Der Mann, dem Steve Jobs mangelnde Produktleidenschaft vorwarf, hat das ungewöhnlichste iPhone der vergangenen zwei Jahrzehnte angestoßen. Der Auslöser war eine Reise nach Asien – und das Gerät wird nun von seinem Nachfolger vorgestellt.
Einen Tag vor der Vorstellung des faltbaren iPhone hat Bloomberg die Vorgeschichte des Geräts nachgezeichnet. Demnach geht der Anstoß auf Tim Cook persönlich zurück, und zwar auf eine Beobachtung aus dem Jahr 2020. Für einen Konzernchef, dessen Stärke stets in Lieferketten und Zahlen gesehen wurde, ist das eine bemerkenswerte Fußnote – nachzulesen auch in unserer Bilanz seiner 15 Jahre an der Spitze.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Bericht kehrte Tim Cook um 2020 von einer Asienreise zurück und drängte darauf, dass Apple in den Markt für faltbare Telefone einsteigt.
- Ausschlaggebend war demnach, wie viele Menschen er in China und anderen Ländern der Region mit Falttelefonen von Samsung und Huawei sah.
- Vor dieser Festlegung sollen Apples Teams eher an faltbaren iPads gearbeitet haben – Cook lenkte die Arbeit auf ein Telefon.
- Über die Ziellinie gebracht haben soll das Projekt John Ternus, der seit dem 1. September Apple-Chef ist.
- Der Bericht stützt sich auf ungenannte Quellen aus dem Unternehmensumfeld.
Wie der Anstoß zustande kam
Die Schilderung setzt bei einer Reise an, von der Cook nach Darstellung des Berichts ungewöhnlich angetan zurückkam. In China und weiteren Ländern der Region habe er gesehen, wie viele Menschen bereits Falttelefone nutzten – Geräte von Samsung, Huawei und anderen Herstellern. Zurück in Cupertino habe er darauf gedrungen, die eigenen Arbeiten zu beschleunigen, obwohl der Markt damals klein war.
Ein nicht namentlich genannter Insider wird mit der Einschätzung zitiert, Cook sei der früheste und wichtigste Fürsprecher des Projekts gewesen; er habe die Geräte überall in Asien gesehen und erklärt, Apple müsse in diesem Feld mitspielen.
Zur Belastbarkeit: Der Bericht stammt von einem Haus mit langer und überwiegend zutreffender Bilanz bei Apple-Interna, stützt sich hier aber auf anonyme Quellen ohne Dokument oder öffentliche Äußerung. Eine Bestätigung durch das Unternehmen gibt es nicht.
Aus dem faltbaren iPad wurde ein Telefon
Der interessanteste Teil betrifft das, was vor Cooks Festlegung geschah. Apples Ingenieure und Designer sollen die Bauform durchaus erkundet haben – allerdings in eine andere Richtung: erwogen wurde unter anderem ein iPad mini, das sich zu einem größeren iPad aufklappen lässt.
Cook habe die Arbeit dann auf ein Telefon gelenkt. Das erklärt einen Umstand, der bei Apple selten vorkommt: dass ein Formfaktor jahrelang erforscht wird, ohne dass ein Produkt daraus entsteht. Nach dieser Darstellung fehlte nicht die Technik, sondern die Entscheidung, worauf sie angewendet wird.
Sechs Jahre, nicht zehn
Die Zeitrechnung lohnt einen zweiten Blick, weil die Zahlen leicht durcheinandergeraten. Cooks Eingreifen datiert der Bericht auf etwa 2020 – bis zur Vorstellung am 9. September 2026 sind das rund sechs Jahre. Die häufig genannte Dekade bezieht sich auf die Entwicklungsarbeit insgesamt, also auch auf die Grundlagenforschung vor Cooks Festlegung.
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 2019 | Samsung bringt sein erstes faltbares Telefon in den Handel |
| um 2020 | Cook drängt nach der Asienreise auf ein eigenes Gerät |
| 1. September 2026 | John Ternus übernimmt als CEO |
| 9. September 2026 | Vorstellung des faltbaren iPhone erwartet |
Bemerkenswert bleibt der Abstand zur Konkurrenz: Zwischen dem ersten Serienmodell eines Wettbewerbers und Apples Antwort liegen sieben Jahre. In einem Feld, in dem Apple sonst als später, aber gründlicher Nachzügler auftritt, ist das selbst nach eigenen Maßstäben eine lange Strecke.
Wer es über die Ziellinie brachte
Die zweite Hälfte der Geschichte gehört John Ternus. Er soll seinen Einfluss genutzt haben, um das Projekt abzuschließen – als Chef der Hardware-Entwicklung, bevor er Anfang September die Konzernleitung übernahm. Der Zeitpunkt des Wechsels war nach früheren Berichten bewusst auf die Vorstellung dieses Geräts abgestimmt.
Damit fällt eine ungewöhnliche Konstellation zusammen: Der neue Konzernchef eröffnet seine Amtszeit mit einem Produkt, das sein Vorgänger angestoßen hat und das er selbst zu Ende gebracht hat. Wer Ternus bislang vor allem als stillen Techniker wahrgenommen hat, findet mehr zu seiner Person in unserem Porträt zum Amtsantritt.
Was die Geschichte über Cooks Amtszeit sagt
Die naheliegende Deutung lautet, dass Cook doch ein Produktmensch war. Sie greift zu kurz. Was der Bericht beschreibt, ist keine Designentscheidung, sondern eine Marktbeobachtung, die in eine Ressourcenentscheidung übersetzt wurde – also genau die Disziplin, für die Cook seit jeher steht. Er hat nicht die Falttechnik erfunden, sondern erkannt, dass eine Nische groß genug wird, um Apples Aufwand zu rechtfertigen.
Für dich als Käufer ist daran vor allem eines relevant: Ein Gerät, das aus einer Marktbeobachtung entsteht, ist auf Verkaufszahlen hin gebaut und nicht auf einen technischen Beweis. Das spricht eher für ein Produkt, das im Alltag funktionieren soll, als für ein Schaustück – wie gut das gelingt, entscheidet sich allerdings erst an Scharnier, Falz und Preis.
Zu bedenken bleibt die Quellenlage. Eine Entstehungsgeschichte, die kurz vor der Vorstellung über anonyme Quellen erzählt wird, dient dem Unternehmen auch als Rahmenerzählung für den Verkaufsstart. Das macht sie nicht falsch, aber es erklärt den Zeitpunkt.
Ein Abschied mit Verzögerung
Cook ist seit dem 1. September nicht mehr Konzernchef, sondern Verwaltungsratsvorsitzender. Sein letztes Produkt erscheint damit erst nach seinem Rückzug – und wird von jemand anderem auf die Bühne gebracht.
Zählst du das faltbare iPhone noch zu Cooks Bilanz, weil er den Anstoß gab – oder gehört es bereits zur Amtszeit seines Nachfolgers, der es fertig gemacht hat? Widersprich uns gern in den Kommentaren.



