Seit Dienstag führt John Ternus Apple – und seit Dienstagabend ist auch bekannt, was der Konzern ihn kosten soll. Drei Millionen Dollar Fixgehalt, dazu ein Aktienpaket mit einem Zielwert von 55 Millionen Dollar. Tim Cook bekommt für seine neue Rolle im Verwaltungsrat ein eigenes Paket, das anders zusammengesetzt ist als seine bisherigen.
Apple hat am Abend des 1. September eine Ergänzung zur ursprünglichen Meldung über den Führungswechsel bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Das Formular 8-K/A trägt die Unterschrift von General Counsel Jennifer Newstead und liefert die Zahlen nach, die in der Mitteilung vom April noch ausdrücklich offengelassen worden waren. Beide Regelungen gelten rückwirkend zum Stichtag des Amtswechsels, also zu dem Tag, an dem Ternus die Führung übernommen hat und Cook ins Board gewechselt ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Ternus erhält ein Fixgehalt von drei Millionen Dollar und für das Geschäftsjahr 2027 ein Aktienpaket mit einem Zielwert von 55 Millionen Dollar.
- 75 Prozent des Pakets hängen an Apples Aktienrendite im Vergleich zu den übrigen Unternehmen im S&P 500.
- Für seine Dienstzeit als CEO im laufenden Geschäftsjahr 2026 kommt eine anteilige Zuteilung mit einem Zielwert von 2,5 Millionen Dollar dazu.
- Cook erhält als Executive Chair zwei Millionen Dollar Gehalt und ein Aktienpaket über 45 Millionen Dollar – je zur Hälfte zeit- und leistungsabhängig.
- Cooks niedrigeres Fixgehalt greift erst zum 26. September, gut drei Wochen nach dem Amtswechsel.
Drei Millionen Fixgehalt, 55 Millionen in Aktien
Das Jahresgehalt des seit 2001 bei Apple beschäftigten Ingenieurs wurde zum Stichtag auf drei Millionen Dollar angehoben. Das ist exakt der Betrag, den Cook seit 2016 unverändert bezogen hat. Am selben Tag genehmigte das zuständige Board-Komitee eine anteilige Zuteilung von Restricted Stock Units für Ternus‘ Dienstzeit als CEO im laufenden Geschäftsjahr, mit einem Zielwert von 2,5 Millionen Dollar.
Das eigentliche Paket folgt im Geschäftsjahr 2027 und hat einen Zielwert von 55 Millionen Dollar. Ein Viertel davon wird zeitabhängig zugeteilt und läuft in gleichen Raten von 12,5 Prozent halbjährlich über vier Jahre. Die restlichen drei Viertel sind an Apples Total Shareholder Return gebunden, gemessen an den übrigen Unternehmen im S&P 500.
Der Zielwert ist dabei nicht der Auszahlungsbetrag. Bei leistungsabhängigen Zuteilungen dieser Art entscheidet die Platzierung im Index darüber, ob am Ende weniger, genauso viel oder ein Vielfaches der Zielmenge an Anteilen anfällt.
Cooks Paket als Executive Chair
Nach 15 Jahren an der Konzernspitze wechselt Cook in den Verwaltungsrat und behält dort eine operative Rolle. Sein Jahresgehalt sinkt auf zwei Millionen Dollar – allerdings erst mit Wirkung zum 26. September 2026 und damit gut drei Wochen nach dem Wechsel an der Spitze. Bis dahin läuft die bisherige Höhe weiter.
Für das Geschäftsjahr 2027 hat das Komitee ihm ein Aktienpaket mit einem Zielwert von 45 Millionen Dollar bewilligt. Anders als bei Ternus ist es hälftig aufgeteilt: 50 Prozent zeitabhängig mit derselben halbjährlichen Staffelung über vier Jahre, 50 Prozent gebunden an die Aktienrendite gegenüber dem S&P 500.
Dazu kommt eine Klausel für den Ruhestand. Tritt Cook nach dem ersten Jahrestag der Zuteilung ab, verfällt das Paket nicht – die Anteile werden weiterhin zu den ursprünglich vorgesehenen Terminen abgerechnet, bei der leistungsabhängigen Hälfte weiterhin abhängig von der erreichten Platzierung.
Zielwerte im Vergleich: 58 gegen 59 Millionen Dollar
Fixgehalt und Aktienpaket zusammengerechnet ergeben für Ternus 58 Millionen Dollar, für Cook 47 Millionen Dollar. Zum Vergleich lohnt Cooks bisherige Zielvergütung: Apple hatte sie für das Geschäftsjahr 2025 auf 59 Millionen Dollar festgelegt, wie aus dem Proxy Statement vom Januar hervorgeht. Darin steckte neben Gehalt und Aktienpaket ein Barbonus mit einem Zielwert von sechs Millionen Dollar, was 200 Prozent des Fixgehalts entsprach. Für Ternus nennt die aktuelle Mitteilung nur zwei Bestandteile.
| Bestandteil | Ternus, Geschäftsjahr 2027 | Cook, Geschäftsjahr 2027 | Cook, Geschäftsjahr 2025 |
|---|---|---|---|
| Fixgehalt | 3 Mio. Dollar | 2 Mio. Dollar | 3 Mio. Dollar |
| Aktienpaket (Zielwert) | 55 Mio. Dollar | 45 Mio. Dollar | 50 Mio. Dollar |
| davon leistungsabhängig | 75 Prozent | 50 Prozent | 75 Prozent |
| Barbonus (Zielwert) | – | – | 6 Mio. Dollar |
| Zielvergütung gesamt | 58 Mio. Dollar | 47 Mio. Dollar | 59 Mio. Dollar |
Tatsächlich ausgezahlt wurde Cook für das Geschäftsjahr 2025 deutlich mehr, nämlich 74,3 Millionen Dollar. Der Unterschied entsteht vor allem beim Bonus: Statt der sechs Millionen Zielwert flossen zwölf Millionen, also das Doppelte. Dazu kamen 57,5 Millionen Dollar an Aktienzuteilungen, bewertet zum Zeitpunkt der Gewährung, und rund 1,8 Millionen Dollar an sonstigen Leistungen.
