Netflix dreht im Kampf gegen geteilte Konten weiter an der Schraube. Künftig soll jedes Profil innerhalb eines Accounts an eine eigene E-Mail-Adresse gebunden sein. Was als praktische Neuerung präsentiert wird, zielt vor allem auf Haushalte, die sich ein Abo teilen – wirklich dicht ist die neue Hürde allerdings nicht.
Schon seit Jahren versucht Netflix, das Teilen von Zugangsdaten über Haushaltsgrenzen hinweg zu unterbinden. Nach Adressabgleichen und kostenpflichtigen Zusatznutzern folgt nun die nächste Stufe: Wie das Technikportal CNET berichtet, verlangt der Streaminganbieter, dass jedem Profil innerhalb eines Kontos eine eigene E-Mail-Adresse zugeordnet wird. Der Rollout läuft seit rund zwei Wochen.
Eine eigene E-Mail für jedes Profil
Anfang des Monats erhielten erste Nutzer einen Hinweis auf dem Bildschirm, der sie aufforderte, ihr Profil mit einer eindeutigen E-Mail-Adresse zu verknüpfen. Präsentiert wird das Ganze als Komfortgewinn – versprochen werden etwa ein einfacherer Login und persönlichere Empfehlungen. Der eigentliche Adressat dürfte jedoch ein anderer sein: Wie Beobachter anmerkten, richtet sich die Aufforderung gezielt an Konten mit mehreren Profilen, wie sie typischerweise in geteilten Haushalten vorkommen. Eine eigene Adresse pro Profil erschwert es, ein einzelnes Abo unauffällig über mehrere getrennte Parteien laufen zu lassen.
Der lange Kampf gegen geteilte Konten
Neu ist die Stoßrichtung nicht. Bereits 2022 begann Netflix damit, das Teilen von Passwörtern einzudämmen, indem alle Nutzer eines Kontos an einer gemeinsamen Adresse angesiedelt sein sollten. Wer außerhalb des Haushalts mitschauen wollte, ließ sich gegen eine Zusatzgebühr hinzubuchen. Zur Erkennung unerlaubter Mitnutzung kombiniert der Anbieter seither IP-Adresse, Geräte-Kennungen und Kontoaktivität. In den USA gilt dieses Modell seit rund drei Jahren, die neue E-Mail-Pflicht ist die jüngste Ergänzung dieser Strategie.
Schlupflöcher sind schnell gefunden
So konsequent die Maßnahme wirkt, so leicht lässt sie sich umgehen. Bei Gmail genügt ein Plus-Zusatz hinter dem eigentlichen Namen, etwa name+netflix [at] gmail.com, um beliebig viele Adressvarianten zu erzeugen, die alle im selben Postfach landen. Alternativ lassen sich kostenlose Wegwerf-Adressen anlegen. Ein weiterer kursierender Trick ist schlicht, beim Öffnen der App kurz das WLAN zu deaktivieren und danach wieder einzuschalten, um die Abfrage zu umgehen. Für Netflix bedeutet das: Die neue Hürde dürfte Gelegenheitsnutzer bremsen, technisch versierte Account-Teiler aber kaum aufhalten. (Bild: Shutterstock / Samuel Boivin)
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