Die Connectivity Standards Alliance hat Matter 1.6 und das Zertifizierungsprogramm Product Security 1.1 offiziell vorgestellt. Das Update verändert, wie smarte Geräte eingerichtet werden, wie sie sich über Plattformgrenzen hinweg teilen lassen und wie Thermostate auf Vorschläge reagieren. Für alle, die ihr Zuhause über Apple Home steuern, stecken darin gleich mehrere konkrete Neuerungen.
Matter ist der herstellerübergreifende Standard, der Lampen, Steckdosen, Thermostate und Sensoren verschiedener Marken unter einem Dach zusammenführt – auch in Apple Home. Vorgestellt wurde die neue Version am zweiten Tag von Unify, der jährlichen öffentlichen Veranstaltung der Connectivity Standards Alliance (CSA), auf der die IoT-Branche ihre Fortschritte zum offenen Standard zeigt. Im Apple-Kosmos erreichen diese Verbesserungen die Nutzer über die Home-Hubs: HomePod und Apple TV arbeiten als Steuerzentralen und Thread-Grenzrouter, weshalb die erwartete neue HomePod-Generation gerade für das vernetzte Zuhause an Bedeutung gewinnt. Neben den technischen Punkten gab es eine personelle Meldung: ADT und Telink rücken neu in den Vorstand der CSA. Für Verbraucher und Gerätehersteller sind jedoch Matter 1.6 und Product Security 1.1 die eigentlich relevanten Ankündigungen.
Matter 1.6 ist ein gezieltes Funktions-Update
Die CSA beschreibt Matter 1.6 ausdrücklich als fokussierte Funktionsversion. Im Mittelpunkt stehen drei Ziele: Geräte sollen besser über Ökosysteme hinweg zusammenarbeiten, sich stärker an die Vorlieben der Nutzer anpassen und genauer über ihren eigenen Status Auskunft geben. Statt vieler kleiner Detailänderungen setzt die Version auf einige größere Bausteine, die das Einrichten und Teilen von Geräten spürbar verändern.
Einrichtung per NFC – noch bevor das Gerät am Strom hängt
Die auffälligste Neuerung ist die NFC-basierte Inbetriebnahme. Sie erlaubt eine wechselseitige NFC-Kommunikation mit Matter-Geräten, und zwar sogar, bevor diese vollständig mit Strom versorgt sind. Praktisch bedeutet das: Eine Glühbirne lässt sich einrichten, bevor sie in die Deckenfassung geschraubt wird, und ein Unterputzschalter kann konfiguriert werden, bevor die Netzspannung anliegt. Bei größeren Installationen können mehrere Geräte vorab vorbereitet und erst an ihrem endgültigen Einbauort aktiviert werden.
Damit baut Matter 1.6 auf einer Funktion aus Matter 1.4.1 auf. Dort wurden die Einrichtungsinformationen bereits in einem NFC-Tag hinterlegt – als bequemere Alternative zum Abscannen eines QR-Codes. Den eigentlichen Verbindungsaufbau wickelte das System aber weiterhin über Bluetooth LE ab. Matter 1.6 lässt nun den gesamten Vorgang über NFC ablaufen. Für Endnutzer fühlt sich das direkter und greifbarer an: Das Smartphone wird einfach an das Gerät gehalten, und die Einrichtung startet. Wer Matter-Zubehör schon einmal über Apple Home hinzugefügt hat, kennt das Prinzip des Heranhaltens bereits – künftig deckt es einen größeren Teil des Vorgangs ab.
Joint Fabric: Mehrere Ökosysteme verwalten ein Netzwerk
Der zweite große Baustein heißt Joint Fabric und erweitert die Möglichkeiten des Multi-Admin-Werkzeugkastens. Jedes Matter-Netzwerk wird intern als „Fabric“ geführt; bislang verwaltete jede Plattform ihr eigenes. Mit Joint Fabric können mehrere vom Nutzer autorisierte Steuerinstanzen ein gemeinsames Matter-Netzwerk zusammen administrieren. Geräte werden dadurch in allen beteiligten Ökosystemen verfügbar, ohne dass sie für jedes einzeln neu eingerichtet werden müssen.
Genau hier liegt der Mehrwert für gemischte Haushalte: Wer Geräte parallel über Apple Home und eine andere Plattform betreibt, muss ein Zubehör nicht doppelt anlernen. Der Standard regelt das geteilte Netzwerk selbst, statt jede Plattform separat verwalten zu lassen.
