Apples Klageschrift gegen OpenAI enthält eine Zahl, die den ganzen Konflikt erklärt: Mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte arbeiten inzwischen beim KI-Unternehmen. Besonders unangenehm für Cupertino ist, aus welcher Abteilung die meisten von ihnen stammen – und dass OpenAI trotz der Klage an seinem Zeitplan festhält.
Am vergangenen Freitag hat Apple in Kalifornien Klage gegen OpenAI wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen eingereicht. Der Vorwurf: Frühere Apple-Beschäftigte sollen internes Hardware-Wissen mitgenommen und OpenAI damit beim Aufbau eigener Geräte geholfen haben. Aus der Klageschrift selbst und einer parallelen Berichterstattung ergibt sich nun ein deutlich schärferes Bild davon, wie tief die personelle Verflechtung zwischen beiden Unternehmen inzwischen reicht.
Die Zahl aus der Klageschrift
In dem Dokument beziffert Apple erstmals, wie viele frühere Mitarbeiter mittlerweile bei OpenAI arbeiten: mehr als 400. Apple leitet daraus kein pauschales Fehlverhalten ab – im Gegenteil, der Konzern räumt ein, dass bei einer solchen Zahl zwangsläufig Wissen über interne Vorgänge in das andere Unternehmen gewandert ist. Diese Personen seien allerdings zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Der eigentliche Vorwurf setzt danach an: OpenAI habe dieses Wissen laut Klageschrift aktiv ausgenutzt, um weitere vertrauliche Informationen von aktuellen Apple-Beschäftigten und von Zulieferern abzuschöpfen. Sogar die Bewerbungsgespräche seien so aufgebaut worden, dass Kandidaten Interna preisgeben – und OpenAI habe versucht, das Vorgehen zu verschleiern. Dass frühere Apple-Leute bei OpenAI arbeiten, begründe kein Recht darauf, mit Apples Geschäftsgeheimnissen die eigene Hardware-Entwicklung zu beschleunigen. Bewiesen ist davon bislang nichts; ein Gericht hat noch nicht entschieden.
Der Aderlass trifft ausgerechnet die Abteilung des künftigen CEOs
Der brisanteste Punkt steht nicht in der Klageschrift, sondern in einem Bericht vom Samstag. Demnach stammt der Großteil der Apple-Abgänge zu OpenAI aus der Hardware-Engineering-Abteilung – also aus genau dem Bereich, den John Ternus geleitet hat, bevor er zum 1. September die Nachfolge von Tim Cook antritt.
Verschärft wird das durch eine persönliche Note: Tang Tan, heute Hardware-Chef bei OpenAI und zuvor bei Apple für das Produktdesign von iPhone und Apple Watch zuständig, soll ein angespanntes Verhältnis zu Ternus gehabt haben. Der prominenteste Wechsel liegt erst wenige Wochen zurück – Ende Juni ging Paul Meade, Apples Verantwortlicher für Vision Pro und die geplante Smart-Brille, zu OpenAI. Der Mann, der Apple in sieben Wochen übernimmt, verliert seine besten Hardware-Leute an das Unternehmen, das er nun verklagen lässt.
OpenAI hält am Zeitplan fest
Auf die Klage reagiert OpenAI bislang nicht mit einer Verzögerung. Nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld will OpenAI sein erstes Gerät weiterhin noch in diesem Jahr vorstellen und 2027 auf den Markt bringen. Ausgeschlossen ist eine Korrektur allerdings nicht: Sobald das Unternehmen Apples Vorwürfe vollständig ausgewertet hat, könnte sich der Plan noch ändern.
Es ist bereits das zweite Verfahren um Geschäftsgeheimnisse, in das OpenAIs Hardware-Pläne binnen gut eines Jahres geraten. Zuvor hatte das Start-up iyO geklagt – ursprünglich wegen der Markenbezeichnung, später erweitert um den Vorwurf, OpenAI habe sich Betriebsgeheimnisse angeeignet.
Niemand weiß, was OpenAI da eigentlich baut
Bemerkenswert ist, wie wenig über das Gerät bekannt ist, um das so erbittert gestritten wird. Nach der Übernahme von Jony Ives Firma io Products im Mai 2025 sagte Analyst Ming-Chi Kuo ein kompaktes, bildschirmloses Produkt voraus, das um den Hals getragen wird und über Kameras und Mikrofone die Umgebung erfasst, während das Smartphone die Rechenarbeit übernimmt.
Dem widerspricht OpenAI selbst: In einer Gerichtseingabe im iyO-Verfahren stellte das Unternehmen klar, dass das erste Produkt weder ein In-Ear- noch ein am Körper getragenes Gerät sein werde. Auch von mehreren Geräten statt eines einzelnen war die Rede. Beide Aussagen lassen sich nicht miteinander vereinbaren – was heißt, dass die entscheidende Frage weiter offen ist.
Der Streit läuft in beide Richtungen
Die Klage ist nur die eine Hälfte des Konflikts. Im Frühjahr wurde bekannt, dass OpenAI seinerseits rechtliche Schritte gegen Apple prüft – wegen der aus eigener Sicht enttäuschend verlaufenen Siri-Partnerschaft. Gleichzeitig bleibt die ChatGPT-Integration in iOS bestehen und ist ausdrücklich nicht Gegenstand der aktuellen Klage.
Zwei Unternehmen, die sich gegenseitig verklagen und trotzdem zusammenarbeiten müssen: Diese Konstellation dürfte den Rest des Jahres prägen. Interessant wird es vor allem dann, wenn das Verfahren in die Beweisaufnahme geht – und OpenAI Einblick in Apples interne Unterlagen verlangen kann, so wie Apple es umgekehrt tut. (Bild: Shutterstock / Henry Franklin)
- iOS 26.6 Beta 5: Der Wochentakt kündigt den Abschluss an
- Apple-Aktie: KI-Zurückhaltung wird zum Vorteil
- EU will Social Media für Kinder unter 13 beschränken
- Ted Lasso Staffel 4: Fan-Event mit dem Cast in Kansas City
- Apple entging den US-Chipzöllen dank eines Deals mit Intel
- Apple zieht gegen OpenAI vor Gericht – wegen KI-Hardware
- Apple erhält lizenzfreien Zugang zu KI-Chips in den Emiraten
- OpenAI stellt seinen KI-Browser ChatGPT Atlas ein
- EU sieht bei Instagram und Facebook Regelverstoß
- iOS 27: Übersetzen-App bekommt neun neue Sprachen
- OpenAI stellt ChatGPT Work und neue GPT-5.6-Modelle vor
- Chatkontrolle: EU-Parlament lässt Scannen wieder zu
- Indien streicht Zölle auf iPhone-Bauteile



