Apple baut die Wallet-App in iOS 27 spürbar aus und rückt dem Ziel näher, die physische Geldbörse überflüssig zu machen. Von neu gestalteten Pässen über digitale Hotelschlüssel bis zur KI-gestützten Rechnungsteilung kommen gleich sieben Funktionen hinzu – einige davon allerdings mit deutlichen regionalen Haken.
Die Wallet-App entwickelt sich seit Jahren vom reinen Zahlungswerkzeug zur zentralen Ablage für Tickets, Ausweise und Karten aller Art. Mit iOS 27 setzt Apple diesen Kurs konsequent fort und ergänzt die App um sieben Neuerungen, die das iPhone weiter als Ersatz für die klassische Brieftasche positionieren. Die Funktionen sind Teil der laufenden Beta-Phase von iOS 27 und reichen von optischen Aufwertungen bis zu tief integrierten KI-Werkzeugen. Gerade Letztere bringen für Nutzer in Deutschland jedoch Einschränkungen mit sich.
Aufgewertete Pässe mit neuem Design
Nachdem Apple bereits mit iOS 26 die Bordkarten von Fluggesellschaften überarbeitet hatte, erhalten in iOS 27 weitere Pass-Typen ein Upgrade. Mitgliedschaften, Geschenkkarten, Treue- und Bonuskarten können künftig einen kräftigeren Darstellungsstil mit vollflächigem Hintergrundbild, Hauptlogo, Kopf- und Fußzeilen sowie optionalem Barcode nutzen. Jeder Pass kann zudem bis zu zwei Aktionen am unteren Rand einblenden, etwa eine Wegbeschreibung zum Veranstaltungsort oder die Abfrage des Punktestands.
Zur Sicherheit lässt sich das Zertifikat des Pass-Ausstellers prüfen, um die Echtheit eines digitalen Passes zu bestätigen. Außerdem unterstützt die App vier zusätzliche Barcode-Typen, darunter EAN-13, Code 39, Codabar und ITF. Für Entwickler stellt Apple mit dem „Pass Designer“ eine neue Mac-App bereit, die das Erstellen von Pässen über einen visuellen Editor vereinfacht.
Pässe selbst erstellen
Eine der praktischsten Neuerungen ist die Funktion „Pass erstellen“, mit der sich Tickets, Mitgliedschaften und Ähnliches direkt in der Wallet-App anlegen lassen. Liegt für ein physisches Ticket keine digitale Version vor, kann diese aus dem analogen Pendant erzeugt werden. Das Erfassen gelingt entweder per Visual Intelligence über einen vorhandenen Barcode oder QR-Code oder durch manuelle Eingabe.

Als Vorlagen stehen Standard, Mitgliedschaft und Event zur Verfügung, jeweils mit passenden Angaben wie Name, Ort oder Zugangsart sowie einem scanbaren Code. Zur Gestaltung gibt es zwölf Hintergrundfarben mit verschiedenen Texturen oder sieben individuelle Hintergründe für Kategorien wie Theater, Musik, Sport und Film. Einzelne Felder lassen sich nach Bedarf ergänzen oder entfernen, von Datum und Kontakt über Coupon-Code bis hin zu Fahrgestellnummer oder Versicherungsdaten – damit lassen sich die meisten physischen Karten digital abbilden.
Mehr Infos bei digitalen Hotelschlüsseln
Wird ein digitaler Hotelschlüssel eines teilnehmenden Hotels zur Wallet-App hinzugefügt, zeigt die App nun zusätzliche Details zur Reise an. Hotels können darüber Aktualisierungen zu gebuchten Aktivitäten bereitstellen und den Zugang zu verschiedenen Services ermöglichen. Der Schlüssel wird damit zur kleinen Reisezentrale statt zur reinen Türöffnung.
Rechnungen per Foto aufteilen
Über den neuen Siri-Modus in der Kamera-App sowie über eine Funktion in der Nachrichten- und der Wallet-App lässt sich eine Rechnung abfotografieren und mit Apple Intelligence aufteilen. Das in iOS 27 zum zentralen KI-Werkzeug ausgebaute Visual Intelligence erfasst den Beleg, erstellt eine digitale Kopie aller Positionen, woraufhin jede Person auswählen kann, was sie konsumiert hat. Steuer- und Trinkgeldanteile werden automatisch berechnet. Die anschließende Zahlung läuft über Apple Cash – eine Funktion, die ausschließlich in den USA verfügbar ist. Die KI-Analyse selbst setzt mindestens ein iPhone 15 Pro voraus, während viele der übrigen Wallet-Neuerungen auf allen unterstützten iPhones laufen.
Ausgaben mit „Insights“ im Blick
Mit der Funktion „Insights“ lassen sich Finanzkonten zur Wallet-App hinzufügen, um Ausgaben im Blick zu behalten. Sie ist eine Erweiterung der bereits aus früheren iOS-Versionen bekannten verbundenen Konten und umfasst Ausgaben, wiederkehrende Transaktionen, Kontostände und mehr. Vorausgesetzt wird ein Finanzinstitut, das den Standard „Connected Cards“ unterstützt – dazu zählen bislang mehrere britische Banken.
Bestellverfolgung und schnelleres Bezahlen
Zwei kleinere Neuerungen runden das Paket ab. Die Bestellverfolgung in der Wallet-App wird auf Australien und Kanada ausgeweitet, nachdem sie unter iOS 26 auf die USA und das Vereinigte Königreich beschränkt war. Mit „Tap to Share“ kommt zudem eine Funktion hinzu, mit der sich Kundinnen und Kunden für einen schnelleren digitalen Bezahlvorgang mit dem iPhone eines teilnehmenden Händlers verbinden können.
Was davon in der EU ankommt
Hier liegt der entscheidende Haken für Nutzer in Deutschland. Die KI-gestützte Rechnungsteilung beruht auf dem Siri-Modus und der ausgebauten Visual Intelligence – beides zählt zu den Funktionen von Siri AI, die auf iPhone und iPad in der EU zum Start nicht verfügbar sind. Apple verweist dafür auf die Vorgaben des Digital Markets Act. Hinzu kommt, dass die zugehörige Zahlung ohnehin an das nur in den USA angebotene Apple Cash gebunden ist.
Auch das Erstellen von Pässen ist betroffen, soweit es auf der ausgebauten Visual Intelligence basiert – das manuelle Anlegen bleibt davon unberührt. Die übrigen Neuerungen wie das neue Pass-Design, die digitalen Hotelschlüssel oder „Tap to Share“ hängen nicht an Siri AI, unterliegen aber teils eigenen regionalen Grenzen: Die Bestellverfolgung ist bislang auf die USA, das Vereinigte Königreich sowie neu Australien und Kanada begrenzt, und „Insights“ setzt auf Banken mit Unterstützung für „Connected Cards“, die sich derzeit vor allem im Vereinigten Königreich finden.
iOS 27: So geht es weiter
Die Wallet-App zeigt das Muster von iOS 27 im Kleinen: Apple verzahnt immer mehr Alltagsfunktionen mit KI – und genau dieser Teil bleibt in der EU vorerst außen vor. Für Nutzer in Deutschland bleiben dennoch handfeste Verbesserungen, vom flexibleren Pass-Design bis zu den erweiterten Hotelschlüsseln. Wie bei allen Beta-Funktionen können sich Details bis zum finalen Release im Herbst 2026 noch ändern, und einzelne regionale Sperren könnten zu einem späteren Zeitpunkt fallen. (Bild: Shutterstock / Stockinq)
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