Damit Siri AI im Herbst auf tagesaktuelle Ereignisse antworten kann, braucht Apple verlässliche Nachrichtenquellen. Der Konzern verhandelt deshalb mit Verlagen über mehrjährige Verträge – und schlägt dabei ein Vergütungsmodell vor, das von dem abweicht, was die KI-Branche bislang anbietet. Im Gespräch ist ein neunstelliges Budget.
Der KI-Neustart der Assistenz steht kurz bevor: Siri AI kommt im Herbst mit iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 Golden Gate. Was das System können soll, ist seit der Vorstellung im Juni weitgehend bekannt – offen war bislang, woher es sein Wissen über das aktuelle Tagesgeschehen bezieht.
Ein Bericht des Wall Street Journal liefert darauf jetzt eine Antwort. Apple spricht demnach mit mehreren Verlagshäusern über Lizenzverträge, die der Assistenz Zugriff auf aktuelle Nachrichten und Informationen verschaffen sollen.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple verhandelt mit Verlagen über mehrjährige Verträge für den Zugriff auf aktuelle Nachrichteninhalte
- Vorgeschlagen ist eine nutzungsabhängige Vergütung: Geld fließt, wenn Inhalte tatsächlich verwendet werden
- Als Budget steht ein neunstelliger Betrag im Raum, also mindestens 100 Millionen Dollar
- Apple wollte sich zu dem Bericht nicht äußern
- Siri AI startet im Herbst zunächst nicht in Deutschland und Österreich, wohl aber in der Schweiz
Ein Vergütungsmodell gegen den Branchenstandard
Nach dem Bericht des Wall Street Journal schlägt Apple eine variable Vergütung vor. Partnerverlage sollen bezahlt werden, wenn ihre Inhalte tatsächlich genutzt werden – nicht pauschal für den Zugang zum Gesamtbestand.
Üblich ist bislang das Gegenteil. Verträge zwischen KI-Unternehmen und Nachrichtenhäusern arbeiten in der Regel mit festen Summen für einen breiten Inhaltszugriff, unabhängig davon, wie oft ein einzelner Artikel am Ende in einer Antwort landet.
Für Verlage hat das Modell zwei Seiten. Es koppelt die Erlöse an die tatsächliche Verwertung, macht die Einnahmen aber schwerer planbar als eine feste Jahressumme.
Warum Apple auf Lizenzen statt auf Gerichte setzt
Die Branche ist in dieser Frage gespalten. Während einige Häuser klagen – die New York Times geht gegen OpenAI und Microsoft vor –, haben andere Lizenzverträge geschlossen, darunter News Corp und der Berliner Verlag Axel Springer.
Apple hat auf diesem Feld bereits Erfahrung. Der Konzern arbeitet seit 2019 für Apple News+ mit Verlagen zusammen und hatte zuvor Vereinbarungen abgeschlossen, die auch Rechte zum KI-Training enthielten.
Reibungslos lief das nicht immer. Mehrere Partner zeigten sich mit den Konditionen unzufrieden und beendeten die Zusammenarbeit – CNN zog sich Ende 2025 aus Apple News zurück.
Der Grund für Apples Vorsicht liegt eineinhalb Jahre zurück
Warum der Konzern bei Nachrichteninhalten besonders sorgfältig vorgeht, zeigte sich im Januar 2025. Die KI-generierten Benachrichtigungszusammenfassungen hatten Schlagzeilen von BBC, New York Times und Washington Post falsch wiedergegeben – in einem Fall meldete das System fälschlich, ein Tatverdächtiger habe sich selbst erschossen.
Apple schaltete die Funktion für Nachrichten- und Unterhaltungs-Apps mit iOS 18.3 ab und brachte sie erst über ein Jahr später zurück, seitdem kursiv gekennzeichnet. Reporter ohne Grenzen hatte die Abschaltung zuvor ausdrücklich gefordert.
Diese Zurückhaltung prägt auch das neue System: Siri AI lehnt das Zusammenfassen einzelner Webseiten auf Zuruf ab, statt beliebige Quellen ungeprüft auszuwerten. Lizenzierte Inhalte sind der Gegenentwurf dazu – bezahlt, abgesichert und in der Herkunft eindeutig.
Was davon im deutschsprachigen Raum ankommt
Für Nutzer in Deutschland und Österreich hat die Meldung vorerst wenig praktische Folgen, weil Siri AI dort im Herbst gar nicht startet: Der Digital Markets Act blockiert den Start auf iPhone und iPad. In der Schweiz sieht es anders aus – das Land gehört weder zur EU noch zum EWR, der DMA greift dort nicht, und Siri AI ist verfügbar.
Hinzu kommt eine zweite Lücke. Apple News gibt es im deutschsprachigen Raum nicht; eine internationale Ausweitung ist seit Anfang 2025 im Gespräch, bislang ohne Ergebnis. Die Verlagsbeziehungen, auf denen Apple in den USA aufbauen kann, existieren hier also nicht.
Das Verhältnis zwischen Apple und der deutschen Verlagsbranche ist ohnehin belastet. Mehrere Häuser fordern seit Jahren Sanktionen gegen den Konzern wegen des App-Tracking-Transparency-Rahmens.
Wie belastbar die Angaben sind
Der Bericht stützt sich auf ungenannte Personen mit Kenntnis der Gespräche, Apple hat eine Stellungnahme abgelehnt. Das Wall Street Journal hat bei Verhandlungen dieser Art eine gute Trefferquote, aber ein laufendes Gespräch ist kein unterschriebener Vertrag – Umfang, Partner und Konditionen können sich bis zum Abschluss noch verschieben.
Wir erwarten, dass Apple die ersten Abschlüsse nicht öffentlich mit Namen und Summen ausweist. Bei Apple News+ wurden die Konditionen ebenfalls nie offengelegt, und ein nutzungsabhängiges Modell gibt jedem Partner einen eigenen Preis – das lässt sich schwer erklären, sobald die Zahlen nebeneinanderliegen.
Was der Schritt über Apples KI-Strategie verrät
Bezahlte Lizenzen sind der teure Weg. Wettbewerber decken aktuelle Ereignisse überwiegend per Websuche ab, was billiger ist und keine Verhandlungen erfordert – dafür aber genau jene Fehler produziert, die Apple bereits einmal öffentlich vorgeführt bekommen hat.
Für eine Assistenz, die im Herbst auf Hunderten Millionen Geräten anläuft, ist die Rechnung nachvollziehbar: Ein neunstelliger Betrag über mehrere Jahre wiegt weniger schwer als eine zweite Runde falscher Schlagzeilen mit Apples Namen darunter. (Bild: Apfelpatient)
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