Weil Apple Intelligence langsamer vorankam als geplant, sollen sich gleich mehrere neue Apple-Produkte nach hinten verschoben haben – vom Home Hub über die smarte Brille bis zu einem Tisch-Roboter. Bei genauem Hinsehen schrumpft die Liste der echten Verzögerungen allerdings deutlich zusammen.
Apple Intelligence kam in seiner vollen Ausbaustufe deutlich später als angekündigt, und dieser Rückstand zieht Kreise: Laut dem jüngsten Power-On-Newsletter von Bloomberg sollen mehrere unangekündigte Produkte, die auf bessere KI-Funktionen warten, dadurch ins Stocken geraten sein. Betroffen wären demnach der gerüchteweise erwartete Home Hub, die Apple Glasses sowie ein Tisch-Roboter als Aufsatz für den Home Hub. Wie groß dieser „Produkt-Stau“ tatsächlich ist, lohnt jedoch einen zweiten Blick.
Welche Produkte auf bessere KI warten
Mark Gurman zufolge könnte der Home Hub Ende 2026 erscheinen, die Apple Glasses Ende 2027 und der Tisch-Roboter erst 2028. Alle drei seien ursprünglich früher eingeplant gewesen. Wäre Apple Intelligence wie vorgesehen über 2025 hinweg vollständig ausgerollt worden, hätte der Home Hub dem Bericht zufolge früher kommen können, die Brille bereits Anfang 2027 und der Roboterarm womöglich schon 2026 oder 2027.
In der Welt der Apple-Leaks gelten unangekündigte Produkte bereits dann als „verschoben“, wenn intern ein anvisiertes Startfenster nach hinten rutscht. Ein konkretes Ziel stand offenbar im Raum – andere Produktbereiche kamen dann dazwischen.
Keine Erwähnung findet in dem Bericht das gerüchteweise geplante KI-Pendant, das theoretisch ebenfalls auf bessere KI-Werkzeuge angewiesen wäre. Vermutlich steckt es noch zu früh in der Entwicklung, um überhaupt als „verzögert“ gelten zu können.
Verzögerung oder Kurskorrektur?
Bei genauerer Betrachtung schrumpft die Liste spürbar. Der Tisch-Roboter ist technisch gesehen ein Zubehör beziehungsweise eine zweite Ausbaustufe des Home Hub – damit bleiben statt drei nur zwei eigenständige Produktlinien übrig.
Auch die vermeintliche Verschiebung der Brille von Anfang auf Ende 2027 ist kaum eine echte Verzögerung. Ming-Chi Kuo nannte Ende 2027 bereits früh als Ziel; Gurman übernahm diese Einschätzung erst später. Bei Zeitplänen rund um die Vision Products Group gilt Gurman zudem als weniger treffsicher, weil frühere Prognosen zur Apple Vision Pro wiederholt danebenlagen. Die jüngste Anpassung wirkt damit eher wie eine Korrektur hin zur bereits bekannten Linie als wie eine echte Neuigkeit.
Übrig bleibt am Ende vor allem eine einzige greifbare Verzögerung: der Home Hub. Und selbst die ist nachvollziehbar.
Warum der Home Hub auf eine bessere Siri wartet
Das Tablet für die Steuerung des smarten Zuhauses soll seit geraumer Zeit fertig sein. Dass Apple den Start dennoch hinauszögert, ergibt Sinn: Die Bedienung hängt eng an Siri, und ein weiteres Gerät, das auf der Assistentin aufbaut, darf nicht unter einer schwachen Siri leiden. Solange die runderneuerte Siri nicht überzeugt, wäre ein verfrühter Marktstart ein unnötiges Risiko.
Apples Offensive im smarten Zuhause
Unabhängig vom Zeitpunkt deutet vieles darauf hin, dass Apple mit eigener Hardware breit ins Smart-Home-Geschäft drängt. Neben dem Home Hub gehören dazu eine eigene Überwachungskamera sowie eine Türklingel. Wann diese Produktfamilie startet, ist offen – möglich wäre es im Grunde jederzeit.
Der größere Engpass: Speicher und Chips
Die womöglich wichtigere Geschichte hat mit KI-Verzögerungen wenig zu tun. Der Markt für Speicher und Computerbauteile ist durch die enorme Nachfrage der KI-Branche leergefegt, und die Engpässe ziehen sich quer durch Apples Mac-Reihe. In der Folge könnten die übrigen M5-Aktualisierungen in diesem Sommer ausbleiben.
Die WWDC ist zwar ein Software-Event, doch Apple hat dort in der Vergangenheit auch Hardware und neue Chips gezeigt. Diesmal ist die Lieferlage so angespannt, dass selbst Apple zurückstecken muss. Die größeren Hardware-Neuheiten dürften daher eher im Herbst fallen – darunter das faltbare iPhone Ultra, das im September erwartet wird.
Ein Narrativ, das nicht ganz zu den Zahlen passt
Kritik an Apple ist berechtigt, wo sie angebracht ist. Aus einer einzigen belastbaren Verzögerung jedoch das Bild eines Konzerns abzuleiten, der reihenweise Produkte nicht aus der Tür bekommt, greift zu kurz. Dieses Bild eines ringenden, mit sich selbst beschäftigten Apple passt schlecht zu den sichtbaren Ergebnissen – zu einem Unternehmen, das zuletzt ein Rekordquartal vorlegte, obwohl es im KI-Wettlauf bislang vergleichsweise wenig Präsenz zeigt. Wie sehr die WWDC diese Ausgangslage verschiebt, zeigt sich an diesem Montag. (Bild: Shutterstock / edphi)
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