Monatelang hat Apple einen chinesischen Speicherhersteller aufgebaut, um Samsung und SK Hynix unter Druck zu setzen. Der Plan ist offenbar gescheitert – und zwar so gründlich, dass die beiden koreanischen Konzerne heute mehr Preismacht haben als vorher. Der Grund liegt in einer Maschine, die China nicht kaufen darf.
Seit dem Frühsommer verfolgt Apple eine Doppelstrategie: Beim Endkunden werden die Preise für Macs, iPads und die Vision Pro erhöht, beim Einkauf soll ein neuer Lieferant die Kosten drücken. Der Kandidat dafür war ChangXin Memory Technologies, kurz CXMT, ein staatlich gestützter Hersteller aus China. Ein Bericht von DigiTimes, der sich auf südkoreanische und chinesische Fachpresse stützt, beschreibt nun das Gegenteil des gewünschten Ergebnisses.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple wollte CXMT als Verhandlungshebel gegen Samsung und SK Hynix einsetzen – der Hebel greift nicht.
- CXMT ist von moderner EUV-Belichtung ausgeschlossen und produziert dadurch teurer, statt billiger.
- Als Apple ein günstigeres Angebot für LPDDR5X verlangte, lehnte CXMT ab und blieb auf dem Niveau der koreanischen Anbieter.
- Huawei und Xiaomi haben den Großteil der CXMT-Kapazität über langfristige Verträge gebunden.
- Ohne glaubhafte Alternative sinkt der Druck auf Samsung und SK Hynix, ihre eigenen Preise zu senken.
Warum CXMT gar nicht billiger anbieten kann
Der Kern des Problems ist eine Maschine. Für die Fertigung moderner Speicherchips ist EUV-Lithografie der effizienteste Weg, und CXMT ist davon durch US-Exportkontrollen ausgeschlossen. Das Unternehmen muss auf ältere DUV-Technik ausweichen.
Diese Technik funktioniert, kostet aber Durchsatz. Nach einer Kostenrechnung, die TechTimes zitiert, braucht CXMT rund 30 Prozent mehr Wafer-Starts für dieselbe Ausbringungsmenge. Jeder zusätzliche Wafer kostet Material, Maschinenzeit und Personal.
Damit dreht sich die Logik um, auf die Apple gesetzt hatte: Das Preisniveau von Samsung und SK Hynix ist für CXMT nicht die Obergrenze, die man unterbieten könnte, sondern der Boden. Als Apple ein günstigeres Angebot für LPDDR5X-Speicher verlangte, lehnte CXMT ab und hielt seine Preise auf dem Niveau der Koreaner oder darüber.
Huawei und Xiaomi haben die Kapazität längst gebunden
Ein zweiter Punkt nimmt Apple den Rest des Verhandlungsgewichts. Nach einem Bericht von Digital Daily haben Huawei und Xiaomi den Großteil der CXMT-Produktion über langfristige Verträge zu hohen Preisen gesichert.
Ein Hersteller, dessen Bänder ohnehin ausgelastet sind, muss auf einen Neukunden nicht eingehen – auch dann nicht, wenn dieser Kunde Apple heißt. Die übliche Machtverteilung zwischen Apple und seinen Zulieferern gilt hier schlicht nicht.
Für Samsung und SK Hynix ist das eine komfortable Lage. Beide verlagern Fertigungskapazität in Richtung High-Bandwidth-Memory für KI-Server, wodurch sich das Angebot an gewöhnlichem Arbeitsspeicher zusätzlich verknappt. Fällt gleichzeitig die einzige nennenswerte Alternative als Drohkulisse aus, sinkt der Anlass, bei den eigenen Preisen nachzugeben.
Wie sich der Strang seit Juni entwickelt hat
Der Vorgang zieht sich seit rund sechs Wochen und war von Beginn an politisch aufgeladen: Ende Juli forderten US-Politiker Apple auf, ganz auf chinesischen Speicher zu verzichten.
| Datum | Entwicklung |
|---|---|
| 27. Juni 2026 | Apple wirbt in Washington um eine Freigabe für chinesischen Speicher |
| 29. Juni 2026 | Eine Genehmigung gilt als schwer durchsetzbar |
| 8. Juli 2026 | Apple beginnt mit der Qualifizierung von CXMT-Chips |
| 25. Juli 2026 | Der Streit um China-Speicher erreicht die politische Ebene |
| 31. Juli 2026 | Tim Cook nennt den Preiseffekt zusätzlicher Anbieter unklar |
| 6. August 2026 | Der Verhandlungshebel greift nicht |
Damit bekommt Cooks vorsichtige Formulierung aus der Telefonkonferenz eine Erklärung. Er hatte gesagt, mehr Anbieter würden auf der Angebotsseite helfen, bei den Preisen sei die Wirkung unklar – und diese Einschränkung im selben Atemzug nachgeschoben. Wer zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass CXMT nicht unterbieten kann, formuliert genau so.
Keine Entlastung vor dem September
Zur Belastbarkeit der Meldung gehört ein Hinweis: DigiTimes gibt hier Berichte anderer Fachmedien wieder, es handelt sich nicht um eine eigene Recherche und erst recht nicht um eine Bestätigung durch Apple. Die technische Begründung ist allerdings unabhängig davon nachvollziehbar, und sie deckt sich mit dem, was Apple selbst öffentlich gesagt hat.
Für Käufer im deutschsprachigen Raum ist die praktische Folge unbequem. Der Aufschlag von 100 Euro beim MacBook Neo und die übrigen Erhöhungen aus dem Juni waren nach Apples eigener Darstellung keine vorübergehende Delle. Wenn nun auch der letzte Hebel zur Kostensenkung ausfällt, fehlt jedes Argument für eine Rücknahme – und die Frage, ob Apple im September auch beim iPhone nachzieht, wird eher wahrscheinlicher als weniger.
Hier verlassen wir die Quellenlage: Wir rechnen damit, dass Apple den Kontakt zu CXMT trotzdem nicht abbricht. Dafür spricht, dass ein qualifizierter Zweitlieferant auch ohne Preisvorteil die Versorgungssicherheit erhöht, und genau die hatte Cook als eigentlichen Zweck benannt. Dagegen spricht der politische Widerstand in Washington, der eine dauerhafte Lieferbeziehung teuer machen könnte. (Bild: Apfelpatient)
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