Am selben Tag, an dem Tim Cook zum letzten Mal als CEO arbeitet, zieht sich auch der dienstälteste sichtbare Manager des Hauses aus seinen operativen Aufgaben zurück. Phil Schiller verantwortet weder den App Store noch die Produktveranstaltungen weiter – bleibt Apple aber erhalten.
Der 31. August 2026 bringt Apple gleich zwei Personalien. Während Tim Cook seinen letzten Arbeitstag als CEO hat, gibt Phil Schiller zwei der sichtbarsten Zuständigkeiten des Konzerns ab: die Verantwortung für den App Store und die für Apples Produktveranstaltungen. Bekannt wurde der Vorgang über einen Bericht von Bloomberg, der sich auf Apple-Beschäftigte stützt.
Das Wichtigste in Kürze
- Phil Schiller, 66, führt weder den App Store noch die Produktveranstaltungen weiter.
- Er verlässt Apple nicht und behält den Titel Apple Fellow; woran er künftig arbeitet, ist offen.
- Der App Store geht an Services-Chef Eddy Cue zurück, bei dem er bis Ende 2015 lag.
- Das Tagesgeschäft des App Store übernimmt Carson Oliver, die Veranstaltungen leitet Nola Weinstein.
- Der Wechsel fällt in die Wochen vor den neuen App-Store-Bedingungen für die EU.
Wer künftig welche Aufgabe übernimmt
Die beiden Bereiche werden getrennt und laufen künftig in unterschiedliche Richtungen. Der App Store wandert zurück in Eddy Cues Ressort – Cue verantwortet bei Apple die Dienste, von Apple TV über Apple Music bis iCloud. Das operative Geschäft des Stores führt Carson Oliver, der seit Jahren im App-Store-Team arbeitet.
Die Produktveranstaltungen übernimmt Nola Weinstein, bislang Schillers Stellvertreterin. Sie berichtet an Kristin Huguet Quayle, Vice President für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Damit rutschen die Keynotes organisatorisch in die Kommunikationsabteilung.
| Aufgabe | Bisher | Künftig |
|---|---|---|
| App Store, Gesamtverantwortung | Phil Schiller | Eddy Cue |
| App Store, Tagesgeschäft | App-Store-Team unter Schiller | Carson Oliver |
| Produktveranstaltungen und Keynotes | Phil Schiller | Nola Weinstein, berichtend an Kristin Huguet Quayle |
| Titel Apple Fellow | Phil Schiller | unverändert Phil Schiller |
Vom Marketingchef zum Apple Fellow
Schiller kam 1987 zu Apple, verließ das Unternehmen 1993 und kehrte 1997 mit Steve Jobs zurück. Als Senior Vice President für weltweites Marketing stand er über zwei Jahrzehnte auf der Bühne, bei iPod, iPhone, iPad und Apple Watch. Ende 2015 übertrug Apple ihm zusätzlich den App Store, der bis dahin bei Eddy Cue lag.
2020 gab Schiller den Marketingposten ab und wurde Apple Fellow – ein Titel, der ihm den App Store und die Veranstaltungen beließ, ihn vom Tagesgeschäft des Marketings aber löste. In den Jahren danach war er das Gesicht Apples in den schwierigsten Auseinandersetzungen um den Store: Er sagte im Verfahren gegen Epic Games aus und übernahm 2024 zusätzlich eine Beobachterrolle im Verwaltungsrat von OpenAI.
Der Zeitaufwand war beträchtlich: Das Wall Street Journal beschrieb Schillers Arbeitswoche 2024 mit annähernd 80 Stunden. Nach Bloombergs Darstellung lesen Beschäftigte im Haus den jetzigen Schritt als weitere Annäherung an den Ruhestand.
Der App Store wechselt kurz vor den neuen EU-Regeln den Chef
Für Nutzer und Entwickler in Deutschland und Österreich ist der Zeitpunkt der eigentliche Punkt an dieser Personalie. Apple und die EU-Kommission haben ihren Streit über den Digital Markets Act Mitte August beigelegt; die neuen App-Store-Geschäftsbedingungen greifen im Oktober. Die Umsetzung dieser Vorgaben – alternative Marktplätze, Verlinkung nach außen, das neue Gebührenmodell – fällt damit erstmals seit Beginn der DMA-Auflagen nicht mehr in Schillers Zuständigkeit, sondern in die von Eddy Cue.
Der App Store ist einer der von der EU-Kommission benannten zentralen Plattformdienste und unterliegt den DMA-Pflichten unmittelbar. In der Schweiz gelten diese Vorgaben nicht: Dort bleibt der App Store der einzige Weg, Apps auf iPhone und iPad zu installieren, und die neuen Bedingungen laufen an den Nutzern vorbei.
Ein Rückzug, der mehr über die neue Führung sagt als über Schiller
Dass ein 66-Jähriger nach fast vier Jahrzehnten kürzertritt, ist für sich genommen wenig überraschend. Bemerkenswert ist die Terminierung: Der Schritt wird am letzten Tag der alten Führung bekannt, nicht in der Ruhe eines beliebigen Quartals. Wer die Aufgaben erbt, sagt einiges über die Gewichte unter John Ternus – Eddy Cues Ressort wächst, und die Keynote-Organisation landet in der Kommunikation statt beim Produktmarketing.
Für dich als Nutzer ändert sich zunächst nichts Sichtbares. Interessant wird es an zwei Stellen: an der Kuratierung des Stores, die Schiller über Jahre persönlich verantwortet hat, und an der Frage, wie streng die neuen EU-Bedingungen ab Oktober ausgelegt werden. Beides hängt künftig an anderen Namen. Dass Ternus den Kurs des Hauses insgesamt eher fortschreibt als umwirft, zeichnete sich schon vor seinem Amtsantritt ab.
Apples Führungsebene sortiert sich neu
Mit Schiller verschwindet der letzte Manager aus einer operativen Schlüsselrolle, der Apple noch aus der Zeit vor Steve Jobs‘ Rückkehr kennt. Der Umbau reicht deutlich weiter: Auch unterhalb der Konzernspitze hat Apple in diesem Jahr mehrere Ressorts neu besetzt, vom Hardware-Bereich bis in die Rechtsabteilung.
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Hältst du es für ein gutes Zeichen, dass der App Store zurück in Eddy Cues Dienste-Ressort wandert – oder gehört ein Store, der in der EU unter Auflagen steht, eher in eine eigene Verantwortung?