Ein von Microsoft-Ingenieuren veröffentlichter Benchmark legt nahe, dass Apples Vorgabe, alle iPhone-Browser auf die hauseigene Engine WebKit zu zwingen, spürbar Leistung kostet. Ein Edge-Prototyp mit eigener Engine schnitt in Apples eigenem Geschwindigkeitstest fast 30 Prozent besser ab als Safari. Mehr als zwei Jahre nach der DMA-Öffnung hat dennoch kein Anbieter eine alternative Engine auf iOS ausgeliefert.
Apple schreibt seit jeher vor, dass jeder Browser auf dem iPhone die hauseigene Engine WebKit nutzen muss – jene Technik, die auch Safari antreibt. Chrome oder Firefox auf dem iPhone sind damit technisch kaum mehr als neu eingekleidete Safari-Varianten. Der Digital Markets Act der EU sollte das eigentlich aufbrechen, doch die Realität zeigt, wie zwiespältig die DMA-Folgen für Apple tatsächlich ausfallen. Wie groß der Leistungsunterschied zwischen WebKit und einer freien Engine ausfällt, untermauern nun erstmals konkrete Messwerte aus dem Hause Microsoft.
Fast 30 Prozent Vorsprung in Apples eigenem Test
Kyle Pflug, als Group Product Manager für die Web-Plattform von Microsoft Edge zuständig, veröffentlichte die Ergebnisse am Montag. Verglichen wurde ein Forschungsprototyp von Edge, der mit Apples BrowserEngineKit-Framework gebaut wurde, gegen Safari unter iOS 26.5.1. Im Speedometer-3.1-Test – einem Benchmark, der von Apple selbst stammt – erreichte der auf Blink basierende Prototyp 49,27 Punkte, während Safari auf 38,3 kam. Das entspricht einem Vorsprung von 28,6 Prozent.
Auch in weiteren Disziplinen lag der Prototyp vorn. Im JavaScript-Benchmark JetStream 3 betrug der Abstand 13,1 Prozent (306,35 gegenüber 270,9), im Grafik-Rendering-Test MotionMark 1.3.1 waren es 2,1 Prozent (4.773,52 gegenüber 4.673,68).
Ein Forschungsprototyp, keine fertige App
Pflug ordnete die Zahlen selbst vorsichtig ein. Es handele sich um einen Forschungsprototyp und kein fertiges Produkt; die Werte seien vorläufig und auf seinem eigenen Gerät entstanden, nicht unter Laborbedingungen. Der grundsätzliche Abstand zugunsten der freien Engine bleibt damit ein deutliches Indiz, aber noch keine abschließend belastbare Messung.
Warum alle iOS-Browser auf WebKit laufen
WebKit ist die zentrale Browser-Engine von Apple und steckt nicht nur in Safari, sondern in zahlreichen weiteren Apps – ein Umstand, der zuletzt bei einem Sicherheitsupdate mit gleich 20 WebKit-Patches sichtbar wurde. Weil Apple die Engine für alle iOS-Browser vorschreibt, teilen sich Chrome, Firefox und die übrigen Anbieter dieselbe technische Basis. Optisch unterscheiden sie sich, unter der Haube rendern sie jedoch alle mit WebKit.
Zwei Jahre DMA – und keine alternative Engine
Theoretisch hat sich diese Lage im März 2024 geändert. Der Digital Markets Act verpflichtet Apple, über das BrowserEngineKit-Framework alternative Browser-Engines zuzulassen. Mehr als zwei Jahre später hat allerdings kein einziger Browser-Hersteller eine solche Engine auf iOS ausgeliefert. Die Unternehmen verweisen auf technische Hürden – und auf die Vorgabe, einen Browser mit eigener Engine als komplett separate App neben der bestehenden WebKit-Version veröffentlichen zu müssen.
Der Ruf nach einem Verfahren der EU-Kommission
Die Initiative Open Web Advocacy bewertete die Ergebnisse gegenüber dem Magazin The Register als Beleg für einen Schaden, der Verbraucher seit 17 Jahren begleite. Die Gruppe forderte die EU-Kommission auf, ein sogenanntes Spezifikationsverfahren einzuleiten, das Apple genau vorschreibt, wie die Hürden für alternative Engines zu beseitigen sind. Die Beschränkung auf eine Engine erlaube es Apple, die Möglichkeiten des mobilen Webs zu begrenzen und Unternehmen in der Abhängigkeit von nativen Apps und den Regeln des App Store zu halten.
Warum der Streit über reine Messwerte hinausgeht
Hinter den Benchmark-Zahlen steht eine grundsätzlichere Frage: Wie leistungsfähig das mobile Web auf dem iPhone sein darf, entscheidet bislang faktisch Apple allein. Solange jede Engine WebKit nutzen muss, bleibt die Performance konkurrierender Browser an Apples Tempo gekoppelt. Für Apple ist die einheitliche Engine ein Sicherheits- und Datenschutzargument; für Kritiker ist sie ein Wettbewerbshebel, der leistungsfähige Web-Apps ausbremst und das App-Geschäft absichert. Die nun vorgelegten Messwerte liefern dieser Debatte erstmals konkrete Zahlen – und dürften den regulatorischen Druck in Europa eher erhöhen als senken. (Bild: Shutterstock / jakir143)
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