Der leistungsabhängige Anteil wandert mit dem Amt
Die 75-Prozent-Quote ist kein Standard bei Apple, sondern das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit den Aktionären. Bis 2022 war Cooks Aktienpaket hälftig aufgeteilt. Auf der Hauptversammlung im selben Jahr stimmten nur 64 Prozent der Anteilseigner der Vergütungspolitik zu – ein Einbruch gegenüber den Vorjahren, den Apple im folgenden Proxy Statement offen benannte und auf Größe und Struktur der Zuteilungen an Cook zurückführte. Für 2023 senkte das Komitee daraufhin den Zielwert um knapp 40 Prozent auf 40 Millionen Dollar und hob den leistungsabhängigen Anteil von 50 auf 75 Prozent an. Diese Struktur galt seither für Cook, während alle übrigen Führungskräfte bei 50 zu 50 blieben.
Genau diese Trennlinie zieht Apple nun neu. Ternus übernimmt mit dem Amt auch die strengere Quote. Cook rutscht als Executive Chair auf die Aufteilung zurück, die für die übrigen Mitglieder der zuletzt mehrfach umgebauten Führungsriege gilt. Der Zuschnitt hängt damit an der Position, nicht an der Person – ein Detail, das sich erst im Vergleich mit den Vorjahresunterlagen zeigt.
Ein DAX-Chef verdient ein Fünftel davon
Für den deutschsprachigen Raum liefert die Vorstandsvergütungsstudie der DSW und der TU München den Maßstab, die im August für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt wurde. Ein DAX-Vorstandsvorsitzender kam darin im Schnitt auf 6,137 Millionen Euro. Spitzenverdiener war SAP-Chef Christian Klein mit 10,851 Millionen Euro, gefolgt von Christian Sewing (Deutsche Bank) mit 10,501 Millionen und Bjørn Gulden (Adidas) mit 9,830 Millionen Euro.
Dieselbe Auswertung führt Cook für das Geschäftsjahr 2025 mit umgerechnet 65,8 Millionen Euro auf Rang drei der Dow-Jones-Unternehmen, hinter David Solomon (Goldman Sachs, 105,3 Millionen) und Satya Nadella (Microsoft, 85,5 Millionen). 28 der 30 dort gelisteten Konzernchefs verdienten mehr als der bestbezahlte DAX-Vorstandsvorsitzende.
Der Abstand erklärt sich weniger über die Gehälter als über die Struktur. Im Dow Jones entfielen 2025 im Schnitt 78,3 Prozent der Gesamtvergütung auf langfristige, überwiegend aktienbasierte Bestandteile, während das Fixgehalt nur 8,6 Prozent ausmachte. Im DAX lag der langfristig variable Anteil bei 43,3 Prozent, der Fixanteil bei 30,4 Prozent. Die DSW hält Vergütungen dieser Größenordnung für den deutschen Kontext ausdrücklich nicht für ein Vorbild und verweist auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Unternehmensführung.
Fünf Prozent Fixum, der Rest hängt am Kurs
Die eigentliche Aussage des Dokuments steckt nicht in der Summe, sondern im Verhältnis. Vom Zielwert für Ternus entfallen drei Millionen auf das Fixgehalt, also gut fünf Prozent. Apple hat diese Aufteilung schon bei Cook so ausgewiesen und beschreibt sie als Kopplung an den langfristigen Unternehmenserfolg. Sie hat aber eine zweite Seite: In einem Markt, der über Jahre steigt, wachsen Aktienpakete mit, ohne dass sich daraus ablesen ließe, welcher Teil auf die Arbeit des Managements zurückgeht. Die relative Messung gegen den S&P 500 mildert das ab, hebt es aber nicht auf.
Praktisch heißt das für Leser hierzulande vor allem eines: Wer Apples Vergütung mit deutschen Zahlen vergleicht, vergleicht zwei unterschiedliche Systeme. Ein DAX-Vorstand bekommt knapp ein Drittel seiner Vergütung als festen Betrag, ein US-Konzernchef weniger als ein Zehntel. Die absoluten Beträge sind deshalb nur bedingt aussagekräftig – der Unterschied liegt darin, wie viel überhaupt vom Kurs abhängt.
Die belastbaren Zahlen kommen erst im Januar
Was am Ende tatsächlich fließt, steht erst fest, wenn Apple die Vergütung für das laufende Geschäftsjahr offenlegt. Das Proxy Statement zum Geschäftsjahr 2025 erschien am 8. Januar 2026; nach demselben Muster ist die Aufstellung mit Ternus‘ ersten Zahlen im Januar 2027 zu erwarten. Sie wird auch zeigen, ob neben Gehalt und Aktienpaket ein Barbonus dazukommt. Bis dahin bleibt der aktuelle Stand das, was er ist: eine Zielgröße, die die Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung bewerten können – so wie sie es 2022 schon einmal getan haben, mit spürbaren Folgen.



Hältst du ein Aktienpaket, das zu drei Vierteln an der Kursentwicklung gegenüber dem S&P 500 hängt, für den richtigen Maßstab – oder belohnt es am Ende vor allem einen guten Börsenjahrgang?