Amazon hat bei der US-Regulierungsbehörde einen Antrag für ein Netz aus bis zu 5.105 Satelliten eingereicht. Betrieben werden soll es mit dem Funkspektrum von Globalstar – jener Firma, die heute sämtliche Satellitenfunktionen von iPhone und Apple Watch trägt. Bis davon etwas beim Nutzer ankommt, vergehen allerdings noch Jahre.
Der Antrag ist der nächste Schritt in einem Umbau, der seit dem Frühjahr läuft. Amazon übernimmt Globalstar und hat dabei auch Apples 20-Prozent-Anteil an dem Satellitenbetreiber eingesammelt. Apple und Amazon einigten sich im Mai darauf, dass das bestehende Globalstar-Netz künftig neben Amazons eigener Konstellation Leo weiterläuft und beide zusammen die Satellitendienste auf Apple-Geräten tragen. Was bisher fehlte, war die technische Dimension dieses Plans – und die fällt größer aus als erwartet.
Was bei der Behörde eingereicht wurde
Amazon beantragt bei der Federal Communications Commission ein Netz aus bis zu 5.105 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn. Sie sollen Sprache, Daten, Nachrichten und Notfalldienste direkt an Endgeräte übertragen – ohne Zusatzhardware, sofern das Gerät einen satellitenfähigen Chipsatz mitbringt. Genau das trifft auf aktuelle iPhone-Modelle und die Apple Watch Ultra 3 zu.
Verteilt wird die Konstellation auf fünf Orbitalschalen. Drei davon zielen auf dicht besiedelte Regionen, die übrigen dehnen die Abdeckung in Richtung der Polargebiete aus. Amazon verspricht sich davon höhere Geschwindigkeiten und mehr Durchsatz als beim heutigen Stand.
In seiner Ankündigung nennt Amazon die Vereinbarung mit Apple ausdrücklich: Das Netz soll Notruf SOS über Satellit, Nachrichten, „Wo ist?“ und die Pannenhilfe auf unterstützten iPhone- und Apple-Watch-Modellen tragen – und darüber hinaus als Grundlage für gemeinsam entwickelte künftige Dienste dienen.
Zwei dieser vier Dienste gibt es hier gar nicht
Die Aufzählung liest sich vollständiger, als sie für den deutschsprachigen Raum ist. Von den vier genannten Funktionen sind hierzulande nur zwei nutzbar:
| Funktion | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Notruf SOS über Satellit | verfügbar | verfügbar | verfügbar |
| „Wo ist?“ über Satellit | verfügbar | verfügbar | verfügbar |
| Nachrichten über Satellit | nein | nein | nein |
| Pannenhilfe über Satellit | nein | nein | nein |
Notruf SOS über Satellit startete in Deutschland im Dezember 2022, gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien und Irland; Österreich und die Schweiz kamen im Zuge der weiteren Ausbaustufen dazu. Nachrichten über Satellit beschränkt Apple bis heute auf die USA, Kanada, Mexiko und Japan. Die Pannenhilfe läuft in den USA, Großbritannien und Australien – ein Dienst, der ohnehin auf lokale Abschleppnetze angewiesen ist.
Welche Funktion in welchem Land freigeschaltet ist, unterscheidet sich damit erheblich. Apple begründet das mit den erforderlichen Genehmigungen und der Regulierung durch die jeweiligen Behörden. Ein größeres Netz allein löst dieses Problem nicht: Die FCC ist eine US-Behörde, und für den Betrieb über Europa braucht es eigene Zulassungen.
Der Zeitplan reicht weit ins Jahrzehnt
Kurzfristig ändert sich nichts. Amazon will die Satelliten ab 2028 in Betrieb nehmen. Die Übernahme von Globalstar soll 2027 abgeschlossen sein, vorbehaltlich der kartellrechtlichen Freigaben. Bis dahin läuft alles unverändert über die bestehende Globalstar-Infrastruktur.
Zum Vergleich fällt die Zahl 5.105 zudem kleiner aus, als sie klingt. Starlink hat bereits ein Vielfaches davon im Orbit und bietet mit seinem Direct-to-Cell-Angebot einen vergleichbaren Dienst an. Apple wiederum dominiert den Markt für Satelliten-Smartphones bislang klar – allerdings auf Basis eines Netzes, das genau jetzt den Eigentümer wechselt.
Apples Satellitenstrategie hängt an fremder Hardware
Bemerkenswert ist weniger die Zahl der Satelliten als die Konstellation dahinter: Apple hat seinen Anteil am Betreiber abgegeben und ist damit vollständig Kunde geworden, statt Miteigentümer zu sein. Die technische Grundlage einer Funktion, die Apple seit Jahren als Sicherheitsargument für das iPhone führt, liegt künftig bei einem Konzern, der in anderen Bereichen direkt konkurriert.
Ob daraus mehr wird als der Weiterbetrieb des Bestehenden, entscheidet sich am Ausbau der Dienste. Für das iPhone 18 Pro steht eine deutlich weitergehende Satellitenanbindung im Raum – die bräuchte allerdings genau die Kapazität, die Amazon frühestens 2028 liefern kann. (Bild: Shutterstock / Dragon Claws)
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