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Apple zieht gegen OpenAI vor Gericht – wegen KI-Hardware

by Milan
11. Juli 2026 - 00:26
in Apple News
Apple OpenAI

Bild: Shutterstock / Thrive Studios ID

Apple geht juristisch gegen OpenAI vor und wirft dem KI-Unternehmen vor, mithilfe früherer Apple-Mitarbeiter systematisch vertrauliche Informationen abgegriffen zu haben – um damit eigene KI-Hardware zu entwickeln. Die Klageschrift zeichnet ein detailliertes Bild und spart nicht mit deutlichen Worten. Brisant ist der Zeitpunkt: Beide Konzerne arbeiten bei der ChatGPT-Anbindung an Siri weiterhin zusammen.

Das Verhältnis zwischen Apple und OpenAI ist längst angespannt – erst vor Kurzem stand OpenAI selbst kurz davor, rechtlich gegen Apple vorzugehen, weil die Siri-Partnerschaft nicht die erhofften Ergebnisse brachte. Nun dreht Apple den Spieß um und reicht beim US-Bundesgericht für den nördlichen Distrikt von Kalifornien eine Klage wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen ein.

Was Apple OpenAI konkret vorwirft

Im Kern beschreibt Apple ein über Monate laufendes Muster, bei dem wechselnde Apple-Mitarbeiter vertrauliche Informationen zu unveröffentlichten Geräten, Komponenten, Fertigungsprozessen und Zulieferer-Beziehungen an OpenAI weitergegeben haben sollen. Bewerbungsgespräche bei OpenAI seien dabei gezielt zur Informationsgewinnung genutzt worden: Kandidaten, die noch bei Apple beschäftigt waren, sollen aufgefordert worden sein, echte Hardware-Komponenten wie Batterien, System-in-Package-Bauteile und Logikplatinen zu einer Art „Show and Tell“ mitzubringen. In einem geschilderten Fall soll eine Bewerberin Stunden vor ihrem Gespräch Dateien zu einem streng vertraulichen Apple-Projekt heruntergeladen haben, zu dem sie im Interview anschließend ausgefragt wurde.

Besonders schwer wiegt der Vorwurf gegen einen früheren Ingenieur: Er soll nach seinem Weggang ein Apple-Notebook behalten und über eine Sicherheitslücke Hunderte vertrauliche Dokumente heruntergeladen haben – laut Klageschrift eine Sammlung technischer Unterlagen mit über tausend Seiten, darunter detaillierte Fertigungsdokumente zu komplexen Platinen. Zudem soll er weiterhin Kontakt zu einer aktiven Apple-Mitarbeiterin gehalten haben, die ihn mit Projektdetails versorgte. Auf die Erkenntnis, dass er noch immer auf interne Apple-Systeme zugreifen konnte, reagierte er einer zitierten Nachricht zufolge mit einem lapidaren „LOL“.

Auch Apples Zulieferer geraten in den Fokus: OpenAI soll einen langjährigen Apple-Partner dazu gebracht haben, eine geheime Metall-Veredelungstechnik für ein OpenAI-Gerät anzuwenden – unter dem falschen Vorwand, man habe dafür Apples Erlaubnis. Einen zweiten Zulieferer aus dem Bereich Akku- und Stromfertigung soll OpenAI mit branchentypischem Insider-Vokabular gezielt zu einzelnen Apple-Komponenten ausgefragt haben.

Zwei ehemalige Apple-Manager im Zentrum

Namentlich benennt die Klage zwei frühere Apple-Beschäftigte als Beklagte. Der eine leitete bei Apple als Vice President das Produktdesign für iPhone und Apple Watch und verließ das Unternehmen im Februar 2024, um mit Jony Ive zu arbeiten. Ihm wirft Apple vor, sein Insiderwissen über die internen Austrittsprozesse ausgenutzt zu haben: Er soll ein als „Need to Know“ markiertes internes Dokument mit Apples Sicherheitsabläufen bei Kündigungen behalten und an neue OpenAI-Kollegen weitergegeben haben, bevor diese ihre Kündigung bei Apple einreichten – gewissermaßen als Vorschau auf die Kontrollmechanismen, die sie umgehen wollten.

Der zweite Beklagte war acht Jahre bei Apple und dort als leitender System-Elektroingenieur tätig, bevor er im Januar 2026 zu OpenAI wechselte. Neben den beiden Einzelpersonen führt die Klage auch OpenAI selbst sowie io Products als Beklagte – jenes von Ive gegründete Hardware-Start-up, das OpenAI übernommen hat.

OpenAIs Hardware-Ambitionen als Hintergrund

Der Streit lässt sich nur vor dem Hintergrund von OpenAIs Vorstoß in die Hardware verstehen. Das Unternehmen hatte Ives Start-up io im vergangenen Jahr für rund 6,5 Milliarden Dollar übernommen und damit mehr als 50 Ingenieure und Entwickler geholt; die Hardware-Sparte wird von Apples früherem Design-Chef geführt. Ziel ist ein erstes eigenes Consumer-Gerät, dessen Marktstart unter Druck steht – Berichte reichen von einem HomePod-ähnlichen Lautsprecher bis zu einem eigenen Smartphone. Apple argumentiert, genau dieser Zeitdruck habe OpenAI zu Abkürzungen verleitet, statt in legitime Eigenentwicklung zu investieren.

Bemerkenswert ist, was die Klage ausspart: Weder Ive noch OpenAI-Chef Sam Altman werden als Beklagte geführt, und Apple unterstellt ihnen keine Beteiligung. Auch die anhaltende Abwerbung von Apple-Personal – mehr als 400 frühere Apple-Beschäftigte arbeiten inzwischen bei OpenAI – ist nicht Gegenstand des Verfahrens. Apple konzentriert die Vorwürfe bewusst auf den mutmaßlichen Abfluss konkreter Geschäftsgeheimnisse.

OpenAI weist die Vorwürfe zurück

OpenAI reagierte noch am selben Tag und wies die Anschuldigungen zurück. Ein Unternehmenssprecher erklärte über den Kurznachrichtendienst X, man habe „kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer“ und konzentriere sich weiterhin darauf, Technologie zu entwickeln, die Menschen weltweit nütze. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den einzelnen Detailvorwürfen blieb dabei aus.

Für OpenAIs Hardware-Sparte ist es nicht der erste Streit dieser Art. Bereits das von Ive geführte io Products sah sich zuvor mit einer Klage des Hardware-Start-ups iyO konfrontiert, die im März 2026 um den Vorwurf des Geheimnisverrats erweitert wurde – und in der ebenfalls einer der nun von Apple beklagten früheren Apple-Manager als Beschuldigter geführt wird. Auch jene Vorwürfe hat OpenAI bestritten.

Vom Partner zum Prozessgegner

Die Schärfe der Formulierungen ist ungewöhnlich: Apple bezeichnet OpenAIs Hardware-Geschäft als von Grund auf „verdorben“, weil es auf gestohlenen Informationen beruhe, und spricht von der „Spitze des Eisbergs“. Bereits im Februar habe man OpenAI kontaktiert, doch das Unternehmen habe nicht reagiert – woraufhin Apple weiter ermittelte. Mit der Klage fordert Apple nun eine gerichtliche Unterlassung sowie Schadenersatz in noch zu bestimmender Höhe; die beiden namentlich genannten Ex-Mitarbeiter verklagt Apple zusätzlich wegen Vertragsbruchs.

Auffällig bleibt der Kontrast zur laufenden Zusammenarbeit: Die ChatGPT-Integration in Siri ist laut Apple ausdrücklich nicht Gegenstand der Klage. Damit stehen sich zwei Unternehmen gegenüber, die auf der einen Ebene weiter kooperieren und auf der anderen nun vor Gericht ziehen. Wie belastbar diese Doppelrolle ist, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen – ebenso wie die Frage, wie viel von Apples drastischer Darstellung einer gerichtlichen Prüfung standhält. (Bild: Shutterstock / Thrive Studios ID)

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