Apples meistverkauftes Notebook ist im eigenen Store kaum noch kurzfristig zu bekommen. Der Grund liegt nicht in der Nachfrage, sondern in einem Bauteil, das Rechenzentren derzeit in gewaltigen Mengen aufkaufen. Gleichzeitig lenkt Apple seine Kapazitäten auf ein anderes Modell um.
Das MacBook Air ist seit Jahren das Gerät, mit dem die meisten Menschen in Apples Notebook-Sortiment einsteigen. Ausgerechnet dieses Modell lässt sich derzeit nur mit erheblichem Vorlauf bestellen, obwohl die M5-Generation erst im März vorgestellt wurde. Damit bekommt die Preisrunde vom 25. Juni eine unangenehme Fortsetzung: Höhere Preise haben die Nachfrage offenbar nicht so weit gedämpft, dass die verfügbaren Stückzahlen reichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bestellungen im Apple Store werden laut Bericht erst zum Monatsende ausgeliefert
- Der Handel beschreibt die Verfügbarkeit als so angespannt wie noch nie bei diesem Modell
- Ursache ist die Speicherknappheit, ausgelöst durch den Ausbau von KI-Rechenzentren
- Apple bevorzugt derzeit das Einsteiger-MacBook-Pro und räumt damit einer Modellpflege im Herbst den Weg
- Der Nachfolger mit M6-Chip ist erst für Anfang 2027 eingeplant
Wochenlange Wartezeit im Apple Store
Eine Prüfung im deutschen Apple Store am 2. August bestätigt das Bild: Für die Basiskonfiguration des MacBook Air weist der Store ein Lieferdatum zwischen dem 25. August und dem 1. September aus – rund dreieinhalb bis vier Wochen Wartezeit.
Die Angaben zu den US-Lieferzeiten und zu Apples internen Prioritäten stammen aus dem Bloomberg-Newsletter Power On. Die Verknappung reicht damit nachweislich bis in den deutschen Markt. Aus dem Handel heißt es, die Verfügbarkeit sei bei diesem Modell so angespannt wie in keinem erinnerbaren Zeitraum zuvor.
Ein zweites Signal steckt in Apples eigener Werbung: In den Unterlagen zur Rabattaktion zum Schuljahresbeginn führt der Konzern das MacBook Air ausdrücklich mit einem Verfügbarkeitsvorbehalt. Bei einem Gerät mitten im Produktzyklus ist ein solcher Zusatz unüblich.
Was hinter der Knappheit steckt
Der Auslöser liegt außerhalb von Apples Sortiment. Der Aufbau von KI-Rechenzentren bindet gewaltige Mengen an hochwertigem Speicher und hat die Lieferketten für gewöhnliche Verbraucherbauteile verschoben. Die DRAM-Preise stiegen allein im ersten Quartal 2026 um rund 98 Prozent.
Apple hat die Mehrkosten monatelang selbst getragen und gab sie erst im Juni weiter. Dass zusätzliche Anbieter das Problem nicht automatisch lösen, hat sich in der Branche längst gezeigt: Mehr Speicherhersteller bedeuten nicht niedrigere Preise, solange die Rechenzentren die Nachfrageseite bestimmen.
Auf der Bilanzkonferenz Ende Juli hatte Apple bereits vor spürbaren Lieferengpässen im laufenden Quartal gewarnt. Die aktuelle Lage beim MacBook Air ist die erste sichtbare Ausprägung davon.
Das MacBook Pro bekommt Vorrang
Zur Knappheit kommt eine Entscheidung aus Cupertino. Apple räumt dem Einsteigermodell des 14-Zoll-MacBook-Pro derzeit Vorrang ein, um die Regale vor einer für den Herbst erwarteten Modellpflege zu leeren.
Für Käufer bedeutet das eine doppelte Verknappung: Das ohnehin schwer zu beschaffende Bauteil fließt bevorzugt in ein anderes Produkt. Wo die Unterschiede zwischen beiden Baureihen tatsächlich liegen, zeigt der direkte Vergleich von MacBook Air und MacBook Pro.
