Indien hat die Einfuhrzölle auf mehrere wichtige Bauteile für Smartphones und andere Elektronikgeräte gestrichen. Für Apple, das seine iPhone-Fertigung seit Jahren aus China heraus nach Indien verlagert, senkt der Schritt die Kosten der lokalen Lieferanten – und dürfte die Verlagerung weiter beschleunigen.
Die indische Regierung hat die bisherigen Einfuhrzölle von 7,5 und 5 Prozent auf eine Reihe von Komponenten aufgehoben, die in der Herstellung von Mobiltelefonen und anderer Elektronik zum Einsatz kommen. Die Ausnahmeregelung gilt bis zum 31. März 2029 und ist Teil des erklärten Ziels, die heimische Elektronikfertigung über die kommenden Jahre auf ein Volumen von 500 Milliarden US-Dollar zu heben. Es ist nicht das erste Mal, dass Indien mit regulatorischen Anreizen gezielt um Apples Fertigung wirbt: Erst Anfang des Jahres senkte eine Steuerreform die Risiken bei Investitionen in Produktionsanlagen und räumte damit eine zentrale Hürde für den Ausbau der iPhone-Produktion aus dem Weg. Der jetzige Zollverzicht setzt diese Linie fort – diesmal auf der Ebene der Bauteilkosten.
Welche Bauteile betroffen sind
Konkret entfallen die Zölle auf Teile zur Herstellung von Wireless-Charging-Modulen für Smartphones, auf Displays für Medizin- und Automobiltechnik sowie auf Lithium-Ionen-Zellen beziehungsweise die Maschinen zu deren Fertigung. Umgesetzt wurde die Maßnahme über mehrere Zollverordnungen, die zu Wochenbeginn in Kraft traten. Profitieren dürften davon nicht nur Apple, sondern alle Hersteller, die in Indien fertigen lassen – auch Konkurrenten wie Xiaomi. Laut Manoj Mishra, Partner bei der Beratung Grant Thornton Bharat, soll der Schritt die Kostenwettbewerbsfähigkeit stärken und die lokale Wertschöpfung erhöhen; die Ausnahme für Lithium-Ionen-Zellen könnte zusätzlich Investitionen in eine heimische Batterieproduktion anstoßen (via Reuters).
Was das für Apple bedeutet
Für Apple fügt sich die Maßnahme in eine seit Jahren verfolgte Strategie ein: die Abhängigkeit von China zu verringern und einen wachsenden Teil der iPhone-Fertigung nach Indien zu verlagern. Mit Werken von Foxconn und Tata, die dort zunehmend auch aktuelle iPhone-Modelle montieren, ist das Land bereits zum zweiten Standbein der Lieferkette geworden. Günstigere Einfuhren für die betroffenen Komponenten senken die Kosten der Zulieferer vor Ort und machen es attraktiver, weitere Fertigungsschritte nach Indien zu holen, statt sie nur zu importieren.
Ein Punkt relativiert die unmittelbare Wirkung allerdings: Die gestrichenen Zölle betreffen Ladetechnik, Displays und Batteriezellen – nicht aber den Arbeits- und Flash-Speicher, dessen weltweite Knappheit derzeit die Kosten kommender iPhones nach oben treibt. Der Zollverzicht verbessert also die Standortbedingungen in Indien, löst aber nicht den Kostentreiber, der die nächste iPhone-Generation aktuell am stärksten belastet.
Ehrgeiz trifft auf Realität
Der Schritt zeigt, wie konsequent Indien seine Position als Elektronikstandort mit politischen Hebeln ausbaut – von Subventionen über Steuererleichterungen bis nun zu den Zöllen. Zugleich verläuft der Aufbau nicht reibungslos. Ausgerechnet Apples wichtiger indischer Partner Tata stand zuletzt in der Kritik: Berichten zufolge kam es zu einem Datenleck mit zehntausenden entwendeten Dokumenten, zudem laufen Untersuchungen wegen mutmaßlicher Wasserverunreinigung nahe eines Zulieferwerks. Der Kontrast macht deutlich, dass günstige Rahmenbedingungen und eine verlässliche Fertigung zwei verschiedene Baustellen sind. Für Apple bleibt Indien dennoch die zentrale Alternative zu China – und jeder abgebaute Zoll ein weiterer Anreiz, diesen Weg zügiger zu gehen. (Bild: Shutterstock / asharkyu)
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