Die neue Siri ist der größte Apple-Intelligence-Sprung in iOS 27 – und zugleich der, auf den am längsten gewartet werden musste. Jetzt liefert der Verantwortliche hinter der Assistentin die Erklärung. Sie zeigt eine bewusste Kehrtwende, die Apple Monate gekostet hat.
Auf der WWDC-Keynote präsentierte Apple eine von Grund auf runderneuerte Assistentin, die mit der bisherigen Siri kaum noch etwas gemeinsam hat. Im Anschluss an die Keynote lud das Unternehmen ausgewählte Pressevertreter zu einem Tech-Talk rund um Siri und Apple Intelligence. Mit am Tisch saß Mike Rockwell, der die Siri-Entwicklung erst im Vorjahr übernommen hatte – im Zuge eines internen Umbaus, der die KI-Verantwortung bei Apple neu sortierte. Rockwell ordnete dort erstmals ein, warum die neue Siri später kam als von vielen erhofft.
Eine fertige erste Version – die Apple wieder verwarf
Laut Rockwell hatte das Team bereits eine erste Fassung der neuen Siri gebaut und zum Laufen gebracht. Diese Version setzte schrittweise auf der ursprünglichen Siri auf und ergänzte sie unter anderem um Tool Calling, also die Fähigkeit, gezielt Funktionen und Dienste anzusteuern. Technisch funktionierte dieser Ansatz nach seiner Darstellung – nur war er nicht das, was Apple liefern wollte.
Parallel existierte ein zweiter Entwurf, der deutlich tiefere Eingriffe verlangte. Das Team stand damit vor der Wahl zwischen dem fertigen, aber begrenzten Aufsatz und einem aufwendigeren Neubau. Apple entschied sich gegen die naheliegende, schnellere Lösung und für den umfassenderen Weg.
Komplett eingerissen und neu aufgebaut
Statt die bestehende Siri weiter zu erweitern, riss Apple sie nach Rockwells Schilderung vollständig ein und baute sie von Grund auf neu auf. Die neue Basis bilden moderne Sprachmodelle, die auf Googles Gemini aufsetzen, ohne selbst Gemini zu sein. Genau dieser radikale Schnitt war es, der den Zeitplan dehnte – und der laut Rockwell überhaupt erst eine deutlich leistungsfähigere Assistentin möglich machte.
Der inkrementelle Ansatz hätte Siri zwar einige KI-Verbesserungen gebracht, aber nicht die vollständige Neuauflage, die iOS 27 nun mitbringt. Apple nahm die längere Entwicklungszeit also bewusst in Kauf, um nicht bei einem Zwischenschritt stehenzubleiben.
Was der Neuanfang möglich machte
Erst durch den Komplettumbau erhält Siri eine Reihe von Eigenschaften, die mit der alten Architektur nicht zu erreichen gewesen wären. Dazu zählt eine eigenständige App, die Apple zuvor lange vermieden hatte. Hinzu kommt eine von Grund auf multimodale Auslegung – die Assistentin verarbeitet also verschiedene Eingabeformen – sowie ein Datenschutzkonzept, das von Beginn an mitgedacht wurde.
Ebenso wichtig war Apple die durchgängige Verfügbarkeit über die gesamte Geräteflotte hinweg. Die neue Siri läuft auf iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und Vision Pro, dazu in AirPods und auf dem Apple TV im Auto über CarPlay. Über all diese Plattformen hinweg handelt es sich um dieselbe Assistentin mit einem gemeinsamen Erlebnis – ein Anspruch, der die einheitliche, neue Basis voraussetzt.
Auf iPhone und iPad in der EU mit Verzögerung
Was Apple als plattformübergreifend bewirbt, gilt in der Europäischen Union zunächst mit Einschränkung: Auf iPhone und iPad startet die neue Siri hier vorerst nicht, weil der Digital Markets Act den Funktionsumfang blockiert. Auf anderen Plattformen ist die Assistentin auch in der EU verfügbar. Wer in Deutschland auf die neue Siri auf dem iPhone wartet, muss sich damit auf einen späteren Termin einstellen.
Aus dem Notbehelf wurde ein Neuanfang
Rockwells Erklärung rückt die lange Wartezeit in ein anderes Licht: Apple hatte eine funktionierende, aber begrenzte Siri bereits in der Hand und legte sie zugunsten eines kompletten Neubaus beiseite. Der Konzern entschied sich damit gegen das schnellere Ergebnis und für die größere Wette – mit allen Risiken eines Projekts, das von Beginn an unter besonderer Beobachtung stand. Wie tragfähig diese Entscheidung war, zeigt sich nun mit der Auslieferung von iOS 27. (Bild: Apple)
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