Vor einem Jahr war der Generationswechsel an Apples Spitze noch eine Prognose. Inzwischen ist er Realität: Der Chief Operating Officer ist im Ruhestand, der KI-Chef hat das Unternehmen verlassen, die Rechtsabteilung hat eine neue Leitung, und seit dem 1. September führt ein neuer CEO das Unternehmen. Wer heute noch am Tisch sitzt und wer als Nächstes geht.
Apple galt jahrelang als das stabilste Führungsteam im Silicon Valley – dieselben Gesichter, dieselben Zuständigkeiten, über ein Jahrzehnt hinweg. Seit Mitte 2025 löst sich diese Konstanz in einem Tempo auf, das für Apple ungewöhnlich ist. Den sichtbarsten Einschnitt markiert der Wechsel an der Konzernspitze von Tim Cook zu John Ternus, doch der ist nur die letzte Station einer längeren Reihe. Diese Übersicht hält den Stand fest: was sich verändert hat, wer geblieben ist und welche Posten als Nächstes zur Disposition stehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit Sommer 2025 haben mit Jeff Williams, John Giannandrea, Luca Maestri und Katherine Adams gleich vier Mitglieder des engeren Führungskreises ihre Rolle abgegeben oder gewechselt.
- Seit dem 1. September führt John Ternus Apple als CEO; Tim Cook ist als Executive Chair in den Verwaltungsrat gewechselt.
- Sabih Khan führt seit Juli 2025 das operative Geschäft, Kevan Parekh seit Januar 2025 die Finanzen.
- Jennifer Newstead kam im März 2026 von Meta als General Counsel dazu – eine der seltenen Besetzungen von außen.
- Phil Schiller hat App Store und Veranstaltungen Ende August abgegeben und bleibt Apple Fellow; Luca Maestri verantwortet seit der Finanzübergabe die Corporate Services.
Was sich seit Herbst 2025 verändert hat
Die Liste der Veränderungen ist länger als die der Konstanten. Fünf Posten im engeren Führungskreis sind neu besetzt, weitere Zuständigkeiten wurden umverteilt.
| Bereich | Vorher | Heute | Seit |
|---|---|---|---|
| Konzernführung | Tim Cook | John Ternus | 1. September 2026 |
| Verwaltungsratsvorsitz | Arthur Levinson | Tim Cook als Executive Chair | 1. September 2026 |
| Operatives Geschäft | Jeff Williams | Sabih Khan | Juli 2025 |
| Finanzen | Luca Maestri | Kevan Parekh | Januar 2025 |
| Recht | Katherine Adams | Jennifer Newstead | März 2026 |
| Künstliche Intelligenz | John Giannandrea | Amar Subramanya, unter Craig Federighi | Dezember 2025 |
| Hardware-Entwicklung | John Ternus | Johny Srouji als Chief Hardware Officer | April 2026 |
| Regierungsbeziehungen | Lisa Jackson, zuletzt Katherine Adams kommissarisch | Nate Gatten | 31. August 2026 |
| App Store und Veranstaltungen | Phil Schiller | Eddy Cue, Veranstaltungen bei Nola Weinstein | 31. August 2026 |
| Corporate Services | Luca Maestri | Kevan Parekh | August 2026 |
Am gründlichsten aufgeteilt wurde das Ressort von Jeff Williams. Er verantwortete zuletzt Design, Apple Watch und Health – nach seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft und dem offiziellen Ruhestand im November 2025 wanderten die Teile in verschiedene Richtungen.
Der Gesundheitsbereich liegt heute bei Eddy Cue, dessen Titel inzwischen offiziell „Senior Vice President Services and Health” lautet. Das Industriedesign führt Molly Anderson, die Human-Interface-Gestaltung Steve Lemay.
Der Abgang von KI-Chef John Giannandrea hat die Struktur ebenfalls verschoben: Der KI-Bereich sitzt nicht mehr als eigenes Ressort neben der Software, sondern darunter. Amar Subramanya, zuvor 16 Jahre bei Google und zuletzt bei Microsoft, berichtet an Craig Federighi.
Die Regierungsbeziehungen wandern unter die Rechtsabteilung
Ein Wechsel Ende August betrifft einen Bereich, der zuletzt keine dauerhafte Leitung hatte. Lisa Jackson verantwortete neben den Umwelt- und Sozialprogrammen auch die Regierungsbeziehungen; nach ihrem Rückzug übernahm Rechtschefin Katherine Adams den Bereich zusätzlich – ausdrücklich als Übergangslösung.
