Im App-Store-Verfahren in Indien droht Apple eine Strafe auf Basis des weltweiten Umsatzes – jetzt geht das Unternehmen vor Gericht.
In Indien spitzt sich ein milliardenschwerer Rechtsstreit zwischen Apple und der nationalen Kartellbehörde dramatisch zu. Streitpunkt ist die Frage, wie eine mögliche Strafe im laufenden App-Store-Kartellverfahren berechnet werden darf – und ob Apple dafür seine globalen Finanzdaten offenlegen muss. Apple hat nun einen aggressiven Schritt gewagt und der Wettbewerbsbehörde des Landes vorgeworfen, ihre Befugnisse zu überschreiten. Im Hintergrund steht eine Forderung, die Apple selbst als „völlig unverhältnismäßig“ bezeichnet: 38 Milliarden US-Dollar.
Worum es im Verfahren geht
Bereits seit mehreren Jahren ermittelt die indische Wettbewerbsbehörde Competition Commission of India (CCI) gegen Apple. Der Vorwurf: Das Unternehmen soll seine marktbeherrschende Stellung im App Store missbraucht haben. Apple weist die Anschuldigungen zurück.
Im Zentrum des aktuellen Konflikts steht jedoch nicht die Schuldfrage selbst, sondern die Berechnungsgrundlage für eine mögliche Strafe. Indien hatte 2024 ein neues Wettbewerbsgesetz verabschiedet, das Bußgelder anhand des weltweiten Umsatzes eines Unternehmens berechnen lässt – nicht mehr nur anhand der Einnahmen im Land selbst. Für Apple könnte das laut eigenen Angaben eine Strafe in Höhe von rund 38 Milliarden US-Dollar bedeuten. Apple bezeichnet diese Berechnungsmethode als „offensichtlich willkürlich, verfassungswidrig, grob unverhältnismäßig und ungerecht“ und hat den Delhi High Court angerufen, um das Gesetz selbst für illegal erklären zu lassen. Die Hintergründe zu dieser Verfassungsklage gegen Indiens Kartellreform haben wir bereits ausführlich beschrieben.
Die Eskalation: Ultimatum, Abschlussanhörung, Klage
Die CCI verlor zuletzt erkennbar die Geduld. Bereits Anfang 2026 hatte die Behörde Apple vorgeworfen, das Verfahren durch wiederholte Fristverlängerungen gezielt zu verzögern – wir berichteten damals, wie Apple die Fristen ignorierte und Indiens Behörden verärgerte. Einige Tage vor Bekanntwerden des aktuellen Schritts stellte die CCI Apple ein Ultimatum: Das Unternehmen müsse seine Finanzdaten offenlegen und sich einer Abschlussanhörung am 21. Mai 2026 stellen.
Apples Reaktion fiel scharf aus. In einer am 24. April eingereichten und nicht öffentlichen Eingabe an den Delhi High Court warf das Unternehmen der CCI vor, mit der Anberaumung der Abschlussanhörung die Befugnisse des Gerichts an sich reißen zu wollen. Apple bezeichnet diesen Schritt als Versuch, die juristische Autorität des Gerichts zu untergraben, und hat eine eilige Anhörung bereits am 15. Mai beantragt – also sechs Tage vor dem von der CCI angesetzten Termin. Die Reuters-Recherche, auf die sich die Berichterstattung stützt, beschreibt die Lage als spürbare Eskalation.
Warum die globale Finanzdatenfrage so heikel ist
Der eigentliche Knackpunkt ist die Reichweite der CCI-Forderung. Würde Apple seine globalen Finanzdaten an die indische Behörde übergeben, schaffte das einen Präzedenzfall: Andere Märkte mit ähnlichen Gesetzen könnten denselben Zugriff verlangen. Apple hat in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, regulatorische Eingriffe einzudämmen – sei es bei der Digital Markets Act in der EU, beim Bundeskartellamt in Deutschland, das ebenfalls strengere Kontrollen gegen Apple durchsetzen will, oder im App-Store-Streit mit Epic Games. Indien wäre der nächste große Schauplatz, an dem Apple riskiert, die eigene Datensouveränität juristisch eingegrenzt zu sehen.
Hinzu kommt: Indien ist für Apple längst nicht mehr nur ein Absatzmarkt. Das Land ist zu einem der wichtigsten Produktionsstandorte für iPhones geworden, wie zuletzt der Ausbau durch neue Werke von Tata Electronics und Foxconn gezeigt hat. Ein offener Konflikt mit der Regulierungsbehörde könnte sich daher auf mehrere Geschäftsbereiche gleichzeitig auswirken.
Warum der Apple-Indien-Streit weltweit Folgen haben kann
Der Streit zwischen Apple und der CCI ist mehr als ein lokales Kartellverfahren. Es ist ein Test, wie weit nationale Wettbewerbsbehörden gegen multinationale Tech-Konzerne gehen können – und ob Apple es schafft, das Strafmaß auf eine lokale Berechnungsbasis zu beschränken. Sollte das indische Modell Schule machen, hätten künftige Strafen in anderen Ländern eine völlig andere Dimension. Apple kämpft also nicht nur gegen 38 Milliarden Dollar, sondern auch gegen einen möglichen Präzedenzfall.
Apple-Indien-Streit: Showdown vor dem Delhi High Court
Beide Termine im Mai werden zu einem juristischen Showdown. Setzt sich Apple beim Delhi High Court am 15. Mai durch, wird das CCI-Verfahren am 21. Mai zumindest ausgesetzt. Lehnt das Gericht dagegen ab, könnte die Kartellbehörde die Abschlussanhörung wie geplant durchführen – mit dem Risiko, dass Apple anschließend die volle Höhe der globalen Strafberechnung trifft. In den kommenden Wochen entscheidet sich damit, ob Indien zum kritischsten regulatorischen Schauplatz für Apple in diesem Jahr wird. (Bild: Shutterstock / K illustrator Photo)
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