Zwei von drei teuren Smartphones weltweit sind iPhones. Und der teure Teil des Marktes ist so groß wie nie: Fast jedes dritte verkaufte Gerät fällt inzwischen in das Segment, das Marktforscher als Premium führen. Für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz steckt hinter dieser Zahl allerdings eine andere Rechnung als hinter der Schlagzeile.
Die Auswertung von Counterpoint Research zum ersten Halbjahr 2026 bestätigt die Richtung der vergangenen Monate: Während der Gesamtmarkt schrumpft, wächst ausgerechnet der obere Teil davon. Die Speicherkrise spaltet den Smartphone-Markt seit Monaten in zwei Hälften – günstige Geräte werden unverhältnismäßig teurer, teure Geräte verkaufen sich weiter. Die neuen Zahlen zeigen, wie stark Apple davon profitiert, und zugleich, dass die 65 Prozent für das Unternehmen historisch keineswegs ein Bestwert sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Premium-Segment ab 600 US-Dollar machte im ersten Halbjahr 2026 laut Counterpoint 29 Prozent aller weltweit verkauften Smartphones aus – vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste je gemessene Wert.
- Apple hält 65 Prozent dieses Segments, nach 63 Prozent im ersten Halbjahr 2025. 2022 waren es noch 74 Prozent.
- Samsung bleibt bei 19 Prozent. Gemeinsam kommen beide auf 84 Prozent, nach 82 Prozent im Vorjahr.
- Treiber bei Apple ist die iPhone-17-Reihe, laut Counterpoint besonders das Basismodell.
- Die 600-Dollar-Schwelle ist eine Segmentgrenze der Marktforscher, kein Ladenpreis: In Deutschland startet das günstigste aktuelle iPhone bei 699 Euro.
Ein Segment auf Rekordniveau, eine Marke im Rückweg nach oben
Counterpoint zieht die Grenze zum Premium-Segment bei 600 US-Dollar. Ob damit der Endkunden- oder der Großhandelspreis gemeint ist, geht aus den veröffentlichten Zahlen nicht eindeutig hervor. Für die Marktbetrachtung spielt das keine Rolle, für die Übertragung auf deutsche Preisschilder sehr wohl – dazu weiter unten mehr.
Innerhalb dieses Segments verschieben sich die Anteile langsamer, als es die Aufmerksamkeit für einzelne Quartale vermuten lässt. Apples 65 Prozent sind eine Erholung gegenüber dem Vorjahr, aber kein Höchststand: 2022 lag der Anteil neun Prozentpunkte höher. Samsung hat sich in derselben Zeit von 17 auf 19 Prozent verbessert.
| Anteil am Premium-Segment | H1 2022 | H1 2025 | H1 2026 |
|---|---|---|---|
| Apple | 74 % | 63 % | 65 % |
| Samsung | 17 % | 19 % | 19 % |
| Apple und Samsung zusammen | 91 % | 82 % | 84 % |
| Übrige Hersteller | 9 % | 18 % | 16 % |
Den Zuwachs von neun Prozent bei den Stückzahlen führt Counterpoint auf die iPhone-17-Reihe zurück, ausdrücklich auf das Basismodell. Damit dreht Apple den Rückgang des Vorjahres, den die Analysten mit dem verschärften Wettbewerb in China begründet hatten. Samsung legte um drei Prozent zu, obwohl die Galaxy-S26-Reihe später als üblich startete; das Ultra-Modell stellte laut Counterpoint mehr als die Hälfte aller S26-Verkäufe. Die stärksten prozentualen Sprünge verbuchten allerdings Oppo mit 69 und Vivo mit 20 Prozent – von deutlich kleinerer Basis aus.
Warum teure Geräte im teuren Markt gewinnen
Die Begründung des zuständigen Analysten Harshit Rastogi läuft über die Kosten: Steigende Speicher- und Bauteilpreise verschieben die gesamte Preisarchitektur nach oben. Weil Mittelklasse-Androiden deutlich teurer werden, schrumpft ihr Abstand zu älteren oder rabattierten Oberklasse-Modellen. Wer ohnehin 500 Euro ausgeben wollte, landet dann eher bei einem reduzierten Flaggschiff als bei einem Neugerät der Mittelklasse.
Dieselbe Mechanik läuft eine Ebene tiefer weiter. Apples Versuch, über einen chinesischen Zulieferer Druck auf die Speicherpreise auszuüben, ist verpufft, weil dem Hersteller die nötige Fertigungstechnik fehlt. Für Apple bedeutet der Halbjahresbericht damit vor allem eines: Die Kostenlage, die dem Konzern in der Beschaffung Probleme macht, verschafft ihm im Verkauf einen Vorteil gegenüber Herstellern, die vom Einstiegssegment leben.
Als zweiten Hebel nennt Counterpoint ausdrücklich Finanzierung, Inzahlungnahme und Rückkaufprogramme, mit denen Hersteller den Einstieg in die hohen Preisklassen abfedern. Samsung hat sein Galaxy-Forever-Programm dafür auf weitere Märkte ausgedehnt.
600 Dollar sind in Deutschland eine niedrige Hürde
Für DACH-Käufer ist die Segmentgrenze wenig aussagekräftig, weil sie hier praktisch immer überschritten wird. Das iPhone 17e kostet im deutschen Apple Store 699 Euro mit 256 GB, das iPhone 17 startet bei 949 Euro, das iPhone 17 Pro bei 1.299 Euro und das Pro Max bei 1.449 Euro. Kein einziges aktuelles iPhone liegt unterhalb der Schwelle – unabhängig davon, ob man sie als Endkunden- oder als Großhandelspreis liest.
Praktisch heißt das: Was Counterpoint als weltweiten Trend zur Premiumisierung beschreibt, ist im deutschsprachigen Raum längst der Normalzustand. Die Entscheidung fällt hier nicht zwischen Mittelklasse und Oberklasse, sondern innerhalb der iPhone-Reihe – eine Abwägung, die der Vergleich zwischen iPhone 17, Air und 17e mit den konkreten Ausstattungsunterschieden aufschlüsselt.
Ratenkauf ja, Leasing nein
Beim zweiten von Counterpoint genannten Hebel klafft eine Lücke. Ratenzahlung bietet Apple in Deutschland über Openbank Pay an, mit Laufzeiten zwischen 3 und 36 Monaten und null Prozent effektivem Jahreszins, dazu die Inzahlungnahme des alten Geräts. Das Mietmodell, bei dem das Gerät nach der Laufzeit zurückgeht, fehlt dagegen: Apple Upgrade ist Ende Juli ausschließlich in den USA gestartet.
Genau dieses Modell nennt Counterpoint als einen der Gründe, warum sich teure Geräte trotz gestiegener Preise weiter verkaufen. In den USA arbeitet Apple also bereits mit dem Instrument, das die Analysten als Treiber der Premiumisierung beschreiben, in Europa noch nicht.
Warum 65 Prozent für Apple kein Bestwert sind
Die Rekordmeldung gehört dem Segment, nicht dem Unternehmen. Apples Anteil ist gegenüber 2022 um neun Prozentpunkte gefallen und hat davon im vergangenen Jahr zwei zurückgeholt. Die Zahl beschreibt eine Erholung, keinen Durchmarsch – und sie beschreibt einen Anteil an einem Kuchen, der selbst wächst, während der Gesamtmarkt schrumpft. Ein steigender Prozentwert in einem größer werdenden Segment ist die günstigste aller Ausgangslagen, aber er sagt nichts darüber, wie viele Geräte am Ende in den Regalen liegen.
Wer im Herbst ein neues iPhone kaufen will, sollte deshalb weniger auf Marktanteile achten als auf die Verfügbarkeit. Bei TSMC stapeln sich bereits Prozessoren, weil der passende Speicher fehlt – ein Engpass, der die Nachfrage aus dem Premium-Segment im Zweifel nicht bedienen kann.
Was im Herbstquartal auf die Zahl drückt
Der belegte Ausgangspunkt: 65 Prozent Segmentanteil bei neun Prozent Wachstum, getragen vom Basismodell einer Reihe, die seit September 2025 im Handel ist. Was ab September dazukommt, hängt an einer Generation, deren Zusammensetzung und Preisgestaltung noch nicht feststehen – der Stand dazu liegt in der Übersicht zum iPhone 18 Pro.
Ab hier verlassen wir die Quellenlage: Wir rechnen damit, dass Apple den Segmentanteil im zweiten Halbjahr hält, ihn aber nicht deutlich ausbaut. Dafür spricht, dass die Konkurrenz im Einstiegsbereich weiter unter Kostendruck steht und Käufer nach oben ausweichen. Dagegen spricht, dass ein Lieferengpass beim eigenen Neugerät genau die Stückzahlen kostet, die den Anteil tragen müssten, und dass Oppo und Vivo im Premium-Segment gerade zweistellig zulegen. Eine Einschätzung, keine Berichterstattung – die nächsten belastbaren Zahlen kommen erst mit der Auswertung des Gesamtjahres.
Ein Blick zurück hilft bei der Erwartungshaltung: Schon im vergangenen September stand Apple an der Spitze des Premium-Segments und trotzdem unter Druck. Die Führungsposition ist stabil, die Höhe des Vorsprungs ist es nicht. (Bild: Apple)
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