Drei Tage vor den Quartalszahlen hatte die Bank ihr Kursziel für Apple deutlich nach oben gezogen. Nach der Bilanzkonferenz nimmt sie einen Teil davon wieder zurück – und stützt ihren verbleibenden Optimismus ausgerechnet auf ein Angebot, das es in Deutschland gar nicht gibt.
Am 28. Juli hatte Goldman Sachs das Kursziel für Apple von 340 auf 370 Dollar angehoben, wenige Tage vor der Vorlage der Zahlen zum dritten Geschäftsquartal. Nach der Bilanzkonferenz vom Donnerstagabend korrigiert das Haus auf 360 Dollar. Das Kaufvotum bleibt bestehen, und selbst nach der Rücknahme liegt das Ziel noch 20 Dollar über dem Wert, der seit Mai galt. Trotzdem ist die Bewegung bemerkenswert: Selten wird eine Anhebung so schnell wieder eingefangen.
Eine Anhebung mit kurzer Haltbarkeit
Der Auslöser für den Rückzieher ist Apples Ausblick. Weil der Konzern im laufenden Quartal die Nachfrage nach eigenen Angaben nicht bedienen kann, rechnen die Analysten damit, dass die Aktie vorerst niedriger notiert als zuletzt. Hinzu kommt die Erwartung, dass sich das Wachstum im Servicegeschäft weiter verlangsamt, wofür das Haus vor allem schwächere App-Store-Erlöse verantwortlich macht.
Wie schnell sich die Stimmung gedreht hat, zeigt der Kursverlauf derselben Woche. Am Dienstag war Apple mit einem Rekordhoch von 342,89 Dollar erstmals mehr als fünf Billionen Dollar wert – als zweites Unternehmen der Geschichte nach Nvidia. Im Freitagshandel notierte die Aktie zeitweise bei rund 301 Dollar. Gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag entspricht das einem Minus von fast zehn Prozent und einem Börsenwert von etwa 470 Milliarden Dollar, der binnen eines Handelstages verschwand. Damit liegt die Marktkapitalisierung wieder bei rund 4,4 Billionen Dollar, und die Position als wertvollstes Unternehmen der Welt wackelt erneut.
Nicht die Zulieferer, sondern die Nachfrage
Auf der Konferenz stellte Tim Cook die Ursache mehrfach klar: Es handele sich nicht um ein Problem mit Partnern oder Zulieferern, sondern um außergewöhnlich starke Nachfrage. Bei den Speicherpreisen sprach er von einer Jahrhundertflut, und er räumte ein, dass Apple nur begrenzte Möglichkeiten habe, kurzfristig gegenzusteuern. Betroffen ist vor allem die Fertigung in modernsten Strukturbreiten für die eigenen Prozessoren, was auf iPhone, Mac und iPad gleichermaßen durchschlägt.
Die praktische Folge benennt Goldman Sachs nüchtern: Apple wird im laufenden Quartal Umsatz liegen lassen, schlicht weil sich nicht genug Geräte bauen lassen. Wie eng die Lage ist, hatte das Unternehmen im Ausblick auf das September-Quartal bereits deutlich gemacht.
Das Leasing-Programm, das es hierzulande nicht gibt
Ein zentraler Baustein der optimistischen Seite dieser Rechnung ist Apple Upgrade. Die Bank erwartet, dass das Programm den Nachfragerückgang abfedert, den höhere Gerätepreise sonst auslösen würden – wer monatlich zahlt, spürt einen Aufschlag von zweihundert oder dreihundert Dollar deutlich weniger als beim Direktkauf.
Für Leser hierzulande hat dieses Argument allerdings einen Haken: Apple Upgrade ist vorerst ausschließlich für Kunden in den USA verfügbar. In Deutschland, Österreich und der Schweiz existiert kein vergleichbares Angebot von Apple selbst. Wenn du hier vor einer Preiserhöhung stehst, bleibt es beim Direktkauf, bei Finanzierungsangeboten des Handels oder beim Mobilfunkvertrag. Der Puffer, mit dem die Analysten kalkulieren, wirkt damit ausgerechnet in jenen Märkten nicht, in denen die Preise durch Mehrwertsteuer und Wechselkurs ohnehin höher ausfallen.
Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Wachstumsargument. Goldman Sachs erwartet, dass die Nutzung von KI-Kontingenten den Absatz von iCloud+ antreibt – Siri AI startet auf iPhone und iPad in der EU jedoch vorerst nicht. Die Schweiz gehört weder zur EU noch zum EWR und ist von dieser Sperre nicht betroffen.
Drei Senkungen, keine einzige Abstufung
Auffällig am Bild dieser Woche ist die Einheitlichkeit. Morgan Stanley ging von 364 auf 360 Dollar, JP Morgan von 345 auf 340 Dollar, Goldman Sachs nun von 370 auf 360 Dollar. Alle drei Häuser begründen den Schritt mit derselben Mischung aus Lieferengpässen, Speicherkosten und einem schwächeren Servicegeschäft. Keines davon hat seine Einstufung angetastet.
Die Kursziele liegen sämtlich deutlich über dem aktuellen Niveau. Wer die Engpässe für vorübergehend hält, kommt zwangsläufig zu diesem Ergebnis – die entscheidende Annahme ist in allen drei Modellen dieselbe und bislang unbewiesen.
Der Einwand gegen die Marktreaktion
Goldman Sachs benennt zugleich die Risiken: eine global schwächere Nachfrage nach Hardware und Diensten, längere Austauschzyklen, wenn Kunden ihre Geräte behalten, fehlende Wechselgründe und wachsende Konkurrenz in praktisch jeder Produktkategorie. Für die kommende Zeit erwartet das Haus deshalb eine Aktie, die unter ihrem bisherigen Niveau handelt.
Der eigentliche Einwand der Analysten richtet sich aber gegen die Perspektive des Marktes selbst. Die Börse schaue zu genau auf das Wachstum einzelner Produktlinien und übersehe dabei, wie eng Geräte, Software und Dienste bei Apple ineinandergreifen. Neue Hardware im Herbst – erwartet werden Mac, iPad und möglicherweise ein Home Hub – vergrößert die Basis für Dienste, und jeder zusätzliche Nutzer zahlt potenziell auf das Servicegeschäft ein. Ob diese Kette trägt, entscheidet sich nicht an einem Quartalsausblick, sondern an den nächsten beiden Produktzyklen. (Bild: Shutterstock / GreenTech)
- Morgan Stanley senkt Apple-Kursziel auf 360 Dollar
- JP Morgan senkt Apple-Kursziel auf 340 Dollar
- Apple Q3 2026: Die Details aus der Telefonkonferenz
- Warum Apples Services die Erwartungen verfehlten
- Mehr Speicher-Anbieter heißt nicht günstigere Preise
- Höhere KI-Limits gegen Aufpreis bei iCloud+
- Wie Apple über Preiserhöhungen entscheidet



