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Apple öffnet iOS in Brasilien für App-Stores und Zahlungen

by Milan
18. Juni 2026
in News
App Store Brasilien

Bild: Apple

Was die EU mit dem Digital Markets Act erzwungen hat, erreicht nun auch Südamerika: Apple muss iOS in Brasilien für alternative App-Marktplätze und externe Zahlungswege öffnen. Hinter der Entscheidung steht eine Einigung mit der Wettbewerbsbehörde CADE, die ein drei Jahre langes Kartellverfahren beendet. Apple setzt die Vorgaben um – warnt aber im selben Atemzug vor neuen Gefahren für Sicherheit, Datenschutz und vor allem für Kinder.

Ausgangspunkt war eine Beschwerde der lateinamerikanischen E-Commerce-Plattform MercadoLibre aus dem Jahr 2022. Der Vorwurf: Apple behindere mit dem Zwang zum hauseigenen App Store und zur eigenen Bezahlabwicklung den Wettbewerb auf iOS. Nach drei Jahren Verfahren genehmigte die brasilianische Wettbewerbsbehörde CADE (Conselho Administrativo de Defesa Econômica) Ende Dezember 2025 eine von Apple vorgeschlagene Verpflichtungszusage und setzte dem Konzern eine Umsetzungsfrist von 105 Tagen. Diese Frist ist abgelaufen: Seit heute stehen die neuen Optionen als Teil von iOS 26.5 bereit. Für Apple steht damit auch ein zentrales Verkaufsargument auf dem Spiel, denn der Konzern verweist regelmäßig auf die Milliardenbeträge an betrügerischen Transaktionen, die der App Store Jahr für Jahr blockiert – ein Schutzschirm, der außerhalb des eigenen Stores in dieser Form nicht mehr greift.

Wie es zur Einigung kam

Der Weg dorthin war konfliktreich. Mitte 2025 bestätigte CADE eine einstweilige Anordnung, die Apple zur Öffnung für alternative Vertriebswege und Zahlungslinks verpflichten sollte – begleitet von wechselnden Gerichtsentscheidungen, bei denen mal Apple, mal die Gegenseite punktete. Den Schlusspunkt setzte schließlich ein sogenannter Termo de Compromisso de Cessação, ein in Brasilien übliches Vergleichsinstrument, mit dem Unternehmen ein Verfahren gegen durchsetzbare Auflagen beenden können.

Die Vereinbarung läuft über drei Jahre, gerechnet ab dem Zeitpunkt, zu dem die neuen Bedingungen für Entwickler verbindlich werden, und kann bei verfehlten Wettbewerbszielen verlängert oder überprüft werden. Verstöße können mit Geldbußen von bis zu 150 Millionen Reais geahndet werden, zudem ließe sich das Verfahren wieder aufnehmen. Im Gegenzug zog Apple anhängige Klagen gegen frühere Schutzmaßnahmen der Behörde zurück. Eine weitere Auflage betrifft die Tonalität: Sicherheitshinweise zu Sideloading oder Drittzahlungen muss Apple neutral und sachlich halten und darf sie nicht als abschreckende Hürde im Bedienablauf einsetzen.

Alternative App-Marktplätze – Notarization als Filter

Der App Store bleibt nach Apples Darstellung der zentrale und sicherste Ort, um Apps in Brasilien zu beziehen. Zusätzlich dürfen Entwickler ihre iOS-Apps künftig aber auch über alternative Marktplätze vertreiben. Diese müssen von Apple autorisiert werden und laufende Anforderungen erfüllen. Apps, die außerhalb des App Store geladen werden, durchlaufen jedoch nicht den App Review – Apple sieht darin ein erhöhtes Risiko für Betrug, Missbrauch und für Inhalte, die im offiziellen Store nicht zulässig wären.

