Speicher- und SSD-Knappheit sind nicht die einzigen Bremsen für Apples Mac-Verfügbarkeit. Auch die 3-Nanometer-Fertigung von TSMC bleibt eng – mit konkreten Folgen für Mac mini, Mac Studio und das künftige OLED-MacBook-Ultra.
Wer in den letzten Wochen einen Mac mini oder Mac Studio bestellen wollte, weiß, wie angespannt Apples Lieferkette derzeit ist. Tim Cook hat im jüngsten Earnings Call ausführlich darüber gesprochen – und einen klaren Ausblick gegeben: Die Engpässe halten an, betreffen aber nicht alle Macs gleich stark. Ein neuer Bericht von Digitimes zeigt jetzt, dass die Probleme tiefer reichen, als der DRAM-Mangel allein vermuten lässt. Auch Apples Apple-Silicon-Chips, die auf TSMCs 3-Nanometer-Fertigung basieren, bleiben knapp. Erst der Sprung auf 2 Nanometer könnte die Situation merklich entspannen – allerdings nicht für alle Modelle gleichzeitig.
Was Cook im Earnings Call zu den Mac-Engpässen sagte
Apples CEO ließ in der Telefonkonferenz keinen Zweifel daran, dass die Mac-Versorgung für die nächsten Monate ein Thema bleibt. Konkret nannte er Mac mini, Mac Studio und das neue MacBook Neo als die Modelle, bei denen die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt. Während das iPhone weniger stark betroffen sei, müsse Apple bei den genannten Macs noch mehrere Monate auf ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage hinarbeiten.
Wir hatten die Aussagen aus dem Earnings Call bereits in unserem Artikel zu den Mac-Engpässen bei Mac mini und Mac Studio eingeordnet – sie zeigen ein Apple, das einerseits die beste Mac-Launch-Woche seiner Geschichte feiert, andererseits aber an mehreren Stellen mit fehlenden Komponenten kämpft.
Mehr als nur Speicher: Auch die 3-Nanometer-Fertigung ist eng
Bislang lag der Fokus der Berichterstattung stark auf der weltweiten DRAM-Knappheit. Diese trifft besonders die Konfigurationen von Mac mini und Mac Studio, die mit 32, 64 oder 128 Gigabyte RAM ausgestattet werden – wie wir bereits beim Bestellstopp im Apple Store und beim Ausverkauf des Basis-Mac-mini berichtet hatten.
Der neue Digitimes-Bericht bringt einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein, der bisher unterbelichtet war. Demnach bleibt auch TSMCs 3-Nanometer-Fertigung – auf der Apples aktuelle M4- und M5-Generation produziert wird – knapp. Der Engpass auf der Chip-Seite verschärft also den DRAM-Engpass zusätzlich. Erst wenn TSMC seine 2-Nanometer-Massenfertigung hochgefahren hat, könnte sich die Lage spürbar entspannen.
OLED-MacBook-Ultra: 2-Nanometer-Sprung als Hoffnungsträger
Die 2-Nanometer-Fertigung soll bei Apple zum ersten Mal im OLED-MacBook-Ultra zum Einsatz kommen – jenem Modell, das von vielen als der nächste Designsprung in der MacBook-Linie gehandelt wird. Ursprünglich war es für Ende 2026 erwartet worden, mehrere Berichte gehen mittlerweile aber von einer Verschiebung auf 2027 aus.
Sollte der Digitimes-Bericht zutreffen, könnte das OLED-MacBook-Ultra tatsächlich besser verfügbar sein als der aktuelle Rest des Mac-Portfolios – schlicht, weil Apple sich frühzeitig große Anteile an TSMCs 2-Nanometer-Kapazität gesichert hat. Bereits im August 2025 hieß es, Apple habe sich rund die Hälfte der gesamten 2-Nanometer-Kapazität reserviert. Für den Mac mini und den Mac Studio ändert das jedoch wenig, da diese voraussichtlich noch länger auf 3-Nanometer-Chips setzen werden.
iPhone 18 mit A20-Chips: Apple ist hier besser positioniert
Spannend ist der Blick auf die iPhone-Linie: Die kommenden iPhone-18-Modelle sollen den A20- und A20-Pro-Chip einsetzen, beide ebenfalls in 2 Nanometern gefertigt. Das ist einer der Gründe, warum Cook im Earnings Call das iPhone als weniger anfällig für die aktuellen Engpässe einschätzte. Apple scheint frühzeitig eingekauft zu haben und kann seine iPhone-Strategie damit ohne größere Liefersorgen durchziehen – auch wenn TSMC zuletzt mehrfach Preiserhöhungen angekündigt hat.
