Sechs Wochen vor dem erwarteten Start stapeln sich bei Apples Auftragsfertiger fertige Prozessoren, die niemand weiterverarbeiten kann – es fehlt der Arbeitsspeicher, der zwingend dazugehört. Die Startnachfrage gilt als bedienbar, doch schon kurz danach könnten die Wartezeiten deutlich steigen. Ausgerechnet in einem Herbst, in dem es kaum eine Alternative zum Pro gibt.
Die Speicherknappheit hat den Zeitplan für das wichtigste Produkt des Jahres erreicht. Nach einem Bericht des Halbleiter-Analysten Tim Culpan bei Culpium arbeiten Apple und seine Fertigungspartner daran, kurzfristig genug mobilen DRAM für iPhone 18 Pro und das erste faltbare Modell zu beschaffen. Der Engpass sitzt an einer Stelle, an der ihn kaum jemand erwartet hätte: nicht bei der Chipfertigung, sondern beim Zusammenbau der Chips.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei TSMC liegen laut dem Bericht Apple-Prozessoren im Wert von rund einer Milliarde Dollar, die ohne DRAM nicht fertig verpackt werden können.
- Die Fertigung des A20 Pro selbst läuft nach diesen Angaben mit guten Stückzahlen und guter Ausbeute.
- Apple und die Auftragsfertiger halten die Startnachfrage weiter für bedienbar, rechnen aber mit schnell wachsenden Lieferzeiten im Online-Store.
- Über die Laufzeit sollen rund 200 Millionen Geräte aus iPhone 18, 18 Pro und Ultra entstehen, davon weniger als zehn Prozent Ultra.
- Weil das Standardmodell dieses Jahr entfällt, trifft die Nachfrage konzentriert auf das Pro.
Warum fertige Prozessoren nicht ausgeliefert werden können
Der A20 Pro ist Apples erster Chip aus TSMCs N2-Fertigung, die Anfang des Jahres in Serie gegangen ist. Produziert wird er offenbar planmäßig – das Problem beginnt einen Schritt später.
Der Prozessor wird nicht allein verbaut, sondern gemeinsam mit dem Arbeitsspeicher in einem gemeinsamen Gehäuse zusammengefasst. TSMC nutzt dafür ein neues Verfahren, bei dem beide Bauteile auf Wafer-Ebene zu einem Modul verbunden werden. Ohne den passenden DRAM lässt sich dieser Schritt nicht ausführen.
Die Folge sind fertige Wafer, die sich stapeln, statt weiterzulaufen. Culpan schätzt den Wert der so blockierten Apple-Prozessoren auf rund eine Milliarde Dollar. Apple bezieht den Speicher überwiegend von Micron, kauft daneben aber auch bei SK Hynix und Samsung ein.
Der Engpass ist gewandert, nicht verschwunden
Bemerkenswert ist, an welcher Stelle die Produktion diesmal hakt. Beim faltbaren Modell galten monatelang Scharnier und Display als kritische Punkte, und Anfang August hieß es, die Produktionslinie stehe und ein Verzug sei vom Tisch. Beides bleibt richtig – nur nützt eine fertige Linie wenig, wenn das Bauteil fehlt, das die Prozessoren komplettiert.
Verzögerungen bei den verpackten Prozessoren würden sich nach dem Bericht bis in die Endmontage fortsetzen. Hauptplatinen und Endmontage liegen überwiegend bei Foxconn und BYD in China, deren Zeitfenster sich dadurch verdichten könnte.
Der Speicher ist damit innerhalb weniger Monate vom Kostenfaktor zum Terminfaktor geworden. Tim Cook hatte Ende Juli vor deutlich größeren Lieferengpässen gewarnt und von erheblichen Beschränkungen bei begrenzter Flexibilität in der Lieferkette gesprochen. Sichtbar wurde das zuerst beim Mac, wo das MacBook Air knapp wurde und die Lieferzeiten bis zum Monatsende reichten.
Ein Herbst mit nur zwei neuen iPhones
Die Knappheit trifft auf eine ungewöhnliche Modellsituation. Das Standardmodell iPhone 18 soll erst Anfang 2027 folgen, ein iPhone Air 2 wird für diesen Herbst ebenfalls nicht erwartet – die Auswahl beschränkt sich damit auf Pro-Modelle und das faltbare iPhone Ultra, das mit einem Preis jenseits von 2.000 Dollar das teuerste iPhone aller Zeiten werden dürfte.
Wer im September ein neues iPhone will und nicht ins Ultra investieren möchte, landet also fast zwangsläufig beim Pro. Aus den Stückzahlen, die den Auftragsfertigern genannt wurden, lässt sich die erwartete Verteilung ablesen.
| Modell | Anteil an rund 200 Millionen Geräten |
|---|---|
| iPhone 18 (Start Anfang 2027) | knapp die Hälfte |
| iPhone 18 Pro und Pro Max | knapp die Hälfte |
| iPhone Ultra | weniger als 10 Prozent |
Die Zahlen beziehen sich auf die gesamte Laufzeit der Modelle, nicht auf das erste Verkaufsjahr.
Was Vorbesteller im deutschsprachigen Raum daraus mitnehmen
Zur Belastbarkeit: Culpan berichtet regelmäßig aus der taiwanischen Lieferkette und hat in diesem Jahr mehrfach Details zur Chipfertigung vorab richtig beschrieben. Seine Angaben stammen aus dem Umfeld der Zulieferer, nicht von Apple – der Wert von einer Milliarde Dollar ist ausdrücklich seine Schätzung.
Praktisch heißt das: Wenn dir eine bestimmte Farb- und Speicherkombination wichtig ist, entscheidet die erste Stunde nach dem Start der Vorbestellungen mehr als sonst. Rutscht ein Modell erst einmal auf mehrere Wochen Lieferzeit, bleibt es dort erfahrungsgemäß bis weit in den Oktober. Der Gang in den Apple Store vor Ort ist diesmal die schlechtere Option, weil das Filialinventar nach der Beschreibung als Erstes leerläuft.
Hinzu kommt der finanzielle Aspekt: Beim Preis stehen zwei Schätzungen nebeneinander, die sich deutlich unterscheiden – Berichte nennen 100 bis 200 Dollar Aufschlag, während eine Kostenanalyse von Ende Juli auf bis zu 300 Dollar kommt. Welche Zahl näher an der Realität liegt, ist offen; belastbar sind bislang nur die aktuellen deutschen Preise des Vorgängers, die bei 1.299 Euro für das Pro und 1.449 Euro für das Pro Max liegen.
Sechs Wochen bis zur Bewährungsprobe
Der Termin selbst steht noch nicht fest. Nach dem bisherigen Muster verschickt Apple die Einladungen in der letzten Augustwoche, die Keynote folgt rund zwei Wochen später – alle erwarteten Ankündigungen stehen in unserer Übersicht zum September-Event.
Ob der Engpass bis dahin aufgelöst ist, entscheidet sich in den kommenden Wochen an einer Stelle, die Apple nicht kontrolliert. Der Konzern hat seinen Verhandlungsspielraum bei den Speicherherstellern gerade erst verloren, und die drei verbliebenen Anbieter verlagern ihre Kapazitäten in Richtung KI-Rechenzentren. Ein Zulieferer, der seine Ware anderswo teurer los wird, hat wenig Anlass, Apples Zeitplan zu retten. (Bild: Apple)
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