Apples meistverkauftes Notebook ist im eigenen Store kaum noch kurzfristig zu bekommen. Der Grund liegt nicht in der Nachfrage, sondern in einem Bauteil, das Rechenzentren derzeit in gewaltigen Mengen aufkaufen – und Apple lenkt seine Kapazitäten gleichzeitig auf ein anderes Modell um.
Das MacBook Air ist seit Jahren das Gerät, mit dem die meisten Menschen in Apples Notebook-Sortiment einsteigen. Ausgerechnet dieses Modell lässt sich derzeit nur mit erheblichem Vorlauf bestellen, obwohl die M5-Generation erst im März vorgestellt wurde. Damit bekommt die Preisrunde vom 25. Juni eine unangenehme Fortsetzung: Höhere Preise haben die Nachfrage offenbar nicht so weit gedämpft, dass die verfügbaren Stückzahlen reichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bestellungen im Apple Store werden laut Bericht erst zum Monatsende ausgeliefert
- Der Handel beschreibt die Verfügbarkeit als so angespannt wie noch nie bei diesem Modell
- Ursache ist die Speicherknappheit, ausgelöst durch den Ausbau von KI-Rechenzentren
- Apple bevorzugt derzeit das Einsteiger-MacBook-Pro und räumt damit einer Modellpflege im Herbst den Weg
- Ein neues MacBook Air soll erst danach folgen
Wochenlange Wartezeit im Apple Store
Eine Prüfung im deutschen Apple Store am 2. August bestätigt das Bild: Für die Basiskonfiguration des MacBook Air weist der Store ein Lieferdatum zwischen dem 25. August und dem 1. September aus – rund dreieinhalb bis vier Wochen Wartezeit. Der Bericht bezieht sich auf den US-Store, die Verknappung reicht damit nachweislich bis in den deutschen Markt. Aus dem Handel heißt es, die Verfügbarkeit sei bei diesem Modell so angespannt wie in keinem erinnerbaren Zeitraum zuvor.
Ein zweites Signal steckt in Apples eigener Werbung: In den Unterlagen zur Rabattaktion zum Schuljahresbeginn führt der Konzern das MacBook Air ausdrücklich mit einem Verfügbarkeitsvorbehalt. Bei einem Gerät mitten im Produktzyklus ist ein solcher Zusatz unüblich.
Was hinter der Knappheit steckt
Der Auslöser liegt außerhalb von Apples Sortiment. Der Aufbau von KI-Rechenzentren bindet gewaltige Mengen an hochwertigem Speicher und hat die Lieferketten für gewöhnliche Verbraucherbauteile verschoben. Die DRAM-Preise stiegen allein im ersten Quartal 2026 um rund 98 Prozent.
Apple hat die Mehrkosten monatelang selbst getragen und gab sie erst im Juni weiter. Dass zusätzliche Anbieter das Problem nicht automatisch lösen, hat sich in der Branche längst gezeigt: Mehr Speicherhersteller bedeuten nicht niedrigere Preise, solange die Rechenzentren die Nachfrageseite bestimmen.
Auf der Bilanzkonferenz Ende Juli hatte Apple bereits vor spürbaren Lieferengpässen im laufenden Quartal gewarnt. Die aktuelle Lage beim MacBook Air ist die erste sichtbare Ausprägung davon.
Das MacBook Pro bekommt Vorrang
Zur Knappheit kommt eine Entscheidung aus Cupertino. Apple räumt dem Einsteigermodell des 14-Zoll-MacBook-Pro derzeit Vorrang ein, um die Regale vor einer für den Herbst erwarteten Modellpflege zu leeren. Ein neues MacBook Air soll dem Bericht zufolge erst danach an die Reihe kommen.
Für Käufer bedeutet das eine doppelte Verknappung: Das ohnehin schwer zu beschaffende Bauteil fließt bevorzugt in ein anderes Produkt.
Was das MacBook Air in Deutschland kostet
Die Preisrunde vom 25. Juni traf das Air deutlich. Sie kam nur knapp vier Monate nach dem Marktstart der M5-Generation, die den Einstiegspreis bereits angehoben hatte – im Gegenzug allerdings mit 512 statt 256 GB Grundspeicher.
| Modell | Preis bis 24. Juni | Preis seit 25. Juni |
|---|---|---|
| MacBook Air M5, 13 Zoll, 8-Core-GPU | 1.199 € | 1.399 € |
| MacBook Air M5, 13 Zoll, 10-Core-GPU | 1.324 € | 1.509 € |
| MacBook Neo, 256 GB | 699 € | 799 € |
| MacBook Neo, 512 GB mit Touch ID | 799 € | 899 € |
Wie Apple solche Schritte intern abwägt, hat der Konzern zuletzt selbst beschrieben – die Entscheidungslogik hinter den Preiserhöhungen folgt der Kostenentwicklung in der Lieferkette, nicht der Nachfrage. Der Aufschlag traf zudem einen ohnehin schrumpfenden Laptop-Markt.
Warum der chinesische Speicher hier nicht hilft
Apple arbeitet seit Wochen daran, Speicher aus China zu beziehen, und testet dafür Bauteile eines umstrittenen Herstellers. Entscheidend ist die Einschränkung im aktuellen Bericht: Diese Bezugsquelle ist zunächst für Geräte vorgesehen, die in China verkauft werden.
Für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert eine Freigabe damit kurzfristig nichts an der Verfügbarkeit. Wer hier ein MacBook Air braucht, hat drei Möglichkeiten: warten, im Handel nach Restbeständen suchen – das MacBook Air ist bei Amazon derzeit lieferbar – oder auf ein anderes Modell ausweichen. Genau an dieser Stelle wird das MacBook Neo interessant, das mit 799 Euro rund 600 Euro unter dem Air liegt – ob dir der Aufpreis den Unterschied wert ist, hängt vor allem an Display und Leistungsreserven, wie der direkte Vergleich beider Modelle zeigt.
Eine Warnung sollte man dabei mitnehmen: Apple hat weitere Preisanpassungen nicht ausgeschlossen. Abwarten kann bei diesem Gerät also teurer werden, statt sich zu lohnen.
Apples Speicherproblem erreicht die Ladentheke
Bislang war die Speicherkrise für Kunden vor allem eine Frage des Preisschilds. Mit den Lieferzeiten beim meistverkauften Notebook wird sie zum ersten Mal auch zu einer Frage der Verfügbarkeit.
Die Angaben zu Lieferzeiten und internen Prioritäten stammen aus dem Bloomberg-Newsletter Power On. Die Preisentwicklung und Apples Warnung vor Engpässen sind dagegen belegt – aus der Preisliste des Apple Store und der eigenen Quartalsprognose. (Bild: Apfelpatient)
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