Die britische Regierung verlangt von Apple und anderen Tech-Konzernen, das Senden und Empfangen von Nacktbildern durch Kinder technisch zu unterbinden. Was dabei untergeht: Genau eine solche Schutzfunktion steckt seit Jahren in iOS – und ist für Kinder sogar standardmäßig aktiv.
Großbritannien drängt seit Längerem darauf, dass Apple mehr für den Schutz von Kindern im Umgang mit Technik tut. Erst Anfang 2025 geriet der Konzern ins Visier der Behörden, als er seine erweiterte iCloud-Verschlüsselung im Land zurückzog, statt eine staatliche Hintertür einzubauen. Nun folgt die nächste Forderung, diesmal mit Nachdruck: Geräte sollen verhindern, dass Minderjährige sexuell explizite Aufnahmen verschicken oder erhalten. Der Kinderschutz, den die Regierung einfordert, ist auf dem iPhone allerdings längst Realität.
Was die britische Regierung fordert
Bei einer Rede auf der London Tech Week am Montag rief Premierminister Keir Starmer Technologieunternehmen dazu auf, Gerätekontrollen einzuführen, die Kinder am Versenden und Empfangen sexuell expliziter Bilder hindern. Er bezeichnete dies als durchaus lösbares Vorhaben.
Konkret sollen Apple, Google und weitere große Anbieter laut einem Bericht von Reuters auf Smartphones und Tablets Funktionen bereitstellen oder aktivieren, die Nacktbilder erkennen. Für Kinder würden solche Inhalte blockiert, während Erwachsene sie nach einer Altersverifikation weiterhin ansehen könnten. Die Forderung ist Teil einer umfassenderen Regierungsstrategie gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und folgt auf den Rücktritt der für den Kinderschutz zuständigen Ministerin im Vormonat, die der Regierung zu wenig Engagement vorgeworfen hatte.
Von der Bitte zur Gesetzesandrohung
Noch handelt es sich um einen Appell: Die Unternehmen sollen die Kontrollen aus Sicht der Regierung freiwillig umsetzen. Geschieht das nicht, will sie sie per Gesetz dazu verpflichten. Als Frist steht dabei der September im Raum.
Berichten über die geplanten Gesetze zufolge könnten am Ende Bußgelder und – in der weitreichendsten Auslegung – eine persönliche Haftung von Führungskräften stehen. Realistischer als strafrechtliche Konsequenzen dürften in der Praxis allerdings Geldstrafen sein.
Apple hat die Technik bereits an Bord
Was die Debatte weitgehend ausblendet: Apple hält für genau dieses Problem längst eine Lösung bereit. Mit iOS 15.2 führte das Unternehmen die Kommunikationssicherheit ein, die Nacktbilder in der Nachrichten-App erkennt und unkenntlich macht. Für Kinder- und Teenager-Accounts ist sie standardmäßig aktiv. Mit iOS 17 kam die Warnung vor sensiblen Inhalten hinzu, mit der auch Erwachsene solche Aufnahmen für sich selbst ausblenden können.
In beiden Fällen arbeitet die Erkennung vollständig auf dem Gerät: Maschinelles Lernen prüft Fotos und Videos, bevor sie jemand zu Gesicht bekommt – ohne dass die Inhalte Apple zugänglich werden. Betroffen sind nicht nur Bilder in Nachrichten, die automatisch verwischt werden und eine bewusste Bestätigung zum Ansehen verlangen, sondern auch FaceTime-Anrufe, Videonachrichten, geteilte Alben, per AirDrop empfangene Bilder und selbst Kontaktposter. Eltern lassen sich die Funktion zudem gezielt über die Kindersicherung in der Bildschirmzeit verwalten. Damit erfüllt die Kommunikationssicherheit schon heute weitgehend, was London verlangt – standardmäßig und erst nach einer bewussten Bestätigung umgehbar.
Die Lehren aus dem Jahr 2021
Dass Apple bei diesem Thema vorsichtig agiert, hat seine Vorgeschichte. 2021 kündigte das Unternehmen ein ganzes Paket an Kinderschutzfunktionen an – darunter neben der Kommunikationssicherheit auch einen Abgleich von in iCloud gespeicherten Fotos auf Material über sexuellen Kindesmissbrauch. Nach massiver Kritik von Sicherheitsforschern und Datenschützern ruderte Apple zurück und entfernte die Hinweise auf das iCloud-Scanning, das es später ganz aufgab. Die Kommunikationssicherheit blieb dagegen erhalten und wurde seither schrittweise ausgebaut.
Bleibt die Frage nach dem Umfang
Offen ist vor allem, ob Apples bestehende Lösung den Gesetzgebern weit genug geht. Im schärfsten Fall müsste die Erkennung auf weitere Apps ausgeweitet werden, um mehr Inhalte abzudecken – eine systemweite Sperre, die standardmäßig auch in Drittanbieter-Apps greift, wäre für iOS tatsächlich neu. Zuletzt erweiterte Apple den Schutz unter iOS 26.1 immerhin um zusätzliche Filter für 13- bis 17-Jährige in FaceTime, Nachrichten und AirDrop. Die eigentliche Funktion ist damit weniger eine Neuentwicklung als eine Frage der Reichweite. Wie weit ein künftiges Gesetz reicht und ob es dieselben Datenschutzfragen aufwirft wie frühere britische Vorstöße, wird sich erst zeigen, wenn ein konkreter Entwurf vorliegt. (Bild: Shutterstock / Mistervlad)
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