Speicherkrise und geopolitischer Druck: Auf Apples designierten CEO John Ternus warten zwei Weichenstellungen, die das Unternehmen über Jahre prägen werden.
Mit dem Wechsel an der Apple-Spitze rückt eine Frage ins Zentrum: Welche Themen wird John Ternus zuerst auf den Tisch bekommen? Ein neuer Bericht der Financial Times gibt eine klare Antwort. Zwei Entscheidungen stehen ganz oben auf der Liste – und beide haben das Potenzial, Apples Strategie für die kommenden Jahre zu prägen. Es geht um die explodierenden Speicherpreise und um die Frage, wo Apple seine Produkte künftig fertigen lässt.
Beide Themen sind keine Routinearbeit. Sie zwingen Ternus dazu, früh Position zu beziehen – gegenüber Investoren, Kunden, Lieferanten und nicht zuletzt gegenüber den Regierungen in Washington und Peking. Wir haben den Bericht eingeordnet und zeigen, warum diese Weichenstellungen so heikel sind.
Speicherpreise um über 400 Prozent gestiegen
Apple ist es seit Jahren gewohnt, am Speichermarkt die Konditionen mitzubestimmen. Diese Zeit ist vorerst vorbei. Der enorme Bedarf an RAM für KI-Server hat die Preise nach oben katapultiert – mit direkten Folgen für die Materialkosten eines iPhones.
Laut Financial Times hat Speicher bis vor Kurzem rund zehn Prozent der Materialkosten eines iPhones ausgemacht. Im kommenden Jahr könnte dieser Anteil auf bis zu 45 Prozent steigen. Das ist keine kleine Verschiebung, sondern eine fundamentale Umwälzung der Kostenstruktur. Bereits zuvor hatte BNP Paribas die Speicherkrise als zentralen Faktor genannt und das Apple-Kursziel auf 300 Dollar angehoben – ein deutliches Signal, dass die Wall Street das Thema längst eingepreist hat.
Für Ternus bedeutet das eine unbequeme Wahl. Entweder absorbiert Apple die höheren Kosten und akzeptiert sinkende Margen. Oder das Unternehmen hebt die Preise an und riskiert damit, dass weniger Geräte verkauft werden. Beides hat strategische Konsequenzen, beides wird Reaktionen auslösen.
Erste Anzeichen, wie Apple reagieren könnte, gibt es bereits. So senkt Apple einem Bericht zufolge bei der nächsten Generation die Spezifikationen einzelner iPhone-18-Modelle, um Kosten zu reduzieren. Das deutet darauf hin, dass Cupertino nicht nur am Preis schraubt, sondern auch an der Hardware selbst.
Fertigung zwischen China, Indien und den USA
Die zweite große Baustelle ist geopolitisch. Ternus muss entscheiden, wie sich Apples Produktionsstandorte zwischen China, Indien und den USA verteilen sollen – und das in einem Umfeld, in dem jede Entscheidung politisches Gewicht hat.
Tim Cook hatte hier diplomatisches Geschick bewiesen. Er konnte US-Präsident Trump davon überzeugen, dass eine vollständige iPhone-Fertigung in den USA unrealistisch ist, und gleichzeitig genug US-Investitionen platzieren, um politische Erfolge präsentieren zu können. Ein Balanceakt, den Cook über Jahre verfeinert hat. Mehr zu seiner Amtszeit findest du in unserer Übersicht zu Tim Cooks Werdegang als Apple-CEO.
In China läuft Apple seit Längerem auf einem schmalen Grat. Peking reagiert empfindlich darauf, dass immer mehr iPhone-Endmontage von China nach Indien verlagert wird. Bereits Anfang 2025 berichteten Quellen, dass China gezielt versucht, die Produktion in Indien zu erschweren – durch Exportrestriktionen, langsamere Genehmigungsverfahren und Druck auf Fachkräfte.
Samik Chatterjee von JPMorgan bringt es auf den Punkt: Die zentrale Frage für Ternus laute, wie er Apple gleichzeitig auf der richtigen Seite Washingtons und Pekings positionieren könne. US-Investitionen würden in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Treiber für Apples Strategie. Diese Lieferkettenentscheidungen werden das Unternehmen für viele Jahre prägen.
Was das für Apple bedeutet
Spannend ist, dass Tim Cook künftig als Executive Chairman an Bord bleibt. Damit zeichnet sich eine Rollenverteilung ab, die für Apple geradezu ideal sein könnte: Cook führt die heiklen Gespräche mit Washington und Peking weiter, Ternus konzentriert sich auf Produkte und langfristige Strategie. Cook übernimmt also die Rolle des politischen Vermittlers, während Ternus den Kopf frei hat für das, was Apple ausmacht – Hardware und Software auf höchstem Niveau.
Diese Aufteilung ist alles andere als ein Zufall. Sie spricht dafür, dass Apple den Übergang sehr bewusst gestaltet hat. Mehr über die Persönlichkeit und Schwerpunkte des designierten CEO erfährst du in unserer ausführlichen Übersicht zu John Ternus‘ Biografie und Werdegang.
Trotzdem bleibt der Druck hoch. Die Speicherkrise wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Apples Q2-2026-Earnings-Call am 30. April eines der Hauptthemen sein. Sinkende Margen sind unbeliebt bei Investoren, höhere Preise sind unbeliebt bei Kunden. Egal, wie Ternus entscheidet: Es wird Gegenwind geben.
Wie es für Ternus weitergeht
Die kommenden Monate werden zeigen, wie Ternus mit diesen Herausforderungen umgeht. Klar ist: Er übernimmt das Steuer in einer Phase, in der Apple gleichzeitig wirtschaftliche, technologische und geopolitische Entscheidungen treffen muss. Speicherpreise, Lieferketten und politische Beziehungen – alles greift ineinander.
Wie genau die Wall Street auf den Führungswechsel reagiert, haben wir in einer separaten Analyse zusammengefasst: So reagiert die Wall Street auf Apples CEO-Wechsel. Die ersten Entscheidungen, die nun anstehen, dürften viel darüber verraten, welchen Stil der neue Apple-CEO mitbringt. (Bild: Shutterstock / NorthSky Films)
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