Die Nachfrage nach Apple-Produkten ist nicht das Problem. Was die Rechnung der Bank ins Rutschen bringt, sind ein Dienstleistungsgeschäft, das sich einer symbolischen Schwelle nähert, und eine Bruttomarge, die stabiler aussieht als sie ist. An der Einstufung ändert das nichts.
Nach den Zahlen zum dritten Geschäftsquartal sortieren die Analysehäuser ihre Modelle neu. Morgan Stanley senkt sein Kursziel von 364 auf 360 Dollar und bleibt bei der Einstufung Overweight. Der Schritt ist klein, die Begründung ist es nicht: Die Bank stützt ihre Apple-Bewertung auf drei Säulen – iPhone, Services und Bruttomarge – und zwei davon stehen inzwischen unter Druck. Die Gewinnschätzung für das Geschäftsjahr 2027 fällt entsprechend von 10,39 auf 10,00 Dollar je Aktie.
Nur eine Säule trägt noch uneingeschränkt
Das iPhone bleibt der starke Teil. Der Umsatz erreichte mit 54,3 Milliarden Dollar einen Juni-Quartalsrekord, der Mac legte um 29 Prozent zu, und Apple meldete Höchststände bei der aktiven Gerätebasis und bei der Zahl der Nutzer, die auf ein neues Modell wechseln. Analyst Erik Woodring liest daraus ein Signal, das über das Quartal hinausreicht: Die Austauschzyklen könnten sich wieder verkürzen, nachdem Kunden ihre Geräte jahrelang immer länger behalten hatten.
Die Prüfungen in der Lieferkette stützen diese Lesart. Apple hat seine Produktionspläne für die zweite Hälfte des Kalenderjahres 2026 nicht zurückgenommen – ein Hinweis darauf, dass der Konzern weiter mit Wechselwilligen rechnet, selbst wenn höhere Preise die Nachfrage auf die Probe stellen.
Das Dienstegeschäft nähert sich einer Schwelle
Der zweite Pfeiler wackelt. Die Services kamen im Juni-Quartal auf 30,7 Milliarden Dollar und ein Plus von zwölf Prozent – die Bank hatte 14,6 Prozent erwartet. Für das September-Quartal rechnet sie nun mit rund 9,5 Prozent. Das wäre der erste Wert unterhalb der Zehn-Prozent-Marke seit dem Juni-Quartal 2023.
Auch die Profitabilität der Sparte gibt nach: Die Bruttomarge im Servicegeschäft fiel von 76,7 Prozent im März-Quartal auf 75,6 Prozent im Juni-Quartal. Für Morgan Stanley bestätigt das eine These, die das Haus seit Längerem vertritt – der App Store zieht den Rest der Sparte nicht mehr nach oben, sondern bremst ihn. Apple selbst nannte auf Nachfrage schwächere Aktivität bei Mobile Games, unregelmäßige Veröffentlichungstermine, laufende Verfahren und veränderte Geschäftsmodelle im App Store einzelner Länder. Warum genau die Sparte hinter den Erwartungen zurückblieb, ließ sich dabei auf keinen einzelnen Auslöser zurückführen.
Warum Europa in dieser Rechnung zweimal auftaucht
Für Leser hierzulande sind zwei der genannten Bremsfaktoren besonders aufschlussreich, weil beide direkt mit Europa zusammenhängen. Den größten Teil der Verlangsamung führt Morgan Stanley auf Wechselkurseffekte zurück. Apple bilanziert in Dollar, ein starker Euro lässt europäische Umsätze in der Konzernrechnung kleiner erscheinen, ohne dass ein einziges Abonnement weniger verkauft worden wäre. Der ausgewiesene Rückgang bildet insofern teilweise eine Währungsbewegung ab und nicht das Verhalten europäischer Kunden.
Der zweite Punkt wiegt schwerer, weil er dauerhaft ist. Wenn Apple veränderte Geschäftsmodelle im App Store einzelner Länder als Bremse nennt, sind damit die regulatorisch erzwungenen Öffnungen gemeint – allen voran jene in der EU. Provisionen, die dort nicht mehr oder nur reduziert anfallen, kehren nicht zurück, wenn sich der Wechselkurs dreht. Das Servicegeschäft in Europa wächst damit strukturell unter anderen Bedingungen als in den USA. Dazu passt, dass Siri AI auf iPhone und iPad in der EU vorerst gar nicht startet – ausgerechnet die Funktion, von der sich Apple über höhere KI-Kontingente in kostenpflichtigen iCloud+-Stufen zusätzliche Erlöse verspricht. In der Schweiz, die weder zur EU noch zum EWR gehört, startet Siri AI dagegen regulär mit. Nach Einschätzung der Bank ist bislang ohnehin weder bei der Produktnachfrage noch beim Servicegeschäft ein messbarer KI-Effekt erkennbar.
Die Bruttomarge sieht besser aus, als sie ist
Apple stellt für das September-Quartal 47 bis 48 Prozent Bruttomarge in Aussicht. Diese Spanne enthält allerdings einen Sondereffekt: Rund einen Prozentpunkt steuern Rückerstattungen aus gezahlten Zöllen bei. Rechnet man ihn heraus, bleibt ein zugrunde liegender Mittelwert von etwa 46,5 Prozent – rund 1,5 Prozentpunkte unter dem Juni-Quartal.
Das ist der eigentliche Bruch. In diesem saisonalen Übergang blieb Apples Bruttomarge historisch entweder konstant oder legte um bis zu einen halben Prozentpunkt zu. Ein Rückgang in dieser Größenordnung hat es zuletzt nicht gegeben. Das Management benannte den Grund unmissverständlich: Die gestiegenen Speicherkosten überschreiten den gesamten Rückgang, Einsparungen bei anderen Bauteilen und ein günstigerer Produktmix konnten sie nicht ausgleichen. Kurzfristig setzt die Bank auf Preiserhöhungen und das faltbare iPhone, um im Dezember-Quartal gegenzusteuern. Angekündigt hat Apple beides nicht – und die größere Frage bleibt, ob die Speicherinflation eine dauerhafte Erholung der Marge bis ins Geschäftsjahr 2027 hinauszögert.
Woran sich der Kurs wieder aufrichten müsste
Das revidierte Ziel von 360 Dollar leitet sich aus einem geschätzten Gewinn von 10,30 Dollar je Aktie für das Kalenderjahr 2027 und einem unveränderten Bewertungsmultiplikator von etwa 35 ab. Am 30. Juli, vor Veröffentlichung der Zahlen, schloss die Aktie bei 333,43 Dollar.
Vier Auslöser könnten die Richtung drehen: neue iPhones, der tatsächliche Start von Siri AI, regulatorische Entscheidungen und steigende Gewinnschätzungen. Solange keiner davon eintritt, erwartet Morgan Stanley eine Aktie unter Druck – bei einem Unternehmen, dessen wachsende Gerätebasis, Cash-Generierung und Vorstöße in Gesundheit, Bezahldienste und das vernetzte Zuhause langfristig unverändert positiv bewertet werden. Die Bank senkt hier kein Urteil über Apple, sondern über die kommenden zwei Quartale. (Bild: Shutterstock / Xeniia X)
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