Der Perplexity-Chef Aravind Srinivas hat eine spannende Gegenposition formuliert: Während viele glauben, KI werde das Smartphone irgendwann verdrängen, argumentiert er das Gegenteil. Das iPhone werde zum „digitalen Reisepass“ – und Apple profitiere langfristig von KI, statt darunter zu leiden.
Es gehört mittlerweile zu den Standardnarrativen der Tech-Branche: Apple hänge bei KI hinterher, verliere gegen OpenAI und Google, und das iPhone werde früher oder später von KI-nativen Geräten abgelöst. Jetzt widerspricht ausgerechnet einer der prominentesten KI-CEOs dieser Theorie. Aravind Srinivas, Mitgründer und Chef der KI-Suchmaschine Perplexity, sieht das iPhone nicht als Opfer der KI-Revolution – sondern als deren eigentlichen Gewinner.
Srinivas‘ Aussagen im „This Week in AI“-Podcast haben Gewicht. Der Perplexity-Chef hat zuvor bei OpenAI, Google und DeepMind in der KI-Forschung gearbeitet – er kennt die Branche und ihre Dynamiken von innen. Seine Kernthese: Je besser KI wird, desto wichtiger wird das iPhone als Drehscheibe für persönliche Daten. Und genau das spiele Apple in die Hände.
„Das iPhone wird durch KI nicht disruptiert“
Die Position klingt zunächst überraschend. Srinivas sagt wörtlich, das iPhone werde „überhaupt nicht“ von KI disruptiert – und geht damit gegen das Narrativ mehrerer großer Silicon-Valley-Investoren vor, die in Smartphones langfristig ein auslaufendes Modell sehen. Seine Begründung: Moderne KI-Systeme brauchen immer mehr Kontext, um wirklich nützlich zu sein. Und dieser Kontext liegt in vielen Fällen bereits auf dem iPhone.
Srinivas beschreibt das iPhone als „digitalen Reisepass“. Auf dem Gerät laufen Zahlungen, Identitätsnachweise, Gesundheitsdaten, Kommunikation, Fotos und persönliche Erinnerungen zusammen. Das sei eine Datenbasis, die niemand anders – weder OpenAI noch Google, noch Anthropic – in dieser Form besitzt. Je besser KI wird, desto wertvoller wird genau dieser Datenschatz. Und damit wichtiger das Gerät, auf dem er liegt.
Apples „unterbewertetes“ Asset: Apple Silicon
Ein weiteres Argument von Srinivas zielt auf die Hardware. Apple Silicon – die Chip-Familie, die vom iPhone bis zum Mac alle Apple-Geräte antreibt – sei ein „unterbewertetes“ Asset, gerade weil KI-Workloads zunehmend lokal auf dem Gerät laufen würden. Konkret spricht Srinivas von „Agent-Loops“, die künftig lokal ausgeführt werden könnten – also komplexe KI-Workflows, die bisher zentrale Server-Infrastruktur brauchen. Wenn diese Prozesse auf das eigene Gerät wandern, greifen sie auf lokale Dateien, Apps, Nachrichten, E-Mails, Notizen und Fotos zu.
Das deckt sich perfekt mit Apples langjähriger Datenschutz-Philosophie. Je mehr Verarbeitung lokal auf dem Gerät stattfindet, desto weniger sensible Daten müssen an externe Server geschickt werden. Genau dafür hat Apple in den letzten Jahren massiv in Neural Engines investiert – spezielle KI-Beschleuniger, die in jedem aktuellen iPhone, iPad und Mac stecken. Auch die interne KI-Plattform, die Ternus gerade in der Hardware-Entwicklung einführt, zielt auf genau diese Schnittstelle zwischen Hardware und KI.
Zeit als Vorteil
Interessant ist Srinivas‘ Einschätzung zum Tempo. Andere Analysten werfen Apple vor, zu langsam zu sein – Srinivas sieht darin eher einen Vorteil. Apple habe „die Möglichkeit, sich Zeit zu nehmen und die Dinge so zu tun, wie sie wollen“, weil das Unternehmen enorme strukturelle Vorteile habe: Die Marke genießt großes Vertrauen, und das Apple-Ökosystem ist extrem klebrig – wer einmal drin ist, bleibt selten dauerhaft bei der Konkurrenz.
Diese Einschätzung passt zum Ansatz, den Apple seit Jahren verfolgt: Nicht erster am Markt sein, sondern derjenige mit dem besten Produkt. Beim iPhone (Konkurrenz zu Nokia), bei der Apple Watch (Konkurrenz zu Fitbit) und als Nächstes bei den Apple Glasses (Konkurrenz zu Meta) hat das Unternehmen bewiesen: Verspätete, aber ausgereifte Produkte können den Markt neu definieren.
Was das für Apple-Fans bedeutet
Srinivas‘ Aussagen sind eine Außenperspektive – und deshalb umso interessanter. Er ist nicht im Apple-Lager, sondern führt selbst ein Unternehmen, das theoretisch in Konkurrenz zu Apples KI-Ambitionen steht. Dass ausgerechnet er das iPhone als strategisch unersetzlich ansieht, ist ein starkes Signal.
Für Apple-Nutzer bedeutet das: Das iPhone wird in den kommenden Jahren vermutlich eher wichtiger als unwichtiger. Die geplanten neuen Produkte wie Apple Glasses oder das Pendant aus Gurmans jüngstem Report werden nicht als Ersatz für das iPhone fungieren, sondern als Ergänzung – die wiederum ohne iPhone-Verbindung nicht funktioniert. Das iPhone bleibt das Zentrum des Apple-Ökosystems.
Die Gegenposition: Apple muss trotzdem liefern
Natürlich ist Srinivas‘ Einschätzung nicht das letzte Wort. Der Perplexity-Chef selbst räumt ein: Apple hat noch kein Frontier-Modell vorgestellt, das mit OpenAI oder Google direkt konkurriert. Siri hinkt konversationellen KI-Systemen hinterher, die bereits den Standard für Nutzererwartungen gesetzt haben. Die Verzögerungen bei der neuen Siri und die Verhandlungen mit Google über Gemini als Siri-Basis belegen das.
Ein weiteres Problem: Viele iPhone-Nutzer verwenden bereits heute Drittanbieter-KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder eben Perplexity. Das zeigt: Die Kontrolle über die Hardware garantiert nicht automatisch auch die Kontrolle über die Intelligenz. Apple besitzt die Plattform, aber die KI-Erfahrung auf dieser Plattform wird weiterhin stark von der Konkurrenz geprägt. Wenn die auf der WWDC erwartete neue Siri nicht überzeugt, wird sich die These von Srinivas schneller relativieren, als ihm lieb ist.
Der KI-Markt ist derzeit die wohl dynamischste Branche überhaupt. Jede Prognose kann in sechs Monaten überholt sein. Aber die grundsätzliche Frage, die Srinivas aufwirft, bleibt wichtig: Wer profitiert langfristig von besserer KI? Wer die Daten kontrolliert – oder wer die Modelle baut? Aus seiner Sicht ist die Antwort klar: Apple, mit über zwei Milliarden aktiven Geräten weltweit, sitzt auf der attraktivsten KI-Datenbasis der Branche. Ob das Unternehmen unter dem neuen CEO Ternus daraus das Beste macht, wird eine der spannendsten Fragen der nächsten Jahre sein. (Bild: Shutterstock / DenPhotos)
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