Bei faltbaren Smartphones wird die Falte in der Displaymitte mit der Zeit meist deutlicher. Apples neuer Hardwarechef sagt für das iPhone Duo das Gegenteil voraus – und fordert Käufer ausdrücklich auf, das Unternehmen daran zu messen. Im selben Gespräch erklärt er, warum ihm Schutzfolien auf dem iPhone missfallen.
Tom Marieb ist seit Kurzem Apples Vice President of Hardware Engineering, eine Position, die zuvor der heutige CEO John Ternus innehatte. In einer Gesprächsrunde in Apples Londoner Niederlassung hat er im Interview mit TechRadar über die Haltbarkeit des iPhone Duo und des iPhone 18 Pro gesprochen.
Im Mittelpunkt stehen drei Punkte, an denen sich die Qualität eines Foldables über die Jahre entscheidet: die Falte im Innendisplay, das Scharnier und das Deckglas. Die Eckdaten des Geräts stehen in der Übersicht zu allen Daten, Preisen und Terminen des iPhone Duo.
Das Wichtigste in Kürze
- Die matte Nanotextur des Innendisplays soll die Falte auch nach langer Nutzung unauffällig halten. Marieb bittet ausdrücklich darum, Apple daran zu messen.
- Das Scharnier wurde so abgestimmt, dass es sich beim Schließen anfühlt wie die Tür eines hochwertigen Autos und in halb geöffneter Stellung nicht nachgibt.
- Ceramic Shield 2 ist laut Marieb ein Kompromiss zwischen Kratz- und Abriebfestigkeit. In beschleunigten Tests bildet Apple fünf Jahre Nutzung in wenigen Wochen ab.
- Schutzfolien hält Marieb für überflüssig. Das betrifft das Außendisplay des Duo und die Front des iPhone 18 Pro, nicht das faltbare Innendisplay.
Matte Oberfläche gegen sichtbare Falten
Ein anderer Journalist der Runde wies darauf hin, dass die Falte bei Foldables anfangs kaum auffällt, nach einigen Monaten intensiver Nutzung aber deutlicher wird. Marieb antwortete mit einer ungewöhnlich direkten Zusage: „Nehmen Sie uns bitte beim Wort.“
Die Begründung liegt in der Oberfläche. Glänzende Displays spiegeln so stark, dass selbst kleine Unebenheiten sofort ins Auge fallen. Die matte Oberfläche verzeiht nach Mariebs Worten Veränderungen am Scharnier über die Zeit eher, und genau deshalb habe sich Apple neben dem Blendschutz für sie entschieden.
Neu ist die Rolle der Nanotextur für die Falte nicht: Für CEO John Ternus gab die matte Oberfläche an einem Prototyp den Ausschlag für das Gerät. Marieb geht einen Schritt weiter, indem er eine Aussage über die Entwicklung der Falte im Lauf der Nutzung macht.
Ein Scharnier wie eine Autotür
Auf das Scharnier ist Marieb nach eigener Aussage besonders stolz, weil es lange gedauert habe, es richtig hinzubekommen. Die Sorge im Team: Wer sieht, wie dünn das Gerät ist, hält es womöglich für zerbrechlich. Dieselbe Sorge sieht er beim iPhone Air, das nach seinen Worten zu den zuverlässigsten iPhones gehört, die Apple je gebaut hat.
Apple hat deshalb am Drehmomentverlauf gearbeitet. Das Scharnier soll sich beim Schließen so solide anfühlen wie die Tür eines hochwertigen Autos und beim Öffnen ebenso. Hinzu kommen die Stellungen, in denen das Duo halb aufgeklappt steht, etwa als Nachttischuhr im Standby. Dort darf es weder nachgeben noch sich schwer öffnen lassen.
Laut Apples Mitteilung zum iPhone Duo besteht das Scharnier aus mehr als 100 Bauteilen, die das Öffnen und Schließen steuern und die Displaymitte stützen. Das Gerät ist nach IP68 gegen Staub und Wasser geschützt.
Warum Apple Schutzfolien für überflüssig hält
Beim Deckglas wurde Marieb deutlich. Wenn er jemanden eine Schutzfolie auf ein iPhone kleben sehe, bekomme er eine Gänsehaut, sagte er – das Team arbeite hart an schönen Displays.
Ceramic Shield 2 beschreibt er als Abwägung. Viele Materialien seien entweder besonders kratzfest oder besonders widerstandsfähig gegen Abrieb, beides zugleich sei schwer zu erreichen. Apple hätte das Glas noch kratzfester machen können, dann wäre es aber weniger abriebfest geworden. Laut Apple ist Ceramic Shield 2 dreimal so kratzfest wie die Vorgängergeneration.
Getestet wird nach Mariebs Angaben nicht nach alten Militär- oder Industrienormen, sondern nach dem tatsächlichen Nutzungsverhalten. Beschleunigte Tests sollen fünf Jahre Nutzung oder mehr in wenigen Wochen abbilden.
Nicht jede Displayfläche ist gleich geschützt
Mariebs Aussage über Schutzfolien lässt sich nicht auf das ganze Duo übertragen. Ceramic Shield 2 sitzt beim Duo nur auf dem Außendisplay. Das faltbare Innendisplay besteht laut Apples Produktseite aus zehn ultradünnen Schichten mit einer kratzfesten Beschichtung und der Nanotextur.
| Fläche | Schutz laut Apple |
|---|---|
| iPhone Duo, Außendisplay | Ceramic Shield 2 |
| iPhone Duo, Innendisplay | Kratzfeste Beschichtung, Nanotextur |
| iPhone Duo, Rückseite | Ceramic Shield |
| iPhone 18 Pro, Vorderseite | Ceramic Shield 2 |
Eine Folie auf dem Innendisplay läge zudem über genau der matten Oberfläche, die die Falte unauffällig halten soll.
Ein Versprechen, das sich erst nach Monaten prüfen lässt
Mariebs Satz ist bemerkenswert, weil er sich überprüfen lässt. Er bezieht sich nicht auf das Gerät beim Auspacken, sondern auf den Zustand nach Monaten der Nutzung.
Belegen kann das zum Start niemand. Das Duo kommt erst im Oktober in den Handel, Langzeiterfahrungen gibt es frühestens im kommenden Jahr. Was sich bis dahin festhalten lässt: Apple setzt bei der Falte nicht allein auf Mechanik, sondern auch auf die Optik der Oberfläche – eine Falte, die weiter besteht, soll schlicht weniger auffallen.
Wer das Duo vorbestellen will, kann das ab dem 16. Oktober um 14 Uhr tun. Es kostet in Deutschland ab 2.299 Euro und in der Schweiz ab 1.999 Franken, ausgeliefert wird ab dem 23. Oktober.
Würdest du bei einem Foldable für über 2.000 Euro auf Mariebs Versprechen vertrauen – oder erst nach einem Jahr Erfahrungen anderer Käufer zugreifen? Schreib uns in die Kommentare, woran du die Haltbarkeit festmachen würdest.



