Vor der WWDC im Juni war fast jedes größere iOS-27-Detail bereits durchgesickert – und das meiste davon hat Apple auf der Bühne bestätigt. Fünf Punkte aus denselben Vorabberichten sind allerdings bis heute in keiner Beta aufgetaucht. Ob sie noch in die Erstversion rutschen oder erst mit einem Nachfolge-Update kommen, ist offen.
Apple hat iOS 27 am 8. Juni 2026 vorgestellt und noch am selben Tag die erste Entwickler-Beta ausgeliefert. Seitdem sind vier Testversionen erschienen, zuletzt Beta 4 am 20. Juli; Beta 5 wird Anfang August erwartet. Der Funktionsumfang ist damit weitgehend absehbar – mit einer Lücke: Mehrere Funktionen, die Mark Gurman in seiner Bloomberg-Vorschau vom 5. Juni beschrieben hatte, fehlen in allen bisherigen Builds. Das muss keine Absage sein, denn Apple reicht Features regelmäßig erst mit einem Punkt-Update nach. Bei drei der fünf Punkte hängt der Zeitpunkt für Nutzer in Deutschland und Österreich ohnehin an einer ganz anderen Frage.
Chatbot-Auswahl in Siri steht bisher nur auf dem Papier
Siri soll sich laut Gurman für Chatbots außerhalb von OpenAI öffnen. In der Such- und Frageansicht sollen Nutzer zwischen mehreren Anbietern umschalten können; Apple hat dem Bericht zufolge neben ChatGPT auch Claude und Gemini getestet.
Die Oberfläche dafür steckt bereits in iOS 27. Nur lässt sich dort aktuell ausschließlich ChatGPT auswählen – dieselbe Anbindung, die es schon unter Apple Intelligence gibt. Die technische Vorbereitung ist also sichtbar, die zusätzlichen Anbieter sind es nicht. Eine Modellauswahl mit mehreren KI-Anbietern zeichnete sich bereits im Mai ab.
Bilder und Texte sollen fremde KI-Modelle nutzen können
Denselben Weg soll Apple bei den generativen Funktionen gehen. Image Playground und die Schreibwerkzeuge greifen bisher auf ChatGPT zurück; künftig sollen sich Alternativen über die jeweilige App aus dem App Store nachinstallieren lassen. Auch hier nennt der Bericht Claude und Gemini als getestete Kandidaten.
In der laufenden Beta gibt es davon nichts zu sehen. Image Playground und die Schreibwerkzeuge arbeiten unverändert mit Apples eigenen Modellen und ChatGPT. Beide Öffnungen dürften technisch am selben Unterbau hängen und deshalb gemeinsam erscheinen.
Health-App wartet auf die abgespeckten KI-Funktionen
Die Gesundheits-App soll eine Reihe von KI-Funktionen bekommen, die ursprünglich zu einem umfassenden Coaching-Dienst gehörten. Intern lief das Vorhaben unter dem Namen Mulberry und wurde deutlich zurückgestutzt. Übrig bleiben laut Bericht ein verbessertes Tracking rund um Blutzuckerwerte sowie die Möglichkeit, ein Workout über die Gerätekamera zu beobachten.
Für die Erstversion von iOS 27 ist beides nicht vorgesehen – Apple könnte die Funktionen sogar zu einem völlig anderen Anlass als der WWDC zeigen. Der Coaching-Dienst hatte sich bereits im Frühjahr verzögert, während die übrigen Health-Neuerungen von iOS 27 von Ernährungsprotokollen bis zu Menopause-Funktionen planmäßig in der Beta stecken.
Kamera-Oberfläche soll frei belegbar werden
Die Kamera-App soll sich vollständig anpassen lassen: Nutzer sollen selbst bestimmen, welche Bedienelemente am oberen Rand liegen. Gurman bezeichnet diese Elemente als Widgets.
Verändert hat sich die App in iOS 27 durchaus – sie hat einen eigenen Siri-Modus bekommen, der Bildinhalte auswerten kann. Frei konfigurierbar ist die Oberfläche aber nicht. Denkbar ist, dass Apple die Anpassung erst zur Vorstellung der neuen iPhone-Generation freischaltet, wo sie sich als Verkaufsargument besser macht.
Zwei Apps nebeneinander auf dem iPhone Ultra
Der fünfte Punkt stammt nicht aus der WWDC-Vorschau, sondern aus einem Gurman-Bericht vom März: iOS 27 soll echtes Multitasking mit zwei nebeneinander laufenden Apps bringen, sobald Apples faltbares Modell auf dem Markt ist. Vorbereitungen sind unübersehbar, denn auffällig viele Apple-Apps beherrschen in iOS 27 plötzlich den Querformat-Betrieb.
Der Zeitpunkt hängt damit nicht an der Software, sondern am Gerät. Die Nebeneinander-Ansicht auf dem iPhone Ultra gehört seit Anfang Juni zu den erwarteten Software-Merkmalen des Geräts und fügt sich in das bisher bekannte Bild zum Foldable, dessen Marktstart im Herbst liegen soll.
Warum zwei dieser Funktionen an der EU-Frage hängen
Für iPhone- und iPad-Nutzer in Deutschland und Österreich ist die Beta-Lücke nicht die entscheidende Hürde. Apple hat am 8. Juni im eigenen Newsroom bestätigt, dass Siri AI in der Europäischen Union nicht zum Start von iOS 27 und iPadOS 27 erscheint, und auch weitere daran hängende Funktionen zunächst gesperrt bleiben. Craig Federighi begründete das mit den Interoperabilitätsvorgaben des Digital Markets Act; die Kommission hat weder Apples technischen Vorschlag eines vermittelnden Systemdienstes noch eine schrittweise Einführung über 18 Monate akzeptiert. Ein Termin steht bis heute nicht fest, obwohl Tim Cook Anfang Juli persönlich mit EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen sprach. Warum der DMA Siri AI auf iPhone und iPad stoppt, lässt sich an dieser Auseinandersetzung im Detail nachvollziehen.
Die Chatbot-Umschaltung sitzt genau in dem Teil, der davon betroffen ist. Bemerkenswert daran: Sie wäre inhaltlich das, was Brüssel fordert – die Öffnung für konkurrierende Assistenzsysteme. Apples Modell bleibt jedoch eine kuratierte Auswahl innerhalb der eigenen Oberfläche, während die Kommission auf gleichberechtigten technischen Zugang für Wettbewerber besteht. Genau diese Differenz löst das geplante Feature nicht auf.
Nicht betroffen sind macOS 27, visionOS 27 und watchOS 27: Dort steht Siri AI auch in der EU zur Verfügung. Die Chatbot-Auswahl könnte in Deutschland und Österreich also zuerst auf dem Mac ankommen und erst später auf dem iPhone – eine für Apple-Verhältnisse ungewöhnliche Reihenfolge. Bei den generativen Funktionen in Image Playground und den Schreibwerkzeugen hat Apple bislang keine EU-Einschränkung genannt; hier ist der Ausgang offen. Die Schweiz fällt nicht unter den DMA und bekommt Siri AI regulär – wobei dort wie überall gilt, dass die Assistenz zunächst nur auf Englisch startet. Welche Funktionen in der EU derzeit fehlen, wächst mit jeder Systemgeneration weiter.
Apples KI-Öffnung braucht länger als das Update selbst
Der Kern von iOS 27 steht: Die Assistenz ist neu gebaut, die Oberfläche überarbeitet, Beta 5 folgt Anfang August. Was fehlt, ist ausgerechnet der Teil, mit dem Apple sein KI-System für andere Anbieter aufmacht. Dass die Schnittstellen dafür sichtbar angelegt sind, spricht dafür, dass die Arbeit weit gediehen ist – über den Termin entscheiden bei zwei der fünf Punkte allerdings nicht die Entwickler in Cupertino, sondern der Ausgang eines Regulierungsstreits. (Bild: Shutterstock / Bangla press)
- Apple: Drei Smart-Home-Geräte stehen kurz vor dem Start
- Apple ist erstmals fünf Billionen Dollar wert
- Apple Upgrade startet: Leasing statt Kauf – vorerst nur in den USA
- Ternus bekennt sich zum Kurs von Apple TV
- Severance: Die Dreharbeiten zu Staffel 3 haben begonnen
- iOS 26.6 schließt 78 Sicherheitslücken auf iPhone und iPad
- Amazon plant 5.105 Satelliten für iPhone-Funktionen
- iOS 26.6 ist da: Diese Neuerungen bringt das Update
- Silo Staffel 4 startet im Sommer 2027