Zum 31. August hat Nate Gatten den Posten übernommen. Er kommt von American Airlines, wo er die Regierungsbeziehungen seit 2017 führte, und arbeitete zuvor bei JPMorgan Chase und Fannie Mae.
Bemerkenswert ist weniger die Person als die Aufhängung: Gatten berichtet an Jennifer Newstead und damit an die Rechtsabteilung. Was unter Jackson ein eigenständiges Ressort auf Ebene der Senior Vice Presidents war, läuft künftig eine Stufe tiefer und juristisch angebunden.
Der App Store wechselt zurück zu Eddy Cue
Der zweite Wechsel desselben Tages betrifft den Bereich, der Apple in Europa am meisten Aufmerksamkeit einbringt. Phil Schiller hat App Store und Produktveranstaltungen abgegeben und bleibt Apple Fellow. Der App Store liegt damit wieder bei Eddy Cue, der ihn schon einmal verantwortete; das Tagesgeschäft führt Carson Oliver, die Veranstaltungen übernimmt Nola Weinstein.
Der Zeitpunkt hat praktische Folgen für den deutschsprachigen Raum: Die überarbeiteten App-Store-Bedingungen für die Europäische Union greifen im Oktober. Ihre Umsetzung liegt erstmals seit Jahren nicht mehr bei Schiller, der die Regeln über den gesamten Konflikt mit der EU-Kommission hinweg verantwortet hat.
Wer heute an der Spitze steht
Apples Führungsseite listet seit dem 1. September neun Personen. Fünf davon waren schon vor dem Umbruch dabei und sind es geblieben.
| Person | Verantwortung |
|---|---|
| John Ternus | CEO, seit 1. September 2026 |
| Johny Srouji | Chief Hardware Officer |
| Craig Federighi | Software-Entwicklung, zusätzlich KI |
| Eddy Cue | Services und Health, dazu der App Store |
| Sabih Khan | Chief Operating Officer |
| Kevan Parekh | Chief Financial Officer |
| Greg Joswiak | Weltweites Marketing |
| Deirdre O’Brien | Retail und Personal |
| Jennifer Newstead | General Counsel und Government Affairs |
Tim Cook steht dort nicht mehr im Führungsteam, sondern im Verwaltungsrat, den er als Executive Chair anführt. Katherine Adams taucht in der Aufstellung ebenfalls nicht mehr auf; die Government Affairs sind seit Ende August bei Newstead angebunden, ihr Abschied ist für Ende 2026 angekündigt.
Federighi, Cue, Joswiak und O’Brien bilden damit den harten Kern der Kontinuität – vier Namen, die seit der Jobs-Ära oder kurz danach zum Haus gehören. Alles andere um sie herum hat sich innerhalb von vierzehn Monaten bewegt.
Auf der Ebene darunter hat sich zuletzt eine weitere Zuständigkeit verschoben: Luca Maestri, der nach der Übergabe des Finanzressorts an Kevan Parekh die Corporate Services führte, hat auch diesen Bereich abgegeben. Informationssysteme, Informationssicherheit und Immobilien liegen damit ebenfalls bei Parekh. Maestri bleibt im Unternehmen, seine verbliebene Aufgabe ist ein Kurs an der Apple University.
Warum der Umbruch nicht nur eine Altersfrage ist
Die naheliegende Erklärung lautet: Ein Führungsteam, das über Jahre zusammengeblieben ist, erreicht irgendwann geschlossen das Ruhestandsalter. Tim Cook ist 65, John Ternus mit 50 der mit Abstand jüngste im engeren Kreis. Der Altersabstand zwischen abtretender und nachrückender Generation ist bei Apple ungewöhnlich groß.
Vollständig erklärt das den Umbruch aber nicht. Mehrere Abgänge der vergangenen zwei Jahre waren keine Ruhestände, sondern Wechsel zur Konkurrenz – vor allem Meta hat gezielt bei Apple abgeworben, im Design ebenso wie in der KI-Forschung. Apple bestätigte im Dezember 2025 den Weggang zweier weiterer Führungskräfte, und in der KI-Abteilung verlor das Unternehmen ganze Teams an einen einzelnen Wettbewerber.
