Apple arbeitet nicht an einem Modell mit Kameras, sondern an zwei – und die weniger bekannte Ausführung ist offenbar deutlich weiter als gedacht. Während die seit Jahren verfolgte Variante bei 2027 bleibt, taucht die zweite in Apples interner Planung bereits für dieses Jahr auf.
Kamera-Ohrhörer gelten seit Anfang 2024 als Apples nächster großer Schritt bei tragbarer Technik: Miniaturkameras in den Stielen sollen die Umgebung erfassen und die Daten an die KI-Funktionen des iPhones weiterreichen. Der Weg dorthin verlief allerdings alles andere als gerade, mit fortgeschrittenen Tests im Frühjahr, einer Verschiebung auf 2027 und zuletzt sogar einer Meldung über einen kompletten Entwicklungsstopp. Ein neuer Bericht aus dem Bloomberg-Newsletter Power On ordnet diese widersprüchlichen Meldungen nun anders, als es die bisherige Gerüchtelage zu den AirPods Ultra nahelegte – weil sie sich möglicherweise gar nicht auf dasselbe Produkt beziehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple entwickelt zwei Ausführungen der Kamera-AirPods parallel: B798 und B790
- B798 bleibt bei einem Start im Jahr 2027, B790 steht laut interner Roadmap schon für dieses Jahr
- Verweise auf B790 sind bereits im Code von iOS 27 aufgetaucht
- Unklar bleibt, worin sich beide Modelle unterscheiden und ob überhaupt beide erscheinen
- Der zentrale KI-Nutzen hängt an Siri AI – und damit an einer Funktion, die auf iPhone und iPad in der EU nicht startet
Zwei Entwicklungslinien mit unterschiedlichen Zeitplänen
Alle bisherigen Berichte über kamerabestückte AirPods drehten sich um ein einziges Gerät mit der internen Bezeichnung B798. Genau dieses Modell war ursprünglich für 2026 vorgesehen und wurde später auf 2027 verschoben.
Daneben existiert dem Bericht zufolge eine zweite Ausführung namens B790, die intern für einen Marktstart frühestens in diesem Jahr geführt wird. Dass Apple konkurrierende Fassungen desselben Produkts parallel entwickeln lässt, ist im Unternehmen gängige Praxis.
| Merkmal | B790 | B798 |
|---|---|---|
| Erwarteter Start | frühestens dieses Jahr | 2027 |
| Erstmals bekannt | Juli 2026 über Beta-Code | Februar 2024 |
| Entwicklungsstand | laut Roadmap weiter fortgeschritten | mehrfach verschoben |
| Vermutete Rolle | einfachere Ausführung | technisch aufwendigere Version |
Welche technischen Unterschiede zwischen beiden Fassungen bestehen, ist offen. Ebenso wenig ist gesichert, dass beide Modelle überhaupt in den Handel kommen – interne Parallelentwicklungen enden regelmäßig damit, dass nur eine Variante überlebt.
Was der iOS-27-Code bereits verriet
Die Bezeichnung B790 ist kein völlig neuer Fund. Anfang Juli stieß ein Entwickler in der zweiten Beta von iOS 27 auf Verweise, die auf ein bislang unbekanntes Apple-Wearable mit Kameras hindeuteten.
Dass ein Produkt bereits in ausgeliefertem Betriebssystem-Code auftaucht, ist ein belastbareres Signal als jede Roadmap-Meldung. Software-Vorbereitungen dieser Art beginnen üblicherweise erst, wenn die Hardware weitgehend feststeht.
Der gemeldete Entwicklungsstopp im neuen Licht
Anfang Juli sorgte ein Prototypensammler für Aufsehen, der auf X von einem ausgesetzten Kamera-AirPods-Projekt sprach. Die Meldung stand im Widerspruch zu Bloomberg-Berichten aus dem Mai, wonach die Entwicklung eine entscheidende Testphase erreicht hatte.
Die Zwei-Varianten-Struktur bietet dafür eine mögliche Erklärung: Ein Stopp könnte sich auf B798 bezogen haben, während B790 weiterlief. Bewiesen ist das nicht, es passt aber besser zur Faktenlage als die Annahme, dass ein nahezu fertiges Produkt binnen weniger Wochen komplett eingestellt und dann doch wieder aufgenommen wurde.
Bei der Quellenbewertung hilft die Trefferbilanz: Mark Gurman gilt bei Produktfahrplänen als zuverlässigste Einzelquelle im Apple-Umfeld, während der Prototypensammler zwar korrekte Hinweise geliefert hat – etwa zum Metallgehäuse des iPhone-16-Pro-Akkus -, bei Zeitplänen aber schon danebenlag.
Längere Stiele und eine Leuchtanzeige
Zum Aufbau der Kamera-AirPods gibt es bislang nur wenige konkrete Angaben. Früheren Berichten zufolge sollen die Stiele länger ausfallen als bei den AirPods Pro, um die Kameramodule unterzubringen.
Hinzu kommen soll eine Leuchtanzeige, die signalisiert, wenn Daten in die Cloud übertragen werden. Damit greift Apple ein Muster auf, das von Kameras an Notebooks und Smart-Home-Geräten bekannt ist: Eine sichtbare Anzeige soll das Umfeld darüber informieren, dass gerade erfasst wird.
Ohne Siri AI auf dem iPhone fehlt den Ohrhörern ihr Zweck
Kameras im Ohr ergeben nur dann Sinn, wenn das gekoppelte iPhone etwas mit den Bilddaten anfangen kann. Genau hier liegt für Käufer in Deutschland, Österreich und weiten Teilen Europas das Problem: Siri AI startet auf iPhone und iPad in der EU vorerst nicht, weil sich Apple und die Kommission über die Auslegung des Digital Markets Act nicht einigen. Einen Zeitplan nennt Apple ausdrücklich nicht.
Die Schweiz ist davon ausgenommen: Als Nicht-EU-Land fällt sie nicht unter den DMA, dort greifen die Einschränkungen nicht. Für den deutschen und österreichischen Markt dagegen droht ein Zubehörteil, dessen Kernfunktion am Hauptgerät fehlt – solange sich an der Lage nichts ändert, wäre der Kauf hierzulande ein Wetteinsatz auf eine politische Einigung. Was heute schon geht, zeigt die bestehende Bilderkennung: Visual Intelligence lässt sich auf dem iPhone bereits nutzen, nur eben ohne die neue Assistenzgeneration dahinter. Wie groß der Rückstand insgesamt ist, zeigt die Liste der in der EU fehlenden Apple-Funktionen.
Apples erstes KI-Wearable rückt in Reichweite
Mit B790 verschiebt sich der mögliche Starttermin von einem abstrakten „irgendwann 2027“ auf einen Zeitraum, der bereits das laufende Jahr umfasst. Damit rückt auch die gemeinsam mit dem Jubiläums-iPhone geplante Produktoffensive enger zusammen.
Ob daraus tatsächlich eine Vorstellung im Herbst wird, bleibt Spekulation – Apple hat weder das Produkt noch einen Termin bestätigt. Die Kombination aus Code-Verweisen und interner Terminplanung ist allerdings das deutlichste Signal, das es zu diesem Produkt bislang gab. (Bild: Apfelpatient)
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