Das brasilianische Justizministerium hat Apple und Google offiziell abgemahnt: Beide App Stores ermöglichen Minderjährigen laut Behörde weiterhin den Zugang zu Glücksspiel-Apps, was gegen das neue Jugendschutz-Gesetz ECA Digital verstoße.
Die Reihe der regulatorischen Probleme für Apples App Store reißt nicht ab. Nach dem 38-Milliarden-Dollar-Kartellverfahren in Indien und den jüngsten Negativ-Schlagzeilen zu Nudifying-Apps und einer betrügerischen Crypto-Wallet, die laut Berichten über 10 Millionen Dollar gestohlen haben soll, kommt nun Brasilien hinzu. Dort haben das Nationale Sekretariat für Digitale Rechte (Sedigi) und das Nationale Verbrauchersekretariat (Senacon) offizielle Schreiben an Apple und Google verschickt – wegen mangelnder Altersprüfungen bei Glücksspiel-Apps.
Laut einem Bericht der brasilianischen Zeitung Folha de S.Paulo betreffen die Beanstandungen „zahlreiche Apps“, die Minderjährigen entweder direkt Glücksspiel anbieten oder den Zugang dazu erleichtern. Viele dieser Apps hätten zudem gar keine offizielle Zulassung der brasilianischen Behörden – was sie außerhalb des Geltungsbereichs des neuen Jugendschutz-Gesetzes ECA Digital macht.
Was ECA Digital vorschreibt
ECA Digital ist ein brasilianisches Gesetz, das Regeln zum Schutz Minderjähriger in digitalen Umgebungen festlegt. Besonders relevant im aktuellen Fall: Der dazugehörige Erlass verpflichtet App-Stores und Betriebssysteme dazu, die Verfügbarkeit von Produkten oder Diensten zu verhindern, die Lotterien, Wetten oder andere Glücksspiele ohne behördliche Genehmigung anbieten oder ermöglichen.
Mit anderen Worten: Apple und Google sind laut Gesetz verpflichtet, solche Apps aus ihren Stores zu entfernen. Dass es trotzdem noch zahlreiche solcher Apps gibt, hat die Behörden jetzt dazu veranlasst, offiziell einzugreifen.
Das „Jogo do Tigrinho“-Phänomen
Unter den in den Behördenschreiben aufgelisteten Apps finden sich laut Folha mehrere Alternativen zum beliebten Glücksspiel „Fortune Tiger“ – einem Slot-Machine-Spiel, das in Brasilien unter dem Namen „Jogo do Tigrinho“ (Spiel vom kleinen Tiger) bekannt ist. Das Spiel hat in den letzten Monaten einen massiven Hype erlebt und ist besonders bei jungen Nutzern populär.
Dass sich zahlreiche Nachahmer-Apps im App Store befinden, ohne dass sie eine offizielle Glücksspiel-Lizenz haben, verschärft das Problem. Die Brasilianer haben in den letzten Jahren steigende Probleme mit Glücksspielsucht dokumentiert, besonders unter Jugendlichen – was den Druck auf die App-Stores erhöht.
Apples Altersprüfungs-Tools – aber noch nicht genug?
Interessant ist, dass Apple bereits im Februar angekündigt hat, seine App-Store-Alterssicherungs-Tools in mehrere Regionen auszuweiten – darunter auch Brasilien. Entwickler können seitdem über die Declared-Age-Range-API das Alter eines Nutzers abfragen, sofern dieser oder ein Erziehungsberechtigter der Weitergabe zustimmt. Apps, die Loot-Boxen enthalten, werden in Brasilien automatisch auf „18+“ gestuft.
Offenbar reichen diese Maßnahmen den brasilianischen Behörden aber nicht. Die Altersprüfung auf freiwilliger Basis und das automatische Hochstufen von Loot-Box-Apps scheinen das Kernproblem – die Verfügbarkeit nicht-lizenzierter Glücksspiel-Apps – nicht ausreichend zu lösen.
Apples Schweigen, Googles Reaktion
Apple hat gegenüber Folha de S.Paulo keine Stellungnahme abgegeben. Google hingegen erklärte, man habe Entwickler kürzlich an ihre Verantwortung erinnert, ECA-Digital-Anforderungen einzuhalten. Google verwies zudem auf das IARC-System zur Alters-Einstufung, das die Kriterien des brasilianischen Justizministeriums widerspiegele.
Der größere Kontext
Der Vorfall reiht sich ein in eine zunehmende Häufung regulatorischer Probleme für Apples App Store weltweit. Neben Brasilien und Indien sorgen auch Deutschland und die EU regelmäßig für Herausforderungen durch den Digital Markets Act. Zudem gibt es wachsende Kritik an der Qualität von App-Store-Inhalten – erst vor wenigen Tagen zeigte eine Auswertung, dass aktuelle App-Rezensionen deutlich schlechter ausfallen als die Gesamtbewertungen der Apps.
Für Apple ist Brasilien ein wichtiger Wachstumsmarkt. Der Konzern dürfte das behördliche Schreiben daher ernst nehmen und die beanstandeten Apps zeitnah entfernen oder ihre Altersfreigabe überprüfen. Die grundsätzliche Herausforderung bleibt aber bestehen: Wie identifiziert man zuverlässig und weltweit nicht-lizenzierte Glücksspiel-Apps – besonders wenn sie sich als harmlose Spiele tarnen? (Bild: Shutterstock / New Africa)
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