Mit kräftigen Preisnachlässen auf die iPhone-17-Pro-Reihe hat Apple im chinesischen Sommergeschäft den zweiten Platz zurückerobert. Der Aufstieg fällt allerdings in einen Markt, der spürbar schrumpft – und selbst Apples eigene Verkäufe gingen zurück. Hinter der Schwäche steht dieselbe Kraft, die weltweit die Preise treibt.
Rund um den 618 – Chinas großes Mitte-Jahres-Shopping-Festival – gilt der Blick auf die Verkaufszahlen traditionell als Stimmungsbarometer für den weltgrößten Smartphone-Markt. In diesem Jahr fällt das Bild trüb aus: Die Verkäufe brachen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent ein, wie aus einem aktuellen Bericht der Marktforscher von Counterpoint Research hervorgeht. Als Ursache benennt die Analyse ausdrücklich die gestiegenen Komponentenkosten – dieselbe von der Speicherknappheit ausgelöste Kostenwelle, die Apple im Juni zu weltweiten Preiserhöhungen gezwungen hat.
Rabatte bis 2.000 Yuan heben Apple auf Rang zwei
Apple startete seine Rabattaktion rund einen Monat vor dem 618 und kombinierte offizielle Preissenkungen, Plattform-Aktionen und Inzahlungnahme-Prämien zu Ersparnissen von bis zu 2.000 Yuan (umgerechnet grob 250 Euro) auf die iPhone-17-Pro-Reihe. Die Nachlässe wirkten: Sie hoben Apple im Marktvergleich auf den zweiten Platz. Für den Zeitraum vom 25. Mai bis 21. Juni verteilen sich die Anteile so:
| Hersteller | Marktanteil |
|---|---|
| Huawei | 21 % |
| Apple | 18 % |
| OPPO | 18 % |
| vivo | 17 % |
| Xiaomi | 14 % |
| HONOR | 10 % |
| Sonstige | 2 % |
Trotz der Erholung gegenüber den Vormonaten lagen Apples Verkäufe im Jahresvergleich noch neun Prozent im Minus – vor allem, weil die iPhone-16-Reihe im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch aggressiver beworben worden war.
Warum der Aufstieg ein Erfolg mit Sternchen ist
Ein zweiter Platz klingt nach einem klaren Gewinn, doch der Kontext dämpft die Zahl. Apple ist in einem schrumpfenden Markt aufgestiegen, hat dafür selbst Federn gelassen und den Rang mit margenkostenden Rabatten erkauft. Relativ betrachtet steht der Konzern dennoch bemerkenswert stabil da: Der Rückgang von neun Prozent war der kleinste unter allen großen Marken, die Boden verloren – die chinesischen Android-Rivalen büßten zwischen 12 und 33 Prozent ein. Einzig Huawei wuchs, und zwar kräftig um 19 Prozent im Jahresvergleich.
Damit bestätigt sich ein Muster, das sich über die vergangenen Quartale abgezeichnet hat: Apple federt die Marktschwäche besser ab als der Wettbewerb, weil Markentreue und ein breiteres Preisgefüge die Nachfrage stützen. Die Rabattaktion war dabei weniger ein Zeichen von Stärke als ein Werkzeug, um in einem angespannten Umfeld überhaupt Volumen zu halten.
Der rote Faden ist die Speicherkrise
Den eigentlichen Grund für das schwache 618-Geschäft liefert Counterpoint gleich mit: Die Preiserhöhungen infolge steigender Speicherpreise hätten den Spielraum für Rabatte begrenzt und die ohnehin flaue Nachfrage zusätzlich gedämpft. Damit wird China zum ersten großen Realtest jener Frage, die derzeit auch an der Börse verhandelt wird – nämlich ob Kunden höhere Preise mittragen oder den Kauf verschieben. Die Antwort aus China fällt zwiespältig aus: Der Gesamtmarkt gab nach, was gegen eine grenzenlose Preistoleranz spricht; zugleich hielt sich Apple am besten, was die optimistische Lesart einzelner Wall-Street-Banken zumindest teilweise stützt.
Beide Beobachtungen zeigen in dieselbe Richtung: Der Konzern verliert weniger als die Konkurrenz, aber er verliert. Ein pauschales „Kunden kaufen ohnehin“ lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten – wohl aber, dass Apples Position im Abschwung robuster ist als die der meisten Wettbewerber.
Apples Preismacht auf dem Prüfstand
Die China-Zahlen sind ein Vorgeschmack auf die Kernfrage der kommenden Monate: Wie weit lässt sich die Nachfrage belasten, bevor sie kippt? Ein belastbareres Bild auf globaler Ebene liefern die Quartalszahlen am 30. Juli – Tim Cooks voraussichtlich letzter Earnings Call vor der Übergabe an John Ternus. Bis dahin bleibt der 618 ein aufschlussreicher Zwischenstand: Apple kann sich im Gegenwind behaupten, aber auch der Konzern spürt, dass die Speicherkrise inzwischen bis an die Ladentheke reicht. (Bild: Shutterstock / Sorbis)
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