Thermostate erhalten Vorschläge statt direkter Befehle
Mit Thermostat Suggestions vereinheitlicht Matter 1.6, wie Ökosysteme Änderungen an Thermostaten empfehlen. Anstatt direkte Befehle zum Ändern von Temperatur oder Modus zu senden, übermitteln Steuerinstanzen künftig zeitlich begrenzte Vorschläge. Das Thermostat bewertet diese anhand der Nutzervorlieben, der letzten Eingaben und der aktuellen Bedingungen – und entscheidet selbst, ob es sie übernimmt.
Die CSA nennt dazu mehrere Szenarien. Wer an einem Lastmanagement-Programm seines Energieversorgers teilnimmt, kann das Thermostat so einstellen, dass eine Automation aus einem anderen Ökosystem ein Sparereignis nicht versehentlich überschreibt. Wer auf Energieeinsparung, Luftfeuchtigkeit oder Luftqualität optimiert, bekommt diese Einstellung über alle verbundenen Dienste hinweg respektiert, ohne sie in jedem einzeln festlegen zu müssen. Und ein Thermostat, das gerade manuell verstellt wurde, erkennt einen kurz darauf eintreffenden Vorschlag aus einer anderen Quelle als vermutlich unerwünscht und ignoriert ihn. Da die Home-App Matter-Thermostate unterstützt, betrifft dieser Mechanismus auch das Apple-Zuhause unmittelbar.
Weitere Verbesserungen unter der Haube
Daneben bringt Matter 1.6 mehrere Kern-Erweiterungen. Dazu zählt eine standardisierte Kommunikation darüber, welche Fähigkeiten und Betriebsgrenzen ein Gerät hat. Hinzu kommen ein Ereignisverlauf für Sicherheitssensoren, ein „unmounted“-Status für Rauch- und CO-Melder, der signalisiert, wenn ein Melder abgenommen wurde, sowie besser skalierbare Sperrlisten für Zertifikate. Parallel zur Ankündigung veröffentlicht die CSA die Matter-1.6-Spezifikation sowie das passende SDK für Entwickler.
Product Security 1.1: Zertifizierung für ganze Systeme
Die zweite Ankündigung des Tages ist Product Security 1.1 – und sie verschiebt den Anwendungsbereich des Sicherheitszertifizierungsprogramms der CSA. Während sich Product Security 1.0 vor allem auf einzelne Geräte konzentrierte, geht Version 1.1 darüber hinaus und umfasst vollständige IoT-Systeme. Dazu gehören IoT-Geräte, IoT-Apps, IoT-Remote-Prozesse und IoT-Gateways.
Das Programm führt zwei Stufen der Sicherheitszusicherung ein. Stufe 1 beruht auf einer Selbsteinschätzung des Anbieters, die von einem autorisierten Prüflabor (Authorized Test Laboratory, ATL) überprüft wird. Stufe 2 verlangt eine unabhängige Bewertung samt Funktionstests durch ein solches Labor.
Ziel ist es laut CSA, die Lücke zwischen den unterschiedlichen internationalen Cybersicherheitsstandards zu schließen – durch einen schlankeren Zertifizierungsprozess und weniger doppelte Nachweise. Konkret deckt Version 1.1 nun die Cybersicherheitsanforderungen der harmonisierten Normen der EU-Funkanlagenrichtlinie (Radio Equipment Directive, RED) sowie das Cyber Security Labeling Scheme aus Singapur ab. Für Hersteller, die Produkte über mehrere Regionen hinweg zertifizieren, soll das den Aufwand und die Komplexität deutlich verringern.
Der Matter-Standard wächst über einzelne Geräte hinaus
In der Summe zeigen beide Ankündigungen dieselbe Richtung: Matter rückt vom einzelnen, isoliert eingerichteten Gerät ab und denkt stärker in vernetzten Systemen, geteilten Netzwerken und plattformübergreifenden Regeln. NFC-Einrichtung, Joint Fabric und abgestimmte Thermostat-Vorschläge greifen genau dort, wo das Smart Home im Alltag bislang umständlich war. Für das Apple-Zuhause werden diese Verbesserungen über die Home-Hubs nutzbar – und neue Hardware steht in Aussicht, denn ein aktualisiertes Apple TV 4K und ein neuer HomePod mini werden noch für dieses Jahr erwartet. Wie schnell die einzelnen Funktionen tatsächlich beim Nutzer ankommen, hängt nun davon ab, wie zügig Plattformen und Hersteller die neue Spezifikation umsetzen. (Bild: Shutterstock / Jo Panuwat D)
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