Als Mindestabsicherung führt Apple für alle iOS-Apps eine Basisprüfung namens Notarization ein. Sie kombiniert automatisierte Checks mit menschlicher Begutachtung und soll sicherstellen, dass eine App wie versprochen funktioniert und frei von bekannter Schadsoftware, Viren oder anderen Sicherheitsbedrohungen ist. Apple stellt jedoch ausdrücklich klar, dass Notarization weniger umfassend ausfällt als der reguläre App Review. Wie wichtig ein konsequenter Schutz vor Schadsoftware bleibt, zeigt sich an den Maßnahmen, mit denen sich Apple-Geräte gegen Malware absichern lassen – ein Aspekt, der mit der Öffnung an Bedeutung gewinnt.

Neue Zahlungswege in App-Store-Apps

Auch beim Bezahlen bekommen Entwickler mehr Spielraum. Innerhalb des App Store können Nutzer in Brasilien weiterhin Apple In-App Purchase verwenden, um digitale Güter und Dienste zu kaufen, Abos zu verwalten, Rückerstattungen anzufordern und ihre Zahlungshistorie einzusehen. Ergänzend dürfen Entwickler nun eine alternative Zahlungsabwicklung direkt in der App anbieten oder auf eine Website verlinken, um eine Transaktion abzuschließen.

Diese alternativen Optionen müssen stets neben Apple In-App Purchase erscheinen, damit erkennbar bleibt, wann eine Zahlung über Apple läuft. Wer Apple In-App Purchase wählt, behält die gewohnten Funktionen wie Rückerstattungs-Support, Abo-Verwaltung und „Problem melden“. In der Kaufhistorie und der Abo-Verwaltung tauchen ausschließlich Transaktionen auf, die über Apple In-App Purchase abgewickelt wurden. Bei alternativer Zahlungsabwicklung oder einem Wechsel auf eine externe Website kann Apple dagegen keine Rückerstattungen ausstellen und nur eingeschränkt bei Problemen, Betrug oder Scams helfen. Zudem müssen Zahlungsdaten unter Umständen mit zusätzlichen Parteien geteilt werden, was neue Datenschutz- und Sicherheitsrisiken eröffnet.

Die neuen Provisionssätze im Überblick

Parallel zu den neuen Vertriebs- und Zahlungswegen passt Apple die Geschäftsbedingungen für iOS-Apps in Brasilien an. An einem Grundprinzip ändert sich nichts: Eine Provision fällt weiterhin ausschließlich auf den Verkauf digitaler Güter und Dienste an. Entwickler, die keine digitalen Güter verkaufen, zahlen wie bisher keine Provisionen oder Gebühren. Welchen wirtschaftlichen Hebel der Store für Apple darstellt, zeigt der Blick auf das App-Store-Ökosystem, das einen Umsatz von 1,4 Billionen Dollar erreicht hat.

GebührHöhe
App-Store-Provision10 % für die meisten Entwickler – darunter Teilnehmer des Small Business Program, des Video Partner Program und des Mini Apps Partner Program sowie Abos nach dem ersten Jahr – ansonsten 21 % auf digitale Güter und Dienste
Apple-Zahlungsabwicklungzusätzliche 5 %, wenn Apple In-App Purchase genutzt wird
Store-Services-Provision15 % auf Käufe, die über eine von der App verlinkte Website laufen; ermäßigt 10 % für die genannten Programme und für Abos nach dem ersten Jahr
Core Technology Commission5 % auf den Verkauf digitaler Güter und Dienste bei Apps, die außerhalb des App Store vertrieben werden – inklusive bezahlter Apps

Die Core Technology Commission soll laut Apple die Werkzeuge, Technologien und Dienste vergüten, mit denen Entwickler ihre Apps für iOS bauen und verteilen. Unterm Strich, so der Konzern, zahlen Entwickler, die in Brasilien digitale Güter und Dienste verkaufen, künftig gleich viel oder weniger als heute.

Was sich für den Kinderschutz ändert

Den größten Vorbehalt formuliert Apple beim Schutz jüngerer Nutzer. Im App Store erwarten Eltern, dass Apps und Spiele der Kids-Kategorie altersgerecht sind, Kinderdaten schützen und bestimmte Aktionen über Sicherheitsabfragen begrenzen. Die neuen Vertriebs- und Zahlungswege könnten Kinder dagegen zusätzlichen Risiken aussetzen. Apple verweist auf vergleichbare regulatorische Eingriffe in Europa und Japan, durch die auf iOS Apps verfügbar wurden, die zuvor nicht erlaubt waren – darunter Pornografie-Apps.

Um zumindest einige Schutzplanken zu erhalten, hat Apple gemeinsam mit den Regulierern in Brasilien mehrere Vorgaben festgelegt:

  • Apps der Kids-Kategorie dürfen im App Store nicht auf Websites verlinken, um eine Transaktion abzuschließen.
  • Für Nutzer unter 18 Jahren müssen alle App-Store-Apps mit alternativer Zahlungsabwicklung eine elterliche Freigabe erzwingen, bevor ein Kauf möglich ist.
  • Für Nutzer unter 18 Jahren dürfen App-Store-Apps nicht auf externe Websites für Transaktionen verlinken.
  • Apple arbeitet zudem an einer neuen Schnittstelle, über die Eltern auch Käufe außerhalb von Apple In-App Purchase überwachen und genehmigen können.

Unabhängig vom Vertriebsweg müssen Entwickler weiterhin Altersfreigaben für ihre Apps angeben. Darüber hinaus verweist Apple auf bestehende Werkzeuge wie Kinder-Accounts, Webinhaltsfilter, App-Beschränkungen, Bildschirmzeit, die Familienfreigabe, Kommunikationssicherheit und Kommunikationslimits. In diese Richtung zielt auch, dass Apple seine Kindersicherung zuletzt mit neuen Funktionen ausgebaut hat.

Brasilien folgt einem globalen Muster

Die Entscheidung reiht sich in eine Kette gleichartiger Eingriffe ein. In der EU hat der Digital Markets Act Apple bereits zu alternativen Marktplätzen und externen Zahlungen gezwungen, Japan folgte mit einer eigenen Smartphone-Gesetzgebung. Brasilien ist nun der dritte große Markt, in dem das geschlossene iOS-Modell aufgebrochen wird – und das Muster ähnelt sich auffällig: Öffnung beim Vertrieb, neue Gebührenkonstruktionen wie die Core Technology Commission, die Apples Umsatzbasis sichern, und ein Sicherheitsnarrativ, das die Risiken der Öffnung betont.

Für Entwickler bedeutet das mehr Optionen, aber auch mehr Komplexität: Wer einen alternativen Marktplatz oder externe Zahlungen nutzt, gibt einen Teil der Apple-Schutzmechanismen auf. Für Nutzer wiederum hängt der praktische Nutzen davon ab, ob relevante Anbieter die neuen Wege tatsächlich einschlagen. In der EU blieb die Resonanz auf alternative Stores zunächst überschaubar – ob Brasilien hier anders verläuft, dürfte vor allem von großen lokalen Plattformen wie dem Beschwerdeführer MercadoLibre abhängen.

Apples geschlossenes Modell verliert weiter an Boden

Mit Brasilien wächst die Zahl der Regionen, in denen Apple seine Kontrolle über App-Vertrieb und Bezahlung abgeben muss. Die Vereinbarung mit CADE ist auf drei Jahre angelegt, und Apple kündigt an, weiter mit Regulierern über den Ausbau von Schutzmaßnahmen zu sprechen. Die Richtung ist damit klar: Das einst monolithische App-Store-Modell zerfällt Markt für Markt in regionale Sonderregeln – und jede neue Einigung liefert eine Vorlage für die nächste. (Bild: Apple)

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