Was das MacBook Air in Deutschland kostet
Die Preisrunde vom 25. Juni traf das Air deutlich. Sie kam nur knapp vier Monate nach dem Marktstart der M5-Generation, die den Einstiegspreis bereits angehoben hatte – im Gegenzug allerdings mit 512 statt 256 GB Grundspeicher.
| Modell | Preis bis 24. Juni | Preis seit 25. Juni |
|---|---|---|
| MacBook Air M5, 13 Zoll, 8-Core-GPU | 1.199 € | 1.399 € |
| MacBook Air M5, 13 Zoll, 10-Core-GPU | 1.324 € | 1.509 € |
| MacBook Neo, 256 GB | 699 € | 799 € |
| MacBook Neo, 512 GB mit Touch ID | 799 € | 899 € |
Wie Apple solche Schritte intern abwägt, hat der Konzern zuletzt selbst beschrieben – die Entscheidungslogik hinter den Preiserhöhungen folgt der Kostenentwicklung in der Lieferkette, nicht der Nachfrage. Der Aufschlag traf zudem einen ohnehin schrumpfenden Laptop-Markt.
Warum der chinesische Speicher hier nicht hilft
Apple arbeitet seit Wochen daran, Speicher aus China zu beziehen, und testet dafür Bauteile eines umstrittenen Herstellers. Entscheidend ist die Einschränkung im aktuellen Bericht: Diese Bezugsquelle ist zunächst für Geräte vorgesehen, die in China verkauft werden.
Hinzu kommt ein Befund von Anfang August: Der chinesische Hersteller kann die koreanischen Anbieter gar nicht unterbieten, weil ihm der Zugang zu moderner Belichtungstechnik fehlt und er entsprechend teurer produziert – Apples Verhandlungshebel ist damit verpufft.
Für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert eine Freigabe kurzfristig also nichts an der Verfügbarkeit. Wer hier ein MacBook Air braucht, hat drei Möglichkeiten: warten, im Handel nach Restbeständen suchen – das MacBook Air ist bei Amazon derzeit lieferbar – oder auf ein anderes Modell ausweichen.
Genau an dieser Stelle wird das MacBook Neo interessant, das mit 799 Euro rund 600 Euro unter dem Air liegt. Ob dir der Aufpreis den Unterschied wert ist, hängt vor allem an Display und Leistungsreserven, wie der direkte Vergleich beider Modelle zeigt.
Eine Warnung sollte man dabei mitnehmen: Apple hat weitere Preisanpassungen nicht ausgeschlossen. Abwarten kann bei diesem Gerät also teurer werden, statt sich zu lohnen.
Warum sich daran bis 2027 wenig ändert
Wann der Nachfolger kommt, ist inzwischen genauer bekannt: Die MacBook-Air-Modelle mit M6-Chip sind für Anfang 2027 eingeplant, wieder in 13 und 15 Zoll und ohne sichtbare Designänderung. Bis dahin muss die aktuelle Generation durch die Knappheit getragen werden – rund sieben Monate, in denen Apple weder über einen Modellwechsel noch über eine veränderte Speicherbestückung gegensteuern kann.
Auf der Angebotsseite sieht es ähnlich aus. SK Hynix hat Anfang August rund 38 Milliarden Dollar für zwei neue Werke zugesagt, der erste Reinraum des DRAM-Werks in Yongin soll allerdings erst im Juni 2029 produzieren. Kapazität, die bereits 2027 anläuft, liefert nach Branchenprognosen frühestens 2028 nennenswerte Mengen – und ein wachsender Teil davon geht in Speicher für Rechenzentren statt in Notebooks.
Für den deutschsprachigen Markt fällt das in eine ungünstige Phase. Während in den USA das Schuljahr bereits begonnen hat, laufen die Sommerferien hier je nach Bundesland bis Mitte September, und in Österreich und der Schweiz startet der Unterricht ebenfalls erst Ende August oder Anfang September. Der Zeitraum, in dem hierzulande Notebooks für Schule und Studium gekauft werden, fällt damit genau in die Wochen mit den längsten Lieferzeiten.
Apples Speicherproblem erreicht die Ladentheke
Bislang war die Speicherkrise für Kunden vor allem eine Frage des Preisschilds. Mit den Lieferzeiten beim meistverkauften Notebook wird sie zum ersten Mal auch zu einer Frage der Verfügbarkeit.
Wer jetzt kauft, entscheidet damit nicht mehr nur zwischen Modellen, sondern zwischen Warten und Ausweichen. Wie viel Arbeitsspeicher für den eigenen Einsatz überhaupt nötig ist, klärt vorher der Blick darauf, wie viel RAM ein Mac wirklich braucht – denn genau die höheren Speicherstufen sind derzeit am schlechtesten lieferbar. (Bild: Apfelpatient)
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