Der US-Smartphone-Markt hat im zweiten Quartal fünf Prozent Absatz verloren, und die Ursache liegt nicht bei den Verbrauchern allein. Steigende Speicherpreise drücken die Hersteller, und ein Marktforschungsunternehmen erwartet, dass Apple im Herbst nachzieht. Damit steht eine Erwartung im Raum, die dem widerspricht, was zur iPhone-18-Reihe bislang zu hören war.
Die Speicherpreise treiben die Branche seit Monaten vor sich her, weil Rechenzentrumsbetreiber den Markt für Arbeitsspeicher leerkaufen. Dass diese Entwicklung den Smartphone-Markt in zwei Lager spaltet, zeichnete sich bereits im Juli ab: Wer groß genug einkauft, kommt durch, wer klein ist, gerät unter Druck.
Ein neuer Quartalsbericht liefert dafür jetzt Zahlen aus dem US-Markt – und einen Ausblick auf das Herbstgeschäft, der Apple unmittelbar betrifft.
Das Wichtigste in Kürze
- Der US-Smartphone-Absatz sank im zweiten Quartal 2026 um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal
- Apple, Samsung, Motorola und Google verloren zusammen vier Prozent, der übrige Markt brach um 45 Prozent ein
- Geräte unter 100 Dollar verloren 64 Prozent Absatz, weil Hersteller sie verteuerten oder ganz aus dem Programm nahmen
- Für das dritte Quartal wird eine Preiserhöhung bei der iPhone-18-Reihe erwartet – bestätigt ist sie nicht
- Bisherige Berichte zur iPhone-18-Reihe gingen mehrheitlich von stabilen Preisen aus
Wo der Markt im zweiten Quartal nachgab
Nach dem Bericht von Counterpoint Research fiel der Gesamtabsatz in den USA um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Als Ursachen nennt das Unternehmen zwei parallele Entwicklungen: gestiegene Preise für Kraftstoff und andere Güter infolge der Konflikte im Nahen Osten sowie die Speicherkosten, die durch die Nachfrage großer Rechenzentrumsbetreiber nach oben gezogen werden.
Die Verteilung dieses Rückgangs ist der eigentliche Befund. Die vier großen Anbieter verloren zusammen vier Prozent, alle übrigen Hersteller zusammen 45 Prozent.
| Segment | Veränderung zum Vorjahresquartal |
|---|---|
| Gesamtmarkt USA | −5 Prozent |
| Apple, Samsung, Motorola, Google zusammen | −4 Prozent |
| Übrige Hersteller | −45 Prozent |
| Geräte unter 100 Dollar | −64 Prozent |
| Preisklasse 200 bis 300 Dollar | rund verdreifacht |
| Prepaid-Segment insgesamt | −11 Prozent |
Das Wachstum in der Klasse zwischen 200 und 300 Dollar entsteht dabei nicht durch neue Nachfrage. Es entsteht, weil Modelle aus tieferen Preisklassen nach oben gerutscht sind – Motorola hat mehrere G-Series-Geräte verteuert, Samsung den Preis des Galaxy A17 im Juli um 50 Dollar angehoben.
Warum kleine Anbieter härter getroffen werden
Große Hersteller können ihre Einkaufsmacht nutzen und sich Speicherkontingente sichern, die kleineren Marken zu vertretbaren Kosten gar nicht erst angeboten werden. Genau dieser Mechanismus hat sich zuletzt auch bei Apple selbst als begrenzt erwiesen, wirkt im Vergleich zu Kleinanbietern aber weiterhin.
Für das untere Marktsegment bedeutet das eine Verdrängung. Weiße-Label-Geräte der Mobilfunkanbieter verlieren ihren Preisvorsprung, weil sich der Abstand zu den Einstiegsmodellen der großen Marken verringert hat. Mehrere kleinere Anbieter hatten den US-Markt bereits 2025 verlassen oder ihr Geschäft verkleinert.
Dass Apple in diesem Umfeld stabil bleibt, passt zum Bild der vergangenen Monate: Der Konzern hält im Premiumsegment einen Anteil von 65 Prozent und spielt in den Preisklassen, die den Einbruch verursachen, ohnehin nicht mit.
Was für die iPhone-18-Reihe erwartet wird
Für das dritte Quartal rechnet Counterpoint mit weiter steigenden Durchschnittspreisen, und zwar ausdrücklich wegen Apple. Das Unternehmen erwartet höhere Preise für die iPhone-18-Modelle und verweist darauf, dass Apple im dritten Quartal historisch über die Hälfte des US-Smartphone-Absatzes stellt.
Wie stark sich das auf die Verkäufe auswirkt, hängt nach dieser Darstellung an den Mobilfunkanbietern. Solange die Netzbetreiber die Geräte weiterhin kostenlos oder nahezu kostenlos in Verträge packen, soll der Absatz stabil bleiben – erwartet wird ohnehin ein kräftiger Wechselzyklus von Nutzern der iPhone-15-Reihe.
Bei den bisherigen Produkten hat Apple die iPhone-Preise in den USA unangetastet gelassen, während andere Geräte wie Macs, iPads und die Vision Pro teurer wurden.
Ein halbes Jahr lang klang es anders
Die Erwartung steht quer zu dem, was zur iPhone-18-Reihe seit Jahresbeginn berichtet wurde. Im März hieß es, Apple plane keine Preiserhöhung, im Frühjahr war von einer bewusst aggressiven Preisstrategie trotz der Speicherkosten die Rede.
Erst seit Ende Juni gibt es die Gegenposition, wonach die Preise für iPhone 18 Pro und das faltbare Modell steigen sollen. Beide Lesarten stehen weiter nebeneinander, und keine davon stammt von Apple.
Auflösen lässt sich der Widerspruch derzeit nicht. Die Berichte aus dem Frühjahr beruhten auf Zulieferer- und Planungsständen, die neuere Erwartung leitet sich aus der Kostenentwicklung ab – beides kann zutreffen, wenn Apple im Verlauf des Jahres umdisponiert hat.
Warum die Rechnung hierzulande anders aussieht
Der Bericht beschreibt ausschließlich den US-Markt, und sein zentraler Puffer existiert im deutschsprachigen Raum in dieser Form nicht. Dass ein aktuelles iPhone über den Mobilfunkanbieter faktisch kostenlos ins Haus kommt, ist ein amerikanisches Vertriebsmodell; hier verteilt sich der Gerätepreis auf Raten oder auf einen Tarifaufschlag, bleibt aber sichtbar.
Eine Preiserhöhung schlägt damit direkter durch. Wo US-Kunden eine Erhöhung unter Umständen gar nicht bemerken, weil der Netzbetreiber sie auffängt, steht sie hierzulande im Warenkorb.
Hinzu kommt, dass Apple in Europa bereits im Juni an der Preisschraube gedreht hat – allerdings bei Macs, iPads und der Vision Pro, nicht beim iPhone.
Was im September auf dem Spiel steht
Wir erwarten einen Aufschlag über die gesamte Reihe, bei den Basismodellen allerdings in kleinerem Umfang als bei den Pro-Varianten. Das iPhone 17 startete in Deutschland bei 949 Euro, die Pro-Modelle bei 1.299 Euro – nach oben ist der Spielraum größer, und der Einstiegspreis bleibt die Zahl, die in jeder Keynote-Folie und jedem Vergleich auftaucht.
Dass inzwischen selbst bei den laufenden iPhone-17-Modellen über eine Anpassung spekuliert wird, spricht dagegen, dass die unteren Preisstufen unberührt bleiben. Die Speicherkosten liegen auf der gesamten Reihe, nicht nur auf den teuren Modellen.
Für dich heißt das vor allem, dass sich Warten kaum auszahlt. Fällt der Aufschlag geringer aus als befürchtet, hast du nichts gewonnen; fällt er deutlich aus, wird auch das Vorgängermodell im Handel nicht billiger – dieselben Bauteilkosten gelten dort ebenso.
Belastbar wird die Frage ohnehin erst mit der Keynote. Bis dahin bleibt die Preisentwicklung eine Ableitung aus Bauteilkosten – gut begründet, aber eben keine Ansage aus Cupertino. (Bild: Apple)
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