OpenAI hat mit ChatGPT Work einen KI-Agenten vorgestellt, der Aufgaben eigenständig über mehrere Apps und Geräte hinweg erledigt – und dazu die neue Modellgeneration GPT-5.6 veröffentlicht. Für die Mac-Welt ist vor allem eine neue Desktop-App relevant, die ChatGPT und das Entwicklerwerkzeug Codex zusammenführt.
OpenAI hat gleich mehrere Neuerungen auf einmal angekündigt: ChatGPT Work als agentische Erweiterung, die selbstständig mehrstufige Aufgaben abarbeitet, sowie die Modellreihe GPT-5.6, die nach einer geschlossenen Vorschauphase nun breit ausgerollt wird. Weil ChatGPT bereits fest in Apple Intelligence integriert ist und sich auf dem iPhone einrichten lässt, betrifft die neue Modellgeneration mittelbar auch viele Apple-Nutzer. Zusätzlich erscheint eine neue ChatGPT-Desktop-App für den Mac.
ChatGPT Work: ein Agent für den Arbeitsalltag
Das Herzstück der Ankündigung ist ChatGPT Work – ein Agent mit integriertem Codex, der Aufgaben über Web, Mobilgeräte und Desktop hinweg ausführt und dabei auf Informationen aus verknüpften Apps zugreift. Der Agent kann mehrstufige Aufgaben abarbeiten und sich über eine Planungsfunktion eigenständig um Vorgänge kümmern, auch im Hintergrund. Dafür nutzt er lokale Dateien und Programme oder einen neuen eingebauten Browser für den Zugriff auf Webseiten und Online-Werkzeuge. Über Plug-ins lassen sich weitere Apps anbinden, eine neue Sites-Beta erlaubt zudem das Erstellen interaktiver Seiten und Dashboards.
ChatGPT Work steht zunächst für die Pro-, Enterprise- und Edu-Tarife bereit und soll in den kommenden Tagen auf die Plus- und Business-Pläne ausgeweitet werden. OpenAI tritt damit verstärkt in den Wettbewerb um agentische KI-Assistenten ein, in dem auch Anbieter wie Anthropic und Google mit ähnlichen Werkzeugen aktiv sind.
GPT-5.6: drei Modelle für unterschiedliche Ansprüche
Angetrieben wird ChatGPT Work von der neuen Modellreihe GPT-5.6, die aus drei Varianten besteht. Sol ist das neue Spitzenmodell, das laut OpenAI in Bereichen wie Programmierung, Wissensarbeit, Cybersicherheit und Wissenschaft Bestwerte erreicht und dabei weniger Rechenaufwand benötigen soll als frühere Spitzenmodelle. Terra ist als ausgewogenes Alltagsmodell positioniert, Luna als besonders kosteneffiziente Variante.
Bei der Verteilung auf die Tarife gilt: GPT-5.6 Sol steht Plus-, Pro-, Business- und Enterprise-Nutzern offen, während die kostenlosen Free- und Go-Zugänge Terra erhalten. Insgesamt ist GPT-5.6 ab sofort in ChatGPT, in Codex und über die OpenAI-Programmierschnittstelle verfügbar. OpenAI bewirbt das neue Spitzenmodell zudem als sein bislang stärkstes für Cybersicherheitsaufgaben, etwa Code-Prüfungen und Bedrohungsanalysen, und verweist auf gestaffelte Schutzmaßnahmen gegen Missbrauch.
Neue Mac-App und der Codex-Umzug
Für Apple-Nutzer ist vor allem eine strukturelle Änderung interessant: OpenAI führt die bisher getrennten Anwendungen für Codex und ChatGPT zu einer neuen ChatGPT-Desktop-App zusammen, die für Mac und Windows verfügbar ist. Wer die Codex-App bereits installiert hat, kann sie per Update in die neue ChatGPT-Desktop-App verwandeln. Die bisherige ChatGPT-Desktop-App wird im Zuge dessen in „ChatGPT Classic“ umbenannt und bleibt bestehen.
In der Praxis heißt das: Auf dem Mac gibt es künftig eine App, die die klassische Chat-Nutzung und die agentischen Codex-Funktionen unter einem Dach vereint. Ähnlich wie vergleichbare Werkzeuge kann ChatGPT dabei im Hintergrund über Apps hinweg arbeiten und Aufgaben auf dem Rechner übernehmen.
Warum die Modellwahl über die App hinaus zählt
Die Modellgeneration hinter ChatGPT ist für Apple-Nutzer nicht nur in der eigenständigen App relevant. ChatGPT lässt sich über Apple Intelligence direkt mit Siri verbinden und in die Schreibfunktionen des Systems einbinden – wer diese Integration nutzt, greift letztlich auf OpenAIs Modelle zu. Welche GPT-Version Apple in seiner Integration konkret anbietet, kommuniziert das Unternehmen zwar nicht im Detail, doch jede neue Generation auf OpenAI-Seite bestimmt mit, wie leistungsfähig die über Siri erreichbaren Antworten ausfallen.
Das Tempo im KI-Wettlauf zieht an
Mit ChatGPT Work und GPT-5.6 verschiebt OpenAI den Fokus weiter weg vom reinen Frage-Antwort-Chatbot hin zu einem System, das eigenständig Aufgaben erledigt. Für Apple ist diese Entwicklung doppelt bedeutsam: als direkter Anbieter einer Mac-App und als Partner, dessen Modelle über die Apple-Intelligence-Integration Teil des iPhone-Alltags sind. Wie schnell Apple seine eigene KI-Strategie an dieses Tempo anpasst, dürfte eine der zentralen Fragen der kommenden Monate bleiben. (Bild: Shutterstock / arda savasciogullari)
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