In einer ungewöhnlichen Konstellation verteidigt Apple ausgerechnet Google gegen die EU-Kommission. Hintergrund sind Brüsseler Pläne, Android für konkurrierende KI-Dienste zu öffnen. Apple warnt in einer offiziellen Stellungnahme vor erheblichen Risiken für Datenschutz, Sicherheit und Geräteintegrität – und stellt der Kommission ihre eigene technische Kompetenz infrage.
Apple hat eine Stellungnahme im Konsultationsverfahren der Europäischen Kommission zu Maßnahmen rund um den Digital Markets Act (DMA) eingereicht. Die Kommission hatte Vorschläge zur Diskussion gestellt, die Google dazu verpflichten sollen, Android für konkurrierende KI-Dienste zu öffnen. Apple sieht darin eine grundsätzliche Gefahr – und positioniert sich an der Seite eines Konzerns, mit dem es sonst in vielen Bereichen konkurriert. Der Fall ist besonders pikant, weil Apple selbst seit Jahren zunehmend mit EU-Regulierern aneinandergerät und immer wieder vor den Folgen weitreichender Plattformöffnungen warnt (via Reuters).
Worum es im konkreten Verfahren geht
Die EU-Kommission hat zwischen dem 27. April und dem 13. Mai 2026 Feedback zu Entwurfsmaßnahmen eingeholt, die Google zur Einhaltung des Digital Markets Act bringen sollen. Konkret sollen konkurrierende KI-Anbieter Android-Apps so ansteuern können, dass sie etwa E-Mails versenden, Essen bestellen oder Fotos teilen können. Google hat gegen die Pläne bereits öffentlich Widerspruch eingelegt und argumentiert, dass die Vorgaben zentrale Sicherheits- und Datenschutzmechanismen für europäische Nutzer untergraben würden.
Apple hat sich nun mit einer eigenen Stellungnahme in das Verfahren eingeschaltet. Der Konzern erklärt, ein starkes Eigeninteresse zu haben, weil ähnliche Vorgaben grundsätzlich auch die eigenen Betriebssysteme für iPhone, iPad und Mac betreffen könnten. Die Entwurfsmaßnahmen würden, sollten sie in dieser Form bestätigt werden, „tiefgreifende Risiken für Datenschutz, Sicherheit und Sicherheit der Nutzer sowie für Geräteintegrität und Performance“ schaffen.
Apples Kernkritik: KI-Risiken und mangelnde Brüsseler Kompetenz
Besonders deutlich wird der Konzern beim Thema KI. Apple argumentiert, dass die Risiken im Kontext sich schnell entwickelnder KI-Systeme besonders ausgeprägt seien – Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Bedrohungsvektoren solcher Systeme blieben unberechenbar. Ein erzwungener Zugriff externer KI-Dienste auf Android-Funktionen erhöhe die Angriffsfläche und mache es schwer, die Auswirkungen über die Zeit kontrolliert zu bewerten.
Bemerkenswert ist auch der frontale Angriff auf die fachliche Kompetenz der Kommission. Apple schreibt, Brüssel substituiere die Einschätzungen von Googles eigenen Ingenieuren durch eine eigene Bewertung, die auf weniger als drei Monaten Arbeit basiere. Das einzig erkennbare Ziel der Vorschläge sei „offener und uneingeschränkter Zugang“. Eine deutlichere Kritik an einer EU-Behörde ist von einem regulierten Unternehmen selten zu lesen.
Warum Apple sich überhaupt einmischt
Auf den ersten Blick wirkt es seltsam, dass ausgerechnet Apple öffentlich für Google in den Ring steigt. Der Hintergrund ist jedoch handfest: Apple sieht sich selbst seit Jahren mit ähnlichen Forderungen konfrontiert. Der Konzern hat den DMA bereits im Herbst 2025 vor Gericht angefochten und plädiert seither immer wieder dafür, das Regelwerk grundsätzlich zu überarbeiten. Eine bereits laufende Auseinandersetzung um App-Store-Preise und DMA-Auswirkungen zeigt, wie eng Apple das Thema mit der eigenen Geschäftsstrategie verknüpft.
Hinzu kommt: Wenn die EU heute Google zwingt, Android-Funktionen für externe KI-Dienste zu öffnen, könnten morgen identische Forderungen gegenüber iOS gestellt werden. Aus Apples Sicht ist der Google-Fall damit ein Präzedenzfall. Der Konzern hat in jüngster Vergangenheit bereits mehrfach Funktionen in der EU eingeschränkt oder verzögert, um den DMA-Vorgaben zu entsprechen, ohne aus eigener Sicht Sicherheit und Datenschutz aufzugeben. Eine weitere Eskalation der Brüsseler Forderungen würde Apple in eine vergleichbare Zwickmühle bringen wie Google jetzt.
Wie es jetzt weitergeht
Die Konsultationsphase ist mit dem 13. Mai 2026 abgelaufen. Die Europäische Kommission hat angekündigt, alle Stellungnahmen sorgfältig zu prüfen und die vorgeschlagenen Maßnahmen gegebenenfalls anzupassen. Eine endgültige Entscheidung muss innerhalb von sechs Monaten nach Eröffnung des Verfahrens fallen. Bis dahin bleibt offen, wie weit die finalen Vorgaben tatsächlich gehen und ob die Argumente von Apple und Google Wirkung entfalten.
Realistisch ist eine teilweise Anpassung wahrscheinlicher als ein vollständiger Rückzug. Die Kommission hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie den DMA grundsätzlich für richtig hält und mit harter Hand durchsetzt. Wie viel Sicherheitsspielraum sie Google und damit indirekt Apple einräumt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Technik schlägt Politik
Die Stellungnahme markiert einen seltenen Moment, in dem Apple und Google in Brüssel parallel marschieren. Beide Unternehmen sehen die geplante KI-Öffnung als technisches Risiko, das Brüssel aus regulatorischer Sicht nicht ausreichend einordnen kann. Strategisch ist Apples Schritt nicht aus Solidarität motiviert, sondern aus Eigeninteresse: Was heute Google trifft, kann morgen iOS treffen. Damit verschiebt sich der DMA-Konflikt zunehmend von einem App-Store-Streit hin zu einer Grundsatzfrage, wie tief Regulierung in die technische Architektur moderner Plattformen eingreifen darf.
Aus meiner Sicht fällt die Bilanz des DMA bislang nüchtern aus. Das Regelwerk wurde mit dem Versprechen geschnürt, mehr Wettbewerb und niedrigere Preise zu bringen. Was Nutzer in Europa stattdessen erleben, sind verspätete oder gänzlich fehlende Funktionen, neue Angriffsflächen durch Sideloading sowie ein Flickenteppich aus regionalen Sonderregelungen. Brüssel zwingt Konzerne dazu, ihre eigenen Sicherheitsarchitekturen aufzubrechen, ohne tragfähige Antworten auf die Folgen zu liefern. Dass Apple jetzt ausgerechnet bei Google den Schutzwall hochzieht, ist deshalb weniger eine PR-Geste als eine logische Konsequenz aus einer Politik, die technische Realitäten konsequent hinter politischen Ambitionen zurückstellt.
Was vom EU-KI-Vorstoß übrig bleibt
Der Streit um die Android-Öffnung für KI-Anbieter ist mehr als ein technisches Detail im DMA-Vollzug. Er entscheidet darüber, wie weit europäische Regulierer in die Sicherheitsarchitektur globaler Plattformen eingreifen können – und ob Konzerne wie Apple und Google künftig auch in Bereichen Kompromisse eingehen müssen, in denen sie ihre Stärke bisher aus geschlossenen Systemen gezogen haben. Apples Stellungnahme ist deshalb weniger ein Signal an Google als ein vorsorglicher Schuss in Richtung Brüssel. Und ein Hinweis darauf, dass die Kosten der DMA-Logik längst nicht nur die Konzerne tragen, sondern vor allem die europäischen Nutzer. (Bild: Shutterstock / Andy.LIU)
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