Tim Cook hat im Anschluss an die heutigen Quartalszahlen ein bemerkenswertes Zugeständnis gemacht: Die Nachfrage nach dem iPhone 17 ist so hoch, dass Apple aktuell schlicht nicht genug liefern kann. Gegenüber Reuters sprach Cook von einer Nachfrage „off the charts“ – und nannte den Grund für die Engpässe.
Wer einen Blick auf die einzelnen Sparten in Apples Q2-Bilanz wirft, dürfte auf den ersten Blick stutzen: Mit 56,99 Milliarden US-Dollar Umsatz lag das iPhone-Geschäft leicht unter dem durchschnittlichen Analystenwert. Klingt nach Schwäche – ist aber das Gegenteil. Der Grund liegt nicht in zu wenig Nachfrage, sondern darin, dass Apple aktuell deutlich mehr iPhones verkaufen könnte, wenn die Lieferkette es hergäbe.
Was Cook gegenüber Reuters gesagt hat
Im Interview nach den Q2-Zahlen wird Cook ungewohnt deutlich. Die Nachfrage nach dem iPhone 17 sei „off the charts“ – im Deutschen am ehesten mit „durch die Decke“ zu übersetzen. Apple hätte also schlicht mehr verkauft, wenn das Unternehmen mehr Geräte hätte produzieren können.
Konkret nennt Cook das Problem: Es gibt aktuell zu wenig Kapazitäten für die fortschrittlichen Prozessor-Nodes. „Im Moment ist einfach etwas weniger Flexibilität in der Lieferkette, was die Verfügbarkeit zusätzlicher Komponenten angeht“, so Cook gegenüber Reuters sinngemäß. Diese Aussage ist deshalb relevant, weil ein CEO solche Einschränkungen normalerweise eher elegant umschifft. Cook bestätigt damit klar, dass Apple in diesem Quartal Umsatz auf der Straße hat liegen lassen.
Warum TSMC der Engpass ist
Sämtliche A-Series- und Apple-Silicon-Chips lässt Apple beim taiwanischen Auftragsfertiger TSMC produzieren. TSMC ist aktuell weltweit der zentrale Knotenpunkt für Hochleistungs-Chip-Fertigung – und genau hier liegt das Problem: Der KI-Boom hat die Nachfrage nach hochmodernen Chips explodieren lassen. Hyperscaler wie Google, Microsoft, OpenAI, Anthropic und Nvidia kaufen massiv Fertigungskapazitäten ein, weil sie ihre KI-Rechenzentren skalieren wollen.
Für Apple bedeutet das eine ungewohnte Konstellation: Vor wenigen Jahren war Apple TSMCs mit Abstand größter Kunde – mit dem Ergebnis, dass Apple bei Kapazitätsentscheidungen den Ton angab. Inzwischen ist das deutlich weniger der Fall. Apple bleibt zwar ein zentraler Großkunde, hat aber im Verhandlungspoker spürbar weniger Hebel als früher. Das ist mehr als eine kurzfristige Lieferketten-Delle – es ist eine strukturelle Verschiebung.
Bruttomarge bei 49,2 Prozent – trotz Druck
Trotz der angespannten Komponenten-Situation hat Apple im Q2 eine Bruttomarge von 49,2 Prozent gemeldet. Das liegt über den Erwartungen vieler Analysten und im oberen Bereich der historischen Spanne von Apple. Wichtig zur Einordnung: In dieser Gesamt-Bruttomarge stecken auch die Services, deren Marge traditionell deutlich höher liegt als die der Hardware. Dass Apple es trotzdem schafft, in diesem Umfeld profitabel zu wachsen, zeigt, wie stabil das operative Modell ist.
iPhone 17 Pro und das Standardmodell ziehen besonders
Apple bricht offiziell keine Stückzahlen oder Modell-für-Modell-Daten heraus. Cook ließ aber durchblicken, dass der Pro-Sektor besonders stark zieht: Das neue Aluminium-Chassis des iPhone 17 Pro und die markante orangefarbene Farbvariante kommen offenbar gut an. Auch das Standard-iPhone 17 dürfte eine wichtige Rolle spielen – erstmals bekommen auch die Basismodelle die ProMotion-Technologie und das Always-on-Display, die bisher den Pro-Modellen vorbehalten waren. Damit ist die Lücke zwischen Basis und Pro spürbar kleiner geworden, was vielen Käufern den Umstieg vom älteren iPhone erleichtert.
Hinzu kommt der erst im Quartal gestartete iPhone 17e, der das untere Preissegment abdeckt. Auch er fließt erstmals in die Quartalszahlen ein.
Wie es jetzt weitergeht
Spannend wird, wie Apple den Engpass bei den Prozessor-Nodes adressiert. Eine kurzfristige Lösung gibt es nicht – TSMC kann seine Kapazitäten nur über Monate, eher Jahre, ausbauen. Apple wird daher voraussichtlich versuchen, längerfristige Lieferverträge zu sichern und seine Bestellungen früher zu platzieren. Cook hatte bereits in früheren Earnings Calls angedeutet, dass die Lieferkette „weniger flexibel“ sei als gewohnt.
Für den Moment ist das Bild aber klar: Apple hat ein Premium-Produkt, das schneller weggeht, als das Unternehmen nachliefern kann. Aus Investorensicht ist das eines der besten Probleme, die ein Konzern haben kann – auch wenn Cook das so natürlich nicht formuliert.
Cooks Lieferketten-Geständnis ist ein Statement
Dass Tim Cook gerade jetzt – ein knappes halbes Jahr vor seiner Übergabe an John Ternus zum 1. September – derart offen über Engpässe spricht, hat einen doppelten Effekt: Er signalisiert dem Markt einerseits, dass die iPhone-Schwäche in den Quartalszahlen kein Nachfrage-Problem ist. Und er zeigt andererseits, dass Apple in der TSMC-Beziehung eine neue Realität akzeptiert hat. Für den künftigen CEO Ternus, der als Hardware-Chef genau diese Lieferketten-Dynamiken aus dem Effeff kennt, ist es eine Steilvorlage – und gleichzeitig eine der zentralen Aufgaben, die er von Tag eins an angehen muss. (Bild: Shutterstock / Wongsakorn 2468)
- Apple Q2 2026: Rekord-Quartal mit 111,2 Milliarden Dollar Umsatz
- iPhone 17 Pro und iPhone Air: Ladeproblem nach komplett leerem Akku
- Apple-KI testet mehrere Lösungswege parallel
- Satelliten-Smartphones: Apple dominiert den Markt klar
- Ternus muss früh über iPhone-Preise und US-Produktion entscheiden
- Apple gegen Epic Games: Berufungsgericht hebt Aussetzung auf
- Apple TV erhält sechs Nominierungen bei Gotham TV Awards
- UBS hebt Kursziel für Apple an – kurz vor den Quartalszahlen
- Apple Vision Pro: Erste Katarakt-OP weltweit erfolgreich
- Claude bekommt neun neue Connectors für Kreativ-Tools
- Ted Lasso Staffel 4: Start am 5. August auf Apple TV
- Apple TV: Umfrage bei Abonnenten zu Inhalten und Sport
- App Store: Neue Monatsabos mit 12-Monats-Verpflichtung kommen
- Severance: Adam Scott kennt das Ende und kündigt Überraschungen an
- iOS 26.5 Beta 4: Apple schließt die Testphase ab
- John Ternus zu Apple Services: „So viele Möglichkeiten“ für Wachstum
- Warum der 1. September für Ternus‘ CEO-Start entscheidend ist
- Wird das nächste Einsteiger-iPad zum „iPad Neo“?
- Ternus spricht über Vision Pro: „Wir sind erst am Anfang“
- Apple TV holt zwei Peabody Awards 2026
- GPT-5.5 ist da: OpenAI stellt „neue Intelligenzklasse“ für ChatGPT und Codex vor
- Perplexity-CEO: Das iPhone wird durch KI wichtiger, nicht überflüssig
- Mac mini Einstiegsmodell bei Apple ausverkauft
- Apple Maps war Cooks „erster großer Fehler“ – Apple Watch sein Stolz



