Apple prüft Arbeitsspeicher des chinesischen, staatlich gestützten Herstellers CXMT – jenes Bauteil, dessen weltweite Knappheit gerade die Preise für Apple-Geräte nach oben treibt. Einem Bericht zufolge hat der Konzern die Chips bereits in die technische Erprobung geschickt. Besiegelt ist damit aber noch längst nichts.
Die weltweite Knappheit bei Arbeitsspeicher hat Apple zuletzt zu einem ungewöhnlichen Schritt gezwungen: Der Konzern kündigte an, die Preise mehrerer Produktlinien anzuheben, weil sich die gestiegenen Kosten nicht mehr abfedern lassen. Genau in diesem Umfeld sucht Apple nach neuen Bezugsquellen – und wendet sich dabei ausgerechnet einem Anbieter zu, der politisch heikel ist.
Vom Gespräch zum Praxistest
Laut der Financial Times testet Apple inzwischen DRAM-Speicher von ChangXin Memory Technologies (CXMT). Vergangene Woche war zunächst durchgesickert, dass der Konzern mit CXMT sowie dem ebenfalls chinesischen Hersteller Yangtze Memory Technologies (YMTC) über eine mögliche Belieferung spricht – ohne dass ein Abschluss vorlag. Die neuen Angaben deuten darauf hin, dass Apple bei CXMT einen Schritt weiter ist und dessen Chips jene technische Qualifizierung durchlaufen lässt, die einer Freigabe für den Serieneinsatz üblicherweise vorausgeht.
Festgelegt hat sich Apple damit nicht. Kommerziell nutzt der Konzern die Chips dem Bericht zufolge noch nicht – und führt zugleich unter US-Technologiefirmen eine Lobby-Initiative an, um in Washington grünes Licht für einen breiteren Einsatz der Produkte zu erhalten.
Warum Apple beim Speicher unter Druck steht
Der Hintergrund ist eine handfeste Kostenkrise. Die Vertragspreise für Standard-DRAM sollen Anfang 2026 um geschätzt 55 bis 60 Prozent gestiegen sein, weil der Bedarf für KI-Server enorme Mengen aus dem Markt für Konsumgeräte abzieht. Für Apple, das in kommenden Geräten sogar mehr Speicher pro Modell verbauen will, verschärft das die Lage doppelt.
Ein zusätzlicher, qualifizierter Lieferant würde Apple gleich zweifach helfen: als Verhandlungshebel gegenüber den etablierten Anbietern Samsung, SK Hynix und Micron – und als Absicherung gegen weitere knappheitsbedingte Preissprünge. CXMT ist dabei kein Leichtgewicht: Aus einem stark subventionierten Nischenhersteller ist inzwischen der viertgrößte DRAM-Produzent der Welt geworden, mit rund 11 Prozent der globalen Fertigungskapazität – Tendenz steigend.
Der politische Haken
So attraktiv der Preis, so heikel die Herkunft. Sowohl CXMT als auch YMTC stehen auf einer Liste des US-Verteidigungsministeriums, die Firmen mit Verbindungen zum chinesischen Militär führt. In der Praxis blockiert das vor allem Aufträge des Ministeriums selbst, nicht den normalen kommerziellen Einkauf – rechtlich hindert Apple also nichts daran, CXMT-Chips zu beziehen. YMTC steht allerdings zusätzlich auf einer schärferen Handelsliste, die für Geschäfte eine Exportlizenz verlangt.
Was Apple laut Berichten von der US-Regierung will, ist eine Zusage, dass CXMT nicht ebenfalls auf diese schärfere Liste gesetzt wird – was die Versorgung faktisch abschneiden würde. Der Vorstoß hat eine Vorgeschichte: Bereits 2022 scheiterte ein früherer Anlauf mit chinesischen Speicherherstellern am Widerstand aus Washington. Diesmal soll Tim Cook die Sache direkt bei Regierungsvertretern platziert haben – doch nicht alle dort sollen mitziehen.
Chinesischer Speicher nur für den China-Markt
Für Käufer hierzulande ist ein Detail entscheidend: Cook rahmt das Vorhaben Berichten zufolge so, dass chinesischer Speicher gezielt in Geräte für den chinesischen Markt wandern würde. Damit blieben mehr Chips von Samsung, SK Hynix und Micron für Produkte übrig, die anderswo verkauft werden. Ein in Deutschland verkauftes iPhone würde also nicht plötzlich CXMT-Speicher enthalten.
Der eigentliche Nutzen für europäische Kunden liegt woanders: Entlastet ein zusätzlicher Lieferant den globalen Markt, sinkt der Preisdruck, der zuletzt auch hierzulande angekommen ist. Ob es so weit kommt, hängt aber weniger an der Technik als an der Politik in Washington.
Zwischen Kostendruck und Geopolitik
Apples Vorstoß zeigt, wie eng Lieferketten, Preise und Geopolitik inzwischen verknüpft sind. Der Konzern versucht, sich gegen die Speicherkrise abzusichern, ohne sich politisch angreifbar zu machen – ein schmaler Grat. Ob aus dem Praxistest ein echter Liefervertrag wird, entscheidet am Ende nicht Cupertino allein, sondern auch die Frage, wie Washington auf die Annäherung an einen chinesischen Staatskonzern reagiert. (Bild: Shutterstock / Godlikeart)
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