Es ist die Kehrseite des großen WWDC-Auftritts: Apple bestätigt, dass die neue Siri AI auf iPhone und iPad in der Europäischen Union vorerst nicht starten wird. Schuld sei der Digital Markets Act – einen Zeitplan für eine spätere Einführung gibt es nicht. Mac, Apple Watch und Apple Vision Pro bleiben davon ausgenommen.
Kaum hat Apple die runderneuerte Siri vorgestellt, folgt für Nutzer in Deutschland und dem Rest der EU die Ernüchterung: Auf iPhone und iPad wird Siri AI mit dem Start von iOS 27 und iPadOS 27 hierzulande nicht verfügbar sein. Als Grund nennt Apple den Digital Markets Act (DMA) und erklärt, die EU-Regulierer hätten über die vergangenen Monate keinen der vorgeschlagenen Lösungswege akzeptiert. Der Schritt reiht sich in einen länger schwelenden Konflikt ein, in dem sich Apple zuletzt sogar an die Seite von Google im EU-DMA-Streit gestellt hatte. Software-Chef Craig Federighi zeigte sich tief enttäuscht darüber, dass EU-Nutzern Siri AI auf iPhone und iPad fehlen werde, und betonte, man hoffe auf eine spätere Einführung, habe dafür aber derzeit keinen Zeitrahmen.
Was Nutzern auf iPhone und iPad in der EU fehlt
Wenn iOS 27 und iPadOS 27 später im Jahr erscheinen, erhalten Nutzer in der EU auf diesen beiden Plattformen keinen Zugriff auf Siri AI und ihre erweiterten Fähigkeiten. Betroffen sind die eigenständige App zum Fortführen von Gesprächen, die ausgebaute Visual Intelligence, die integrierten Schreibwerkzeuge, der Siri-Modus in der Kamera-App unter iOS sowie die weiteren auf der WWDC vorgestellten Siri-AI-Funktionen. Auch Entwickler mit Sitz in der EU können die neuen Siri-AI-Funktionen für ihre eigenen Apps auf iOS und iPadOS weder testen noch nutzen.
Auf anderen Plattformen sieht die Lage anders aus: macOS 27, visionOS 27 und watchOS 27 bekommen Siri AI auch in der EU, sofern eine unterstützte Sprache eingestellt ist. Die Einschränkung trifft also gezielt iPhone und iPad – jene Geräte, die für die meisten Menschen den Alltag mit Apple prägen. Von der Blockade ausgenommen sind zudem die übrigen neuen Apple-Intelligence-Funktionen in Fotos, Safari oder Image Playground, die im Herbst auch hierzulande auf Deutsch erscheinen sollen. Betroffen sind alle 27 Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Österreich und die übrigen EU-Länder.
Apples Begründung: Datenschutz und Sicherheit
Apple stellt die Entscheidung als Folge der eigenen Sicherheitsphilosophie dar. Siri AI sei von Grund auf datenschutzfreundlich angelegt und über On-Device-Verarbeitung sowie Private Cloud Compute tief in die Plattformen integriert. Nach Apples Lesart würde die – aus Sicht des Konzerns – extreme Auslegung des DMA durch die Regulierer jedoch verlangen, dass jeder beliebige virtuelle Assistent direkten Zugriff auf private Nutzerdaten und die Kontrolle über andere installierte Apps erhält, sobald Siri AI in der EU verfügbar ist, und das ohne die aus Apples Sicht notwendigen Schutzmechanismen.
Konkret beschreibt Apple die Anforderung so: Der DMA zwinge dazu, jedem KI-System nahezu unbegrenzten Zugriff auf das Gerät zu gewähren, samt der Möglichkeit, eigenständig zu handeln, ohne dass Nutzer dies fortlaufend einsehen und kontrollieren könnten. Dazu zähle, Nachrichten zu lesen und zu senden, Käufe zu tätigen, auf Dateien zuzugreifen und Aktionen quer durch beliebige Apps auszuführen. Apple verweist darauf, dass Sicherheitsforscher bereits gezeigt hätten, wie sich KI-Systeme kapern lassen, um persönliche Daten wie Passwörter und Fotos zu stehlen oder Dateien und Kontoeinstellungen ohne Zustimmung dauerhaft zu verändern.
Der abgelehnte Kompromiss
Als Lösung entwarf Apple nach eigenen Angaben einen sogenannten Trusted System Agent – eine Vermittlungsinstanz, die virtuellen Assistenten in der EU sicheren Zugriff auf dieselben Funktionen wie Siri AI ermöglichen sollte. Zusätzlich legte das Unternehmen einen Plan vor, Siri AI in der EU zu starten und diese neue Lösung schrittweise über einen Zeitraum von 18 Monaten auszurollen. Die Europäische Kommission lehnte das ab und stimmte laut Apple keinem der Vorschläge zu. Einen Zeitplan für eine Einführung von Siri AI auf iOS und iPadOS in der EU gibt es daher nicht; Apple will nach eigener Darstellung weiter an einer möglichst sicheren Lösung arbeiten.
Worum es im DMA-Streit im Kern geht
Hinter dem Konflikt steht die Interoperabilitätspflicht des Digital Markets Act. Sie verpflichtet als Gatekeeper eingestufte Konzerne dazu, Drittanbietern denselben effektiven Zugang zu System- und Hardware-Funktionen zu gewähren, den die hauseigenen Dienste nutzen. Auf KI-Assistenten übertragen bedeutet das aus Sicht der Kommission, dass konkurrierende Assistenten grundsätzlich dieselben Möglichkeiten erhalten sollen wie Siri – damit Nutzer eine echte Wahl haben und der Markt für KI-Assistenten offenbleibt. Erst im Januar 2026 hatte die Kommission ein vergleichbares Verfahren gegen Google eröffnet, um Drittanbietern gleichwertigen Zugang zu denselben Android-Funktionen zu sichern, die Googles eigene KI-Dienste wie Gemini verwenden.
Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister: Was die Regulierer als faire Wettbewerbsbedingung verstehen, hält Apple für ein Einfallstor, das sich nicht sicher abdichten lasse. Diese Spannung zwischen offener Plattform und kontrolliertem System zieht sich durch nahezu alle KI-Debatten in Europa und prägt auch Apples Überlegungen rund um die künftige Wahlfreiheit bei KI-Assistenten.
Ein offenes Ende mit Ansage
Für Apple ist die Entscheidung ein zweischneidiges Schwert: Einerseits inszeniert sich der Konzern erneut als Verteidiger der Privatsphäre, andererseits müssen ausgerechnet die treuesten iPhone- und iPad-Nutzer in einem der wichtigsten Märkte auf das zentrale Software-Highlight des Jahres verzichten. Dass Mac, Apple Watch und Apple Vision Pro in der EU unangetastet bleiben, zeigt zugleich, dass die Blockade nicht technischer Natur ist, sondern an der regulatorischen Einstufung von iPhone und iPad als zentrale Plattformen hängt. Ob die neue Siri den Sprung über den Atlantik schafft, hängt nun weniger an Apples Entwicklern als an einer Einigung zwischen Cupertino und Brüssel – und für die gibt es bislang kein Datum. (Bild: Apple)
- Apple Intelligence: Die nächste Generation ist da
- Siri AI: Apple stellt die runderneuerte Assistentin vor
- Tim Cook stimmt mit einem „Good Morning“-Video auf die WWDC ein
- Gemini könnte zur Obergrenze für Apples KI-Ambitionen werden
- Großbritannien fordert von Apple eine Funktion, die es längst gibt
- UK droht Tech-Chefs mit Haft, wenn Kinder Nacktbilder sehen können
- Epic Games kontert Apples Vorstoß vor dem Supreme Court
- Apple Arcade: Neun neue Spiele im Juni und Juli
- App Store: Ökosystem erreicht 1,4 Billionen Dollar
- Apple TV zeigt den Trailer zu „Lucky“ mit Anya Taylor-Joy
- Apple eröffnet Europas erstes Developer Center in Berlin
- Apple legt im Indien-Kartellstreit die Umsatzzahlen offen
- Microsoft beendet Office-Support für ältere Macs und iPhones
- Musk muss Tesla- und SpaceX-E-Mails im Apple-Verfahren herausgeben
- Vision-Pro-Stylus: Apple-Patent soll virtuelle Texturen fühlbar machen
- MacBook Neo verkauft sich besser als das neue MacBook Air und Pro
- Apple Design Awards 2026: Die zwölf Gewinner stehen fest
- Anthropic weitet Glasswing aus und plant Mythos-Start für alle
- Silo Staffel 3: Trailer enthüllt die Origin-Story
- Apple TV gewinnt Gotham Award für Pluribus



