Ein zweiter Marktforscher bestätigt Apples Rekordquartal, kommt beim Zustand des Gesamtmarkts aber zu einem völlig anderen Ergebnis. Aufschlussreicher als die Abweichung ist die Erklärung dahinter: Speicherchips machen bei Billig-Smartphones inzwischen über 60 Prozent der Materialkosten aus – bei Premium-Geräten halb so viel.
Nach den Zahlen von Counterpoint Research hat nun auch das Analysehaus Omdia seine vorläufigen Auslieferungsdaten zum zweiten Quartal 2026 veröffentlicht. Beim Kernbefund sind sich beide einig: Apple kommt auf 20 Prozent Anteil und damit auf das stärkste zweite Quartal der Firmengeschichte, Samsung bleibt vorn. Wie tief der Smartphone-Markt insgesamt eingebrochen ist, beantworten die beiden Häuser allerdings grundverschieden – und Omdia liefert nebenbei die Mechanik, die Apples Rekord überhaupt erst erklärt.
Speicher macht bei Billig-Handys über 60 Prozent der Materialkosten aus
Die zentrale Zahl aus dem Omdia-Bericht betrifft nicht Marktanteile, sondern Stücklisten. Speicher und Flash-Speicher stehen bei Budget-Geräten inzwischen für mehr als 60 Prozent der gesamten Materialkosten. Bei High-End-Geräten sind es mehr als 30 Prozent. Einzelne Hersteller zahlen für Speicher derzeit das Vier- bis Fünffache dessen, was vor einem Jahr fällig war.
Aus diesem Verhältnis folgt fast alles andere. Ein 200-Dollar-Smartphone besteht zu großen Teilen aus genau der Komponente, deren Preis explodiert ist – und lässt sich nicht beliebig verteuern, ohne die Käuferschicht zu verlieren, für die es gebaut wurde. Ein Gerät für 1.200 Dollar verteilt denselben Kostenschub auf Chipdesign, Kamera, Display und Marge. Die Krise trifft nicht alle Hersteller gleich hart, sondern alle Preisklassen unterschiedlich hart.
Der Einbruch findet unterhalb von 400 Dollar statt
Genau das zeigen die Daten. Die stärksten Volumenrückgänge verzeichnet der Massenmarkt unterhalb von 400 Dollar – dort, wo die Lieferengpässe am engsten, die Margen am dünnsten und die Käufer am preissensibelsten sind. Die Folge ist eine Polarisierung, die Omdia ausdrücklich als schwerwiegend beschreibt: Die beiden größten Anbieter wachsen, während die dahinter platzierten Hersteller Anteile abgeben.
Xiaomi verlor nach Omdias Rechnung vier Prozentpunkte und damit mehr als jeder andere große Anbieter. OPPO gab zwei Punkte ab, vivo einen. Alle drei sind stark im Einsteiger- und Mittelklassesegment engagiert – und damit dort, wo die Speicherkosten prozentual am meisten wehtun. Dass die Hersteller ihre Strategie derzeit von Stückzahl auf Wertschöpfung umstellen, ist die logische Reaktion: Wer mit Billiggeräten Verlust macht, streicht sie aus dem Portfolio.
Zwei Berichte, zwei sehr verschiedene Markteinbrüche
So einig sich beide Häuser bei Apple sind, so weit liegen sie beim Rest auseinander.
| Counterpoint | Omdia | |
|---|---|---|
| Marktrückgang gegenüber Vorjahr | −11 % | −4 % |
| Schwächstes Quartal seit | 2013 | Q2 2023 |
| Samsung | 24 % (von 20 %) | 22 % (von 20 %) |
| Apple | 20 % (von 17 %) | 20 % (von 16 %) |
| Xiaomi | 12 % (von 14 %) | 11 % (von 15 %) |
| OPPO | 11 % (von 12 %) | 10 % (von 12 %) |
| vivo | 8 % (von 9 %) | 8 % (von 9 %) |
Elf Prozent Rückgang oder vier Prozent – dazwischen liegt fast der Faktor drei. Und zwischen „schwächstes zweites Quartal seit 13 Jahren“ und „schwächstes seit drei Jahren“ liegt der Unterschied zwischen einer historischen Zäsur und einer schlechten Saison. Beide Aussagen stammen vom selben Tag und beziehen sich auf dasselbe Quartal.
Erklären lässt sich das mit der Methodik: Beide Häuser schätzen sogenannte Sell-in-Zahlen, also Auslieferungen an den Handel, und beide arbeiten mit vorläufigen Daten. Wie der Graubereich unterhalb der Top-5 modelliert wird, macht dabei einen erheblichen Unterschied – bei Omdia bleibt der Anteil der übrigen Hersteller nahezu konstant, bei Counterpoint fällt er. Für die Bewertung der Lage heißt das vor allem eines: Diese Prozentangaben sind Schätzungen mit spürbarer Toleranz, keine Messwerte. Die belastbare Aussage ist die Richtung, nicht die Nachkommastelle.
Warum Apple ausgerechnet jetzt gewinnt
Vor diesem Hintergrund liest sich Apples Rekord anders. Der Konzern verkauft praktisch keine Geräte unterhalb von 400 Dollar, ist also in genau dem Segment nicht vertreten, das gerade wegbricht. Hinzu kommt die Verhandlungsposition: Wer Speicher in großen Mengen langfristig einkauft, spürt einen Preissprung später und gedämpfter als ein Hersteller, der kurzfristig am Spotmarkt nachkaufen muss. Dass Apple bei der Entstehung der Speicherknappheit nach Einschätzung aus der Zulieferbranche selbst eine Rolle gespielt haben soll, passt in dieses Bild.
Beide Marktforscher heben denselben Punkt hervor: Apple war der einzige große Anbieter, der die Smartphone-Preise stabil hielt, während die Konkurrenz die Kosten weiterreichen musste. Der Rekordanteil ist damit weniger das Ergebnis besonderer Nachfrage als das Ergebnis einer Krise, die andere härter trifft.
Bei den Preisen gibt es keinen Weg zurück
Für Käufer im deutschsprachigen Raum steckt die relevanteste Aussage in einer Nebenbemerkung: Auf das Preisniveau vor 2025 wird der Markt nach Omdias Erwartung nicht mehr zurückkehren. Die gestiegenen Komponentenkosten sind keine Delle, die sich wieder auswächst.
Bei Apple ist dieser Schritt bereits vollzogen – nur eben nicht beim iPhone. Ende Juni zog der Konzern die Preise für Macs, iPads, Apple TV, HomePod und Vision Pro an, während das iPhone unangetastet blieb. Omdia hält offen, ob es dabei bleibt: Ob und in welchem Umfang ähnliche Aufschläge das iPhone später im Jahr erreichen, gilt als offene Frage. Für die kommende Generation deuten mehrere Berichte bereits auf höhere Preise hin. Wenn du in diesem Jahr ohnehin ein neues Gerät planst, ist der Zeitpunkt vor dem Herbst also nicht der schlechteste.
Die härtesten Quartale stehen noch bevor
Die Prognose fällt bei beiden Häusern düster aus, wenn auch unterschiedlich stark. Die schärfsten Rückgänge erwartet Omdia erst in den kommenden zwei Quartalen – dann, wenn die saisonale Spitze aus Produktneuheiten, Feiertagsgeschäft und Shoppingfestivals auf ein knappes Speicherangebot trifft. Neue Engpässe in der Chipfertigung kommen hinzu.
Ein Muster, das sich über die Produktkategorien hinweg wiederholt: Auch der Laptop-Markt geriet zuletzt unter Druck, während die MacBook-Preise stiegen. Die Speicherkrise ist damit kein Smartphone-Problem, sondern eine Verschiebung der Kostenbasis für alle Geräte mit Chips – und sie hat ihren Höhepunkt nach Einschätzung beider Häuser noch vor sich. (Bild: Shutterstock / Alex Malt)
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