Auch außerhalb des Führungsteams hat sich die Ebene der Vizepräsidenten verändert: Umweltchefin Lisa Jackson ging nach 13 Jahren, Fitnesschef Jay Blahnik verabschiedete sich im Juli 2026, und im Oktober folgt Jennifer Bailey, die Apple Pay seit dem Start 2014 verantwortet und den Dienst in über 80 Länder gebracht hat. Ihre Nachfolge will Apple vor ihrem Abschied benennen.
Wer als Nächstes an der Reihe sein dürfte
Zwei Namen tauchen in Berichten über die kommenden Jahre regelmäßig auf. Phil Schiller gehört seit 1987 zu Apple und hat mit dem App Store Ende August seine letzte Linienverantwortung abgegeben; der Titel Apple Fellow bedeutet eher Einfluss als Zuständigkeit. Luca Maestri hat das Finanzressort bereits abgegeben und verantwortet mit den Corporate Services einen Bereich abseits des Produktgeschäfts.
Beide Konstellationen folgen einem Muster, das Apple wiederholt angewendet hat: Wer die Kernverantwortung abgibt, bleibt zunächst in einer flankierenden Rolle, bevor er ganz geht. Bei Maestri hat sich dieser Weg über anderthalb Jahre gezogen, bei Katherine Adams läuft er seit dem Wechsel in die Government Affairs – deren operative Leitung sie Ende August abgegeben hat, während ihr Abschied für Ende 2026 angekündigt ist. Ob das Muster Bestand hat, ist allerdings offen: Menschen im Umfeld des Konzerns erwarten, dass Ternus ausscheidende Führungskräfte künftig nicht mehr in kleineren Rollen hält.
Umgekehrt gilt: Ternus hat bereits begonnen, sein eigenes Team zusammenzustellen. Die Rückholung von Laura Legros aus dem Ruhestand ist die erste Personalie, die vollständig auf ihn zurückgeht, und der Umbau der Produktentwicklung unter Srouji lief bereits mit ihm als designiertem Nachfolger.
Ein Umbau, der fast ohne Außenstehende auskommt
Bemerkenswert an dieser Umbruchphase ist weniger ihr Tempo als ihre Richtung. Von allen neu besetzten Spitzenposten ging genau einer an eine Person von außen – Jennifer Newstead als General Counsel. Alle anderen Nachfolger arbeiteten bereits jahrelang im Haus, teils jahrzehntelang.
Eine Stufe tiefer sieht das inzwischen anders aus. Mit Nate Gatten holt Apple auch die Leitung der Regierungsbeziehungen von außen – die zweite Besetzung binnen weniger Monate, bei der das Unternehmen nicht auf eigene Leute zurückgreift.
Für das Produktgeschäft bleibt es trotzdem bei der Kontinuität, und das hat eine praktische Konsequenz: Wenn du auf sichtbare Kursänderungen im Portfolio wartest, ist der kommende Herbst der falsche Zeitpunkt. Die Hardware der nächsten zwei Jahre wurde unter Cook freigegeben, und die Menschen, die sie entwickelt haben, sind dieselben geblieben.
Ein Risiko bleibt trotzdem. Ein Führungsteam, das fast ausschließlich aus sich selbst nachwächst, reproduziert seine Stärken – aber auch seine blinden Flecken. Ausgerechnet im KI-Bereich, wo Apple den größten Rückstand hat, musste das Unternehmen von außen holen und verlor gleichzeitig Personal an die Konkurrenz. Ob daraus ein Muster wird, dürfte die interessantere Frage der nächsten Jahre sein als die Frage nach dem CEO.
Apples Führungswechsel – das Wichtigste auf einen Blick
Der Generationswechsel, der 2025 noch als Ausblick beschrieben wurde, hat sich innerhalb von vierzehn Monaten vollzogen. Fünf von sechs Schlüsselpositionen sind neu besetzt, die sechste wechselte am 1. September, und die Ebene der Vizepräsidenten hat sich parallel dazu spürbar verjüngt.
Was gleich bleibt, ist die Methode: Apple besetzt aus den eigenen Reihen, verteilt Verantwortung in Etappen und vermeidet Brüche. Wenn du wissen willst, wie sich das Unternehmen unter neuer Führung entwickelt, liegt die Antwort weniger in den Namen als in dieser Systematik. Den jeweils aktuellen Stand führt Apple auf seiner Übersicht zum Führungsteam; diese Seite hier wird bei jeder größeren Veränderung nachgezogen.





Hältst du es für eine Stärke, dass Apple fast nur aus den eigenen Reihen besetzt – oder bräuchte es gerade bei der KI mehr Leute von außen?