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Apple warnt vor deutlich größeren Lieferengpässen

by Milan
31. Juli 2026 - 00:58
in Apple News
Apple Lieferengpässe

Bild: Shutterstock / TY Lim

Der Ausblick auf das September-Quartal fiel schwächer aus als erwartet – und kostete die Aktie im nachbörslichen Handel einen zweistelligen Milliardenbetrag an Wert. Die Ursache ist allerdings nicht schwache Nachfrage, sondern das Gegenteil. Dazu kommt ein Faktor, der mit Apples Geschäft überhaupt nichts zu tun hat.

In der Telefonkonferenz zu den Zahlen des Juni-Quartals hat Finanzchef Kevan Parekh den Ausblick auf das laufende September-Quartal gegeben. Apple erwartet ein Umsatzwachstum von 9 bis 11 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und eine Bruttomarge zwischen 47 und 48 Prozent. Analysten hatten mit rund 12 Prozent Wachstum gerechnet. Die Prognose steht unter dem Vorbehalt, dass die weltweiten Zollsätze auf dem Stand vom Tag der Konferenz bleiben und sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld nicht verschlechtert.

Der Engpass entsteht aus zu starker Nachfrage

Die Belastung durch Lieferengpässe werde gegenüber dem Juni-Quartal deutlich zunehmen, sagte Parekh. Betroffen sind iPhone, Mac und iPad.

Tim Cook stellte im Verlauf der Konferenz mehrfach klar, worin die Ursache liegt – und worin nicht. Es handele sich weder um ein Problem bei einem Partner noch bei einem Zulieferer, sondern um einen Fehler in der eigenen Nachfrageprognose: iPhone und Mac laufen deutlich besser, als Apple selbst erwartet hatte. Der Konzern habe Lieferungen so weit wie möglich vorgezogen, und irgendwann sei diese Reserve aufgebraucht.

Hinzu kommen zwei strukturelle Punkte. Die Lieferkette lässt derzeit weniger Spielraum als üblich, und bei den fortschrittlichsten Fertigungsknoten, auf denen Apples Chips entstehen, ist die Verfügbarkeit knapp.

Ein Viertel des Rückstands ist reine Währungsrechnung

Von den 9 bis 11 Prozent Wachstum entfallen 2,5 Prozentpunkte auf Wechselkurseffekte – so beziffert Apple selbst den Unterschied zum Juni-Quartal. Rechnet man diesen Posten heraus, ergibt sich ein operatives Wachstum von 11,5 bis 13,5 Prozent.

Damit läge Apple über der Erwartung von rund 12 Prozent, an der die Prognose gerade gemessen wird. Der Abschlag entsteht also zu einem erheblichen Teil dort, wo Apple nichts steuern kann. In absoluten Zahlen bedeutet die Spanne einen Quartalsumsatz von etwa 111,7 bis 113,8 Milliarden Dollar nach 102,5 Milliarden im Vorjahresquartal.

Für die einzelnen Sparten wurde Parekh konkreter. Beim iPhone rechnet Apple mit einem ausgewiesenen Wachstum im mittleren Zehnerbereich. Bei den Services soll die Jahresrate ungefähr auf dem Niveau des Juni-Quartals liegen, nachdem der Währungseffekt herausgerechnet ist – ein Punkt, der Beachtung verdient, weil der Services-Umsatz zuletzt erstmals seit 2022 gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen ist.

Die Speicherkosten steigen weiter

Beim zweiten Kostenblock fiel die Aussage noch deutlicher aus. Apple hat im Juni-Quartal mehr für Speicher gezahlt als im März-Quartal und rechnet für das September-Quartal mit einem weiteren Anstieg.

Zwei Effekte federn das vorübergehend ab: Der Konzern zehrt im laufenden Quartal von Beständen, die zu älteren Konditionen eingekauft wurden, und bei einigen Bauteilen außerhalb des Speicherbereichs sinken die Kosten. Cook stellte allerdings klar, dass der Puffer aus den Beständen nach dem September-Quartal spürbar nachlässt, während die Marktpreise für Speicher weiter steigen.

Diese Aussage deckt sich mit der Bilanz: Apples Vorräte sind seit dem Ende des Geschäftsjahres von 5,7 auf 11,1 Milliarden Dollar gestiegen und haben sich damit fast verdoppelt. Der Konzern hat also in erheblichem Umfang vorgekauft – und sagt nun selbst, dass dieser Vorrat nur bis in den Herbst reicht.

Bemerkenswert offen äußerte sich Cook zur Marktstruktur. Der Markt für Arbeitsspeicher werde von drei Anbietern beherrscht; mehr Anbieter würden auf der Angebotsseite helfen, bei den Preisen sei die Wirkung unklar. Apple prüfe alle Optionen. Diese Formulierung fügt sich in Apples Bemühungen um eine Freigabe für chinesischen Speicher, mit denen der Konzern seit dem Frühjahr genau diese Abhängigkeit zu lockern versucht.

Was das für Preise in Deutschland bedeutet

Die Bruttomarge von 47 bis 48 Prozent liegt unter den 48,1 Prozent, die im Juni-Quartal ohne die Zoll-Rückerstattungen zusammenkamen. Apple erwartet also, dass die Speicherkosten die Marge weiter drücken – trotz der bereits durchgesetzten Preiserhöhungen.

Für Käufer im deutschsprachigen Raum ist das die relevanteste Zeile des gesamten Ausblicks. Die Aufschläge bei Macs, iPads und der Vision Pro von Ende Juni haben offenkundig nicht gereicht, um die Kostenentwicklung bei Flash- und Arbeitsspeicher aufzufangen. Das iPhone hat Apple bislang von Erhöhungen ausgenommen – ausgerechnet vor der Vorstellung der neuen Modelle im September.

Wer ohnehin über einen Kauf nachdenkt, sollte diesen Zusammenhang im Blick behalten: Ein Wechselkurs-Gegenwind bedeutet, dass die Währungen außerhalb der USA gegenüber dem Dollar an Wert verloren haben, und genau daraus sind in der Vergangenheit regelmäßig höhere Europreise entstanden. Zwischen iPhone 17, iPhone Air und iPhone 17e liegen mehrere hundert Euro Unterschied – ein Kauf zum heutigen Preisstand kann sich deshalb rechnen.

Ternus erbt eine Sonderlage

Das September-Quartal ist das erste, das vollständig in die Amtszeit von John Ternus fällt – und zugleich eines mit ungewöhnlich vielen beweglichen Teilen: Der Start von iPhone 18 Pro und dem ersten faltbaren iPhone, steigende Speicherkosten, knappe Fertigungskapazität und ein Währungseffekt, der zwei Prozentpunkte Wachstum kostet. Cook hatte in derselben Konferenz seinen Abschied als Vorstandschef markiert und bestätigt, dass Ternus die Quartalskonferenzen künftig selbst führt.

Die Börse reagierte unmittelbar: Die Aktie notierte im nachbörslichen Handel zeitweise 6,5 bis 8 Prozent unter dem Schlusskurs – nach einem Quartal, das in fast jeder Sparte einen Rekord brachte. (Bild: Shutterstock / TY Lim)

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