Während der weltweite Smartphone-Markt die neunte Woche in Folge schrumpft, zieht Apple in die entgegengesetzte Richtung: Die iPhone-Verkäufe legen zweistellig zu. Nur ein weiterer Hersteller schafft dieses Kunststück – der Rest der Branche kämpft mit einem Nachfrageeinbruch, den selbst große Rabattaktionen nicht aufhalten.
Der Smartphone-Markt steckt tief in der Krise, doch nicht alle Hersteller spüren sie gleichermaßen. Laut einem aktuellen Bericht von Counterpoint Research gingen die weltweiten Smartphone-Verkäufe in der Woche vom 11. bis 17. Mai 2026 um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück – bereits die neunte Woche mit rückläufigen Zahlen in Folge. Apple setzt sich davon deutlich ab und steht damit nicht zum ersten Mal gegen den Trend, denn der schrumpfende Markt konnte Apples Wachstum schon zuvor nicht bremsen.
Apple und Huawei trotzen dem Abwärtstrend
Im selben Zeitraum, in dem der Gesamtmarkt um acht Prozent nachgab, stiegen die iPhone-Verkäufe um zehn Prozent im Jahresvergleich. Als einziger weiterer Hersteller konnte Huawei zulegen, und das sogar noch deutlicher: um 23 Prozent. Die übrigen großen Anbieter verzeichneten durchweg Rückgänge.
| Hersteller | Veränderung im Jahresvergleich |
|---|---|
| Huawei | +23 % |
| Apple | +10 % |
| Samsung | −1 % |
| Oppo | −10 % |
| Xiaomi | −17 % |
| Vivo | −19 % |
| Übrige Marken (gesamt) | −19 % |
| Gesamtmarkt | −8 % |
Besonders auffällig ist der Abstand zwischen den beiden Gewinnern und dem Feld dahinter. Während Samsung mit einem Minus von einem Prozent noch glimpflich davonkam, brachen die Verkäufe bei Xiaomi und Vivo um 17 beziehungsweise 19 Prozent ein. Die Sammelkategorie aller weiteren Marken schrumpfte ebenfalls um 19 Prozent.
Der Speichermangel als Bremsklotz
Selbst klassische Nachfragetreiber griffen zuletzt nicht mehr: Laut Counterpoint konnten nicht einmal Werbeaktionen in China und Indien die Kauflaune wiederbeleben. Der Grund liegt in einem marktweiten Speichermangel, der die gesamte Branche unter Druck setzt. Die Knappheit bei DRAM- und NAND-Speicherchips, befeuert durch den enormen Bedarf der KI-Rechenzentren, treibt die Produktionskosten in die Höhe und zwingt die Hersteller zu Gegenmaßnahmen.
Tarun Pathak, Research Director bei Counterpoint, ordnet die Lage so ein: Es sei inzwischen klar, dass die Speicherpreise für den Rest des Jahres 2026 hoch bleiben, weshalb die Hersteller ihr Vorgehen angepasst hätten. Um den Druck zu bewältigen, setzten sie auf eine Mischung aus Preiserhöhungen, einer Neuausrichtung von Produktstarts und aggressiver Kostenoptimierung – bis hin zu Geräten, bei denen an einzelnen Funktionen gespart werde, sowie einem effizienteren Vertriebsmanagement. Auch Apple bleibt davon nicht unberührt: Tim Cook hat höhere Preise wegen der RAM-Knappheit bereits bestätigt.
Warum sich Apple absetzt
Den deutlichen Abstand zwischen Apple und Huawei auf der einen und dem Rest des Marktes auf der anderen Seite führt Counterpoint auf Unterschiede bei der Stabilität der Lieferketten und der Fähigkeit zur Preisgestaltung zurück – Faktoren, die sich zunehmend ausgeprägter zeigen. Wer seine Komponentenversorgung im Griff hat und Preisaufschläge gezielt steuern kann, kommt in einem angespannten Umfeld besser durch.
Für Apple ist das kein Ausreißer, sondern die Fortsetzung einer Entwicklung: Bereits im ersten Quartal 2026 hatte Apple erstmals auch in einem ersten Quartal die weltweite Smartphone-Führung übernommen, einem traditionell schwächeren Zeitraum. Die Konzentration auf das Premiumsegment und die hohe Bindung der Nutzer an das Ökosystem zahlen sich in der Krise besonders aus.
Die Schere öffnet sich weiter
Die aktuellen Zahlen zeigen einen Markt, der sich in zwei Geschwindigkeiten bewegt. Während preissensible Segmente unter den steigenden Kosten leiden, koppeln sich Apple und Huawei vom allgemeinen Abschwung ab. Sollte die Speicherkrise wie erwartet bis weit ins Jahr 2026 hinein andauern, dürfte sich diese Kluft eher vertiefen als schließen. Offen bleibt allerdings, wie Apple seine angekündigten Preiserhöhungen konkret umsetzt: Tim Cook ließ bislang unbeantwortet, ob die Aufschläge bereits aktuelle Modelle betreffen oder erst mit den nächsten Produktneuheiten greifen. (Bild: Shutterstock / Wongsakorn 2468)
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