Seit heute steht John Ternus an der Spitze von Apple. Die Führungsseite des Konzerns führt ihn als CEO, Tim Cook erscheint dort nur noch im Verwaltungsrat – und ein zweiter Wechsel im Gremium blieb bislang weitgehend unbeachtet.
Der 1. September war seit April gesetzt: An diesem Tag sollte Ternus die Führung übernehmen, Cook als Executive Chairman in den Verwaltungsrat wechseln. Vollzogen ist der Schritt jetzt, und ablesen lässt er sich auf der Führungsseite von Apple, die den Wechsel seit dem Morgen abbildet. Cooks fünfzehn Jahre an der Spitze endeten am Montag – seine Bilanz reicht von der Apple Watch über AirPods bis zu Apple Silicon. Sein Nachfolger, seit 2001 im Unternehmen, hat den Weg vom Produktdesign an die Konzernspitze in einem Vierteljahrhundert zurückgelegt.
Das Wichtigste in Kürze
- John Ternus ist seit dem 1. September Apples CEO und gehört zugleich dem Verwaltungsrat an.
- Tim Cook führt das Gremium künftig als Executive Chairman und bleibt Ansprechpartner für Regierungen und Behörden.
- Arthur Levinson gibt den Vorsitz nach fünfzehn Jahren ab und wird Lead Independent Director.
- Das operative Führungsteam bleibt unverändert; die Hardwareentwicklung liegt bereits seit April bei Johny Srouji.
- Ternus‘ erster großer Auftritt als CEO folgt in acht Tagen bei der Keynote am 9. September.
Was die Führungsseite jetzt zeigt
Ganz oben in den Executive Profiles steht John Ternus, dahinter schlicht die Bezeichnung CEO. Tim Cook taucht in dieser Liste nicht mehr auf – er steht jetzt im Abschnitt zum Board of Directors, dem Verwaltungsrat des Konzerns, als Executive Chairman. Ternus selbst ist in beiden Abschnitten zu finden, weil der Posten des Vorstandschefs bei Apple einen Sitz im Gremium einschließt.
Der Verwaltungsrat besteht damit aus neun Personen: neben Cook, Levinson und Ternus sind das Wanda Austin, Alex Gorsky, Andrea Jung, Monica Lozano, Ron Sugar und Sue Wagner.
Levinson gibt den Vorsitz nach fünfzehn Jahren ab
Der zweite Personalwechsel des Tages betrifft das Gremium selbst. Arthur Levinson stand dem Verwaltungsrat seit 2011 als nicht geschäftsführender Vorsitzender vor, also praktisch über Cooks gesamte Amtszeit. Diese Rolle endet mit dem heutigen Tag: Levinson wird Lead Independent Director, während der Vorsitz an Cook übergeht. Angekündigt hatte Apple das bereits in der Mitteilung vom April, im Schatten der CEO-Personalie ging es allerdings weitgehend unter.

| Person | Rolle bis 31. August | Rolle ab 1. September |
|---|---|---|
| John Ternus | Senior Vice President Hardware Engineering (bis April) | CEO und Mitglied des Verwaltungsrats |
| Tim Cook | CEO und Mitglied des Verwaltungsrats | Executive Chairman |
| Arthur Levinson | Vorsitzender des Verwaltungsrats | Lead Independent Director |
Die Verschiebung ist mehr als eine Titeländerung. Ein Executive Chairman ist im Unterschied zu Levinsons bisheriger Rolle kein unabhängiges Aufsichtsorgan, sondern selbst Teil der Führung. Der Lead Independent Director ist die übliche Antwort darauf: Er bündelt die Stimmen der unabhängigen Mitglieder gegenüber einem Vorsitzenden, der dem Unternehmen angehört.
Das Team, mit dem Ternus startet
Auf der operativen Ebene ändert sich am ersten Tag nichts. Eddy Cue verantwortet weiterhin Services und Health, Craig Federighi die Softwareentwicklung, Greg Joswiak das weltweite Marketing, Sabih Khan als Chief Operating Officer das Tagesgeschäft, Kevan Parekh die Finanzen und Deirdre O’Brien Handel und Personal.

Ternus‘ früheren Zuständigkeitsbereich hat Apple bereits im April neu geordnet: Die Hardwareentwicklung ging an Johny Srouji, der als Chief Hardware Officer nun Chips und Geräteentwicklung zusammenführt, unterstützt von Tom Marieb im Tagesgeschäft. Eine offene Flanke hinterlässt der Aufstieg an die Spitze also nicht. Verändert hat sich zuletzt an anderer Stelle etwas: Phil Schiller gab App Store und Produktveranstaltungen ab und wird auf der Führungsseite nur noch als Apple Fellow geführt.
Warum Cook für Europa der Ansprechpartner bleibt
Apple hat Cooks neue Aufgabe von Anfang an eng umrissen: Er soll das Unternehmen bei bestimmten Themen unterstützen, ausdrücklich im Austausch mit politischen Entscheidungsträgern weltweit. Genau dort liegt für den deutschsprachigen Raum der praktische Unterschied. Cook hat diese Rolle in den vergangenen Monaten sichtbar ausgefüllt, etwa im Gespräch mit der EU-Kommission über Siri AI und im Austausch mit Bayerns Ministerpräsident über den Standort München.
Das ist keine Nebensache, denn die Regulierungsfront bleibt geöffnet. Die überarbeiteten App-Store-Bedingungen für die Europäische Union greifen im Oktober, laufende Verfahren binden weiterhin Kapazitäten. Ternus übernimmt einen Konzern, dessen europäisches Geschäft seit Jahren von Auflagen mitbestimmt wird – die Verhandlungen darüber führt aber vorerst weiter sein Vorgänger.
Der erste Härtetest steht in acht Tagen an
Am 9. September zeigt Apple die neuen iPhones. Es ist die erste Keynote unter Ternus, und sie wird kaum Aufschluss über seinen Kurs geben: Produkte dieser Reihe waren Jahre vor der Übergabe festgelegt, an ihnen hat er ohnehin mitgearbeitet. Dass sich am Kurs kurzfristig ohnehin wenig ändern dürfte, liegt an denselben langen Vorlaufzeiten. Interessanter wird sein, ob er die Veranstaltung selbst eröffnet – eine Rolle, die Cook mehr als ein Jahrzehnt lang ausgefüllt hat und die bei Apple traditionell dem Vorstandschef zufällt.
Ein Wechsel, der sich zuerst auf einer Unterseite von apple.com zeigt und nicht auf einer Bühne, ist genau die geräuschlose Übergabe, die der Verwaltungsrat seit April vorbereitet hat. Wirklich beurteilen lässt sich Ternus erst an den Geräten, die nach seinem Amtsantritt entworfen werden – und die stehen frühestens 2028 im Laden.




Woran würdest du den neuen Vorstandschef nach einem Jahr messen: an den Produkten, am Umgang mit der KI-Baustelle oder daran, wie Apple künftig in Brüssel auftritt?