Bemerkenswert ist allerdings, dass Apple offenbar nicht mehr der größte Kunde von TSMC ist. Diese Position soll an Nvidia gegangen sein, das für seine KI-Rechenzentren ab 2027 ebenfalls auf TSMCs 2-Nanometer-Fertigung setzen will. Apple bleibt damit zwar ein zentraler Partner, muss aber stärker um Kapazitäten konkurrieren – ein strukturelles Thema, das die nächsten Quartale prägen dürfte.
Was Apple unternimmt – und welche Optionen offen sind
Cook deutete im Earnings Call an, dass Apple eine Reihe von Optionen prüfe, um die Lieferengpässe in den Griff zu bekommen. Konkrete Maßnahmen nannte er nicht. Aus früheren Berichten ist allerdings bekannt, dass Apple erwägt, die Produktion einiger älterer Chips an externe Auftragsfertiger – darunter Intel – auszulagern. Damit könnten ältere Apple-Silicon-Generationen freie Kapazitäten finden, ohne TSMCs ohnehin überlastete Linien weiter zu beanspruchen.
Apples sogenanntes Carry-in-Inventory hat zudem dafür gesorgt, dass die kurzfristigen Auswirkungen abgemildert wurden. Cook sprach davon, dass die Speicherkosten bereits jetzt gestiegen seien, der eigentliche Effekt auf das Geschäft aber erst nach dem Juni-Quartal richtig spürbar werde. Übersetzt heißt das: Wer jetzt einen Mac kauft, profitiert noch von älterem Lagerbestand zu früheren Konditionen. Mittel- und langfristig dürften die Mac-Preise tendenziell steigen.
Warum das Ganze auch mit dem KI-Boom zu tun hat
Die zugrunde liegende Dynamik ist nicht neu, gewinnt aber an Schärfe. Hyperscaler und KI-Unternehmen reservieren in einem Tempo Speicher und Rechenkapazitäten, das Konsumprodukte schwer verkraften können. Das hat unter anderem dazu geführt, dass Apple den Launch des MacBook Ultra wegen der Speicherkrise leicht verschoben hat.
Trotz dieses Umfelds hat Apple den Notebook-Markt zuletzt überraschend stark dominiert: Während der globale Notebook-Markt schrumpft, prognostiziert TrendForce für Apple ein klares Plus, getrieben vor allem vom MacBook Neo. Wir hatten die Hintergründe in unserem Bericht zum MacBook-Absatz 2026 ausführlich beschrieben.
Was der 2-Nanometer-Sprung für Apples Mac-Strategie bedeutet
Der eigentliche Hebel liegt nicht beim Speicher allein, sondern in der Verfügbarkeit moderner Fertigungsknoten. Solange TSMCs 2-Nanometer-Linie nicht voll skaliert ist, werden Mac mini und Mac Studio im aktuellen Zustand bleiben – mit eingeschränkter Verfügbarkeit, langen Lieferzeiten und tendenziell steigenden Preisen. Erst das OLED-MacBook-Ultra markiert den Punkt, ab dem Apple wieder mit größerem Spielraum produzieren könnte. Der Markt wartet damit auf einen einzelnen Schritt – und der wird voraussichtlich erst 2027 vollständig vollzogen sein.
Apples Mac-Engpässe im größeren Bild
Die aktuelle Lage zeigt deutlich, wie stark Apples Mac-Geschäft an zwei Variablen hängt: an TSMCs Fertigungskapazitäten und am DRAM-Markt. Beide werden derzeit vom KI-Boom dominiert – und beide wirken sich direkt auf die Verfügbarkeit von Mac mini, Mac Studio und MacBook Neo aus. Der Hoffnungsträger heißt 2-Nanometer-Fertigung. Bis sie sich auf das gesamte Mac-Lineup auswirkt, vergehen aber noch viele Monate. Das größte Mac-Gleichgewicht bekommt Apple wohl erst mit der nächsten Generation zurück – pünktlich zum Wechsel an der Konzernspitze, wenn John Ternus zum 1. September die CEO-Verantwortung übernimmt. (Bild: Shutterstock / Gorodenkoff)
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