in einem natürlichen Spannungsverhältnis – Apple muss künftig also beweisen, dass sich beides gleichzeitig halten lässt. Dass die Strategie bislang aufgeht, zeigte zuletzt ein Vergleich der Streamingdienste, in dem sich Apple TV in puncto Qualität vor Netflix platzieren konnte.
Ein zweiter F1-Film rückt näher
Den konkretesten Hinweis auf das künftige Programm lieferte das Gespräch mit Bruckheimer. Beide deuteten unmissverständlich an, dass eine Fortsetzung von „F1 – Der Film“ geplant ist. „Wir kommen zurück und machen hoffentlich einen weiteren F1-Film“, sagte Bruckheimer auf der Bühne. Cue schloss sich an: Man werde es wieder tun, ein weiteres Formula-1-Projekt sei das Ziel, und alle wollten eine Fortsetzung sehen.
Ein offizielles grünes Licht gibt es bislang nicht, doch der kommerzielle Hintergrund macht den Schritt naheliegend. Der erste Film mit Brad Pitt spielte weltweit rund 634 Millionen Dollar ein – Pitts erfolgreichster Kinostart überhaupt und zugleich die erfolgreichste Kinoveröffentlichung von Apple Original Films. Hinzu kamen vier Oscar-Nominierungen, darunter eine in der Kategorie Bester Film. Verantwortlich für die Regie war Joseph Kosinski, der zuvor bereits „Top Gun: Maverick“ inszeniert hatte.
Ein UFO-Thriller als nächstes Großprojekt
Neben der F1-Fortsetzung kündigte das Duo eine weitere Zusammenarbeit an. Bruckheimer und Kosinski arbeiten an einem Verschwörungsthriller rund um UFOs, den Bruckheimer als „eine Art ‚Die Unbestechlichen‘ über das, was die Regierung jahrelang über UAPs verschwiegen hat“ beschrieb. Es solle eine wahre Geschichte werden und sei, in seinen Worten, schlicht überwältigend. Cue griff das Projekt direkt auf und bestätigte, dass die gemeinsame Arbeit über den nächsten F1-Film hinausgehe.
Warum Apple bewusst klein startete
Cue nutzte den Auftritt auch, um Apples Grundsatzentscheidung zu erklären, ausschließlich auf Eigenproduktionen zu setzen. Beim Start vor knapp sieben Jahren habe man bewusst auf zugekaufte Altbestände verzichtet und sei mit lediglich fünf oder sechs eigenen Serien an den Markt gegangen. Genau dieses schmale Angebot habe Apple gegenüber Produzenten sogar als Argument genutzt: Ein Dienst ohne weiteres Programm glaube an ein Projekt vollständiger als ein Konkurrent mit einem prall gefüllten Katalog.
Diese Logik habe etwa beim Pitch für „The Morning Show“ überzeugt, mit dem Cue Reese Witherspoon und Jennifer Aniston zu Apple holte. Wie tragfähig der Kurs inzwischen ist, unterstreicht die hauseigene Serie Pluribus, die zuletzt einen Gotham Award gewann und die Cue als bisher größte Produktion der Plattform bezeichnet.
Flexibilität statt starrer Regeln
Ein wiederkehrendes Motiv des Gesprächs war Apples Bereitschaft, sich nicht an feste Vorgaben zu binden. Bruckheimer erinnerte daran, wie der erste F1-Film bei neun verschiedenen Anbietern und Studios vorgestellt wurde – und Apple mit dem kreativsten Vorschlag kam, das Werk zunächst für 45 Tage in den Kinos zu halten. Tatsächlich sei der Film so lange im Kino geblieben, wie Tickets verkauft wurden, bevor er erfolgreich ins Streaming wechselte.
Cue bestätigte diesen Ansatz: Wer das Beste anstrebe, könne sich keine starren Regeln leisten, sondern müsse flexibel bleiben und schnell reagieren. Diese Haltung passt zu Cues langer Apple-Geschichte. Der Manager ist seit 1989 im Unternehmen, verantwortete den Start von iTunes und des App Store und leitet heute als Senior Vice President die Dienste- und Gesundheitssparte. Für den Aufbau der Studio-Sparte brauchte er nach eigener Aussage zwei Jahre, bis er 2017 mit den ehemaligen Sony-Managern Jamie Erlicht und Zack Van Amburg die passenden Köpfe fand.
Apple TV vor der nächsten Wachstumsphase
Cues Auftritt in Cannes liest sich wie eine Standortbestimmung: Die Plattform soll wachsen, ohne ihren Anspruch zu verwässern. Mit einer möglichen F1-Fortsetzung, dem UFO-Thriller und dem Bekenntnis zu mehr Programm zeichnet sich ab, dass Apple seine Inhaltsoffensive in den kommenden Jahren spürbar ausweiten will – getragen von der Überzeugung, dass Qualität die bessere Wachstumsstrategie ist als schiere Menge.
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