Broadcom liefert Apple seit Jahren zentrale Funk-Chips. Jetzt haben beide ihre Zusammenarbeit bis 2031 verlängert – und das, obwohl Apple immer mehr Halbleiter selbst entwickelt. Für Broadcom ist der Deal ein Milliardengeschäft, für Apple ein Beleg dafür, dass die eigene Chip-Offensive klare Grenzen hat.
Apple hat in den vergangenen Jahren viel dafür getan, unabhängiger von Zulieferern wie Qualcomm zu werden und Schlüsselkomponenten selbst zu entwerfen. Umso bemerkenswerter ist die jetzt bekannt gewordene Vertragsverlängerung mit Broadcom: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters dehnen beide Unternehmen ihre Chip-Partnerschaft bis 2031 aus. Der Deal umfasst Entwicklung und Lieferung einer breiten Palette maßgeschneiderter Chips – und zeigt, dass Apple bei bestimmten Bauteilen weiterhin auf externe Spezialisten angewiesen ist.
Was der neue Vertrag abdeckt
Die Verlängerung baut auf einer bestehenden Liefervereinbarung auf, die bereits seit Jahren läuft. Konkret geht es um kundenspezifische Hochfrequenz-Bauteile, Chips für Wi-Fi- und Bluetooth-Verbindungen sowie weitere Netzwerk-Halbleiter, die sich quer durch Apples Produktpalette finden. Broadcom entwickelt einen Teil dieser Komponenten speziell für Apple, weshalb sich die beiden Unternehmen nicht ohne Weiteres voneinander lösen können.
Der Vertrag reiht sich in eine längere Geschichte ein. Bereits 2023 unterzeichneten Apple und Broadcom eine milliardenschwere Vereinbarung über 5G-Hochfrequenz-Komponenten, die in den USA gefertigt werden. Die neue Zusage schreibt diese Linie nun bis 2031 fort und gibt der Zusammenarbeit damit einen langfristigen Rahmen.
Eigene Chips ja – aber nicht überall
Auf den ersten Blick wirkt die Meldung wie ein Widerspruch. Apple entwirft inzwischen eigene Mobilfunk-Modems – die C1- und C1X-Chips im iPhone Air, iPhone 16e und iPhone 17e sind die ersten Beispiele – und will die eigene Modem-Technologie schrittweise auf die gesamte iPhone-Reihe ausweiten. Warum also ein langfristiger Vertrag mit einem Chip-Zulieferer?
Die Antwort liegt in der Aufgabenteilung. Apples eigene Entwicklung konzentriert sich bislang auf die Modems, während viele der drahtlosen Verbindungs- und Hochfrequenz-Bausteine von Broadcom weiter im Einsatz bleiben. Genau diese Nischen lassen sich nicht über Nacht ersetzen: Spezialisierte Funk-Bauteile zu entwickeln ist teuer und langwierig und lohnt sich nur dort, wo Apple genug Volumen und strategischen Nutzen sieht. Für alles andere bleibt der Einkauf beim Spezialisten die schnellere und sicherere Wahl.
Ein Milliardengeschäft für Broadcom
Für Broadcom zählt Apple zu den wichtigsten Kunden überhaupt. Schätzungen zufolge steht das Unternehmen für rund 20 Prozent des Jahresumsatzes des Chip-Herstellers. Entsprechend deutlich fiel die Reaktion an der Börse aus: Die Broadcom-Aktie legte im vorbörslichen Handel um knapp vier Prozent zu, nachdem die Verlängerung bekannt geworden war. Eine Zusage über mehrere Jahre verschafft Broadcom Planungssicherheit bei einem Abnehmer, dessen Bestellmengen ganze Geschäftsjahre prägen.
Apples Chip-Kurs bis 2031
Die Vertragsverlängerung zeigt, dass Apples Weg zu mehr Eigenständigkeit bei Chips kein Alles-oder-nichts ist. Während das Unternehmen bei Prozessoren und Modems zunehmend auf eigene Entwicklungen setzt, bleibt es bei Funk- und Verbindungstechnik vorerst auf etablierte Partner angewiesen. Bis mindestens 2031 gehört Broadcom damit fest zum Innenleben von iPhone, iPad und Co. – auch wenn auf der Rückseite längst „Designed by Apple“ steht. (Bild: Shutterstock / Poetra